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Andreas Müller (l.) ist seit Mai 2006 Manager des FC Schalke 04 © imago

Schalkes Manager Andreas Müller über die Beweggründe für Kuranyis Entschluss und den Vergleich mit den anderen Nationalstürmern.

Von Thorsten Mesch

München/Gelsenkirchen - Kevin Kuranyis "Flucht" aus der Nationalmannschaft ist seit dem Wochenende das alles beherrschende Thema.

Neben berechtigter Kritik hat der Schalker Stürmer auch Zuspruch erhalten. Allen voran vom Schalker Manager Andreas Müller, der die Entscheidung des 26-Jährigen zwar nicht gutheißen wollte, aber Verständnis für seinen Spieler zeigte und erklärte, man müsse über die Beweggründe des Spielers nachdenken.

Im Interview mit Sport1.de spricht Andreas Müller über die Ereignisse, die Kuranyi zu seiner Entscheidung bewogen haben könnten. Negative Auswirkungen für andere Schalker Spieler befürchtet Müller nicht.

Sport1: Nach Kevin Kuranyis Abgang aus der Nationalmannschaft haben Sie ihn verteidigt und darauf verwiesen, dass er zuletzt mehr Tore erzielt hat als andere Stürmer in der Nationalmannschaft.

Müller: Eines möchte ich klarstellen: Ich wettere nicht gegen andere Spieler, zumal sie in der Nationalmannschaft aktuell gute Leistungen gebracht haben. Das sieht Kevin übrigens genauso, der alles andere als nicht selbstkritisch ist. Ich sehe nur, dass er bei uns großes Vertrauen genießt, in der Nationalmannschaft aber nicht. Jedenfalls nicht so wie Lukas Podolski und Miroslav Klose es in für sie schweren Zeiten genossen. Aber das ist natürlich allein die Entscheidung des Bundestrainers. Ich habe nur Kevin verteidigt und mich hinter ihn gestellt.

Sport1: Sie glauben aber weiter, dass die Statistik für Kuranyi gesprochen hätte?

Müller: Ich rudere nicht zurück. Für mich ist eins klar: Ein Kevin Kuranyi hat in der Bundesliga in den letzten Jahren hinter Mario Gomez nachweislich die meisten Tore geschossen. Und zudem hat er in der Champions League wichtige Treffer für uns erzielt.

Sport1: Sie haben auch ausdrücklich Verständnis für Kuranyis Entscheidung geäußert. Wie meinten Sie das konkret?

Müller: Nachdem er nicht für die WM im eigenen Land nominiert worden war, hat er sich in einem für ihn sehr schweren Moment wieder herangekämpft und wichtige Tore gemacht, wie zum Beispiel im EM-Qualifikationsspiel 2007 in Tschechien. Bei der Europameisterschaft hat er aber kaum Einsatzzeiten bekommen ? obwohl die anderen Stürmer nicht überzeugt haben. Jetzt war er in einem ganz wichtigen Qualifikationsspiel nicht mal mehr im Kader. Hätte er einen Platz auf der Reservebank gehabt, wäre das alles sicher nicht passiert. Er hätte dies als Zeichen, als Vertrauensbeweis gedeutet.

Sport1.de: Zudem soll es einige Sprüche gegen ihn auf der Tribüne gegeben haben...

Müller: Ja, die gab es gegen ihn als Schalker sicherlich. Da ist ihm klar geworden, dass er nicht das Vertrauen erhält, das andere Spieler vom Bundestrainer bekommen. Er hatte das Gefühl, dass immer er der erste ist, gegen den entschieden wird. Dass es eine emotionale Geschichte ist und dass er abhaut, kann daher vielleicht noch jeder verstehen. Akzeptieren kann man es aber nicht. Er hätte die Situation offener lösen müssen.

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