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Der 1. FC Nürnberg auf dem Gang zur Zweiten Liga? Mike Frantz (v.) schreitet voraus © imago

Nach der Klatsche in Hamburg blockieren Fans den Nürnberger Mannschaftsbus. Der Abstieg ist nah. Die HSV-Profis loben Moniz.

Hamburg - Da standen sie nun vor dem Mannschaftsbus und blockierten.

Wie man es eben so macht in der Bundesliga, wenn die Enttäuschung ganz besonders groß ist.

Ein Häuflein Fans des 1. FC Nürnberg machte seinem Unmut nach der deprimierenden 0:4 (0:3)-Klatsche beim heftig angeschlagenen Hamburger SV Luft: "Wir ham' die Schnauze voll!" (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach der vierten Niederlage in Folge stürzte das Team vor dem letzten Spieltag auf Relegationsplatz 16, der achte Abstieg in der Bundesligageschichte wird immer wahrscheinlicher.

"Der Club is a Depp" heißt es in Franken. Und genauso hat er sich präsentiert in der Hansestadt, wo die Nerven nach einer völlig verkorksten Rückrunde bloß lagen.

"Wir haben jetzt am letzten Spieltag zu Hause ein Endspiel gegen Köln", sagte Trainer Dieter Hecking, "wenn wir aber noch einmal solche Leistung bringen, wird das auch nichts."

Hecking hatte in Maxim Choupo-Moting, Albert Bunjaku und Ilkay Gündogan drei offensiv orientierte Spieler aufgeboten.

Nürnberg wollte mitspielen in Hamburg, statt wie alle anderen beim HSV in den letzten Wochen erfolgreichen Teams tief in der Verteidigung zu stehen.

Hecking gesteht Fehler ein

So boten sich Räume, die die Gastgeber durch Jonathan Pitroipa (10.), Mladen Petric (19./25.) und Ruud van Nistelrooy (73.) nutzen konnte.

"Wir haben alle Fehler gemacht", sagte Hecking, "wir wollten eng stehen, den HSV in Zweikämpfe verwickeln und dann nach hinten raus Chancen bekommen."

Seine Spieler haben bei dieser Einstellung aber entweder nicht zugehört, oder sie haben den angeschlagenen Gegner nicht wirklich ernst genommen.

"Wir haben uns so viel vorgenommen, aber nichts umgesetzt. Das ist eine Kopfsache", sagte Torwart Raphael Schäfer, der mit einigen Paraden ein noch höheres Debakel verhinderte, "ich glaube noch an die Mannschaft, aber es wird jetzt sehr schwer."

So waren die Nürnberger der ideale Gegner für den HSV, um wenigstens ein bisschen Versöhnung mit dem eigenen Anhang zu feiern.

Unter Interims-Trainer Ricardo Moniz kämpften die Herren mit der Raute wieder und zeigten Laufbereitschaft.

Lob für Moniz

"Es war wichtig, hier trotz allem einen versöhnlichen Abschluss hinzubekommen", sagte Petric, "der Trainer hat eine Super-Arbeit gemacht, ich kann ihn mir als Cheftrainer für die kommende Saison vorstellen und glaube, dass auch andere Spieler so denken."

Der Niederländer wehrte solche Komplimente erst einmal ab: "Ich denke nur von Tag zu Tag", räumte aber ein: "Natürlich habe ich meine Ambitionen."

Seine erste Priorität ist jetzt aber, die Mannschaft auf das Spiel bei Werder Bremen vorzubereiten, denn ganz plötzlich gibt es doch wieder die Chance, mit einem Sieg in Bremen Stuttgart noch vom sechsten Platz zu verdrängen: "Wir leben noch immer."

Erst wenn die Saison wirklich gelaufen ist, geht es an die Analyse und werden Entscheidungen getroffen.

Hoffmann ist betroffen

Klubchef Bernd Hoffmann muss sich am 10. Mai beim Aufsichtsrat erklären, mit Urs Siegenthaler wird er die künftigen Personalien besprechen.

Mit seiner Ablösung ist jedenfalls nicht zu rechnen, auch wenn einige Fans ihrem Unmut mit "Hoffmann-raus"-Rufen Ausdruck gaben.

"Die Rufe taten weh", sagte Hoffmann, "die Emotionen der Fans sind für mich aber nachvollziehbar."

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