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Peter Neururer trainierte sowohl den VfL Bochum als auch Hannover 96 © getty

Vor dem Finale im Abstiegskampf beurteilt Peter Neururer bei SPORT1 die Ausgangslage der drei Klubs und wagt eine Prognose.

Von Hardy Heuer und Martin van de Flierdt

München - In der höchsten Not wird eng zusammengerückt.

Daher tun die drei Abstiegskandidaten Hannover 96, 1.FC Nürnberg und VfL Bochum alles, um am 34. und entscheidenden Spieltag den eigenen Anhang zu mobilisieren.

Die Fans sollen ihrer jeweiligen Mannschaft über die wichtigen letzten Zentimeter in Richtung Ziellinie helfen, die die Kicker alleine womöglich nicht mehr schaffen.

"Wir wissen, dass wir es nur gemeinsam positiv gestalten können", appelliert stellvertretend Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer vor dem Heimspiel gegen den 1.FC Köln (Sa., ab 15 Uhr LIVE) an möglichst 50.000 Franken, dem Club Rückhalt zu geben.

Bei SPORT1 analysiert Peter Neururer die Ausgangslage der drei Abstiegskandidaten und gibt eine Einschätzung über den möglichen Ausgang.

Der 55-Jährige war sowohl beim VfL Bochum als auch bei Hannover 96 als Trainer tätig. Bei Nürnberg war er im Gespräch, als Wolfgang Wolf im Herbst 2005 entlassen wurde.

1.FC Nürnberg (Tabellenplatz 16, 28 Punkte, 31:58 Tore)

Vier Niederlagen in Serie haben den Nürnberger Anhang zuletzt vergrätzt, bei der Mannschaft ist das Selbstvertrauen Verunsicherung gewichen.

"Hamburg ist passe. Wir müssen alles, einfach alles in dieses Spiel hineinlegen", sagt Schäfer. Der 110. Geburtstag des Vereins, der am Dienstag gefeiert wurde, soll zusätzliche Motivation geben.

Ein Sieg gegen Köln bringt den Klassenerhalt, wenn Hannover nicht gewinnt. Den Franken reicht ein Unentschieden für die Relegation, wenn Bochum nicht gewinnt. (SERVICE: Der Tabellenrechner)

Mickael Tavares wird wieder an die Seite Andreas Ottls im defensiven Mittelfeld rücken. Marcel Risse darf wieder rechts offensiv ran, Juri Judt ersetzt dahinter den verletzten Dennis Diekmeier. Auch der in dieser Saison nur sporadisch eingesetzte Marek Mintal könnte in die Startformation rücken.

"Mit seiner Ausstrahlung, seinem positiven Naturell könnte Marek uns vielleicht helfen", meint Nürnbergs Trainer Dieter Hecking in den "Nürnberger Nachrichten".

Für Gegner Köln geht es nur noch um Punktprämien. Allerdings hat der FC auswärts erst zwölf Gegentore kassiert, so wenig wie kein anderer Klub. Diese Bilanz werden sich die Geißböcke nicht kaputtmachen lassen wollen.

Das sagt Peter Neururer:

"Die Nürnberger haben die schwere Aufgabe, gegen den 1. FC Köln zu spielen. Köln wird mit Sicherheit versuchen, sich mit einer guten Leistung aus der Saison zu verabschieden, denn die Saison ist nicht so verlaufen, wie sich Köln das vorgestellt hat. Das wird für Nürnberg nicht einfach."

Fazit: Nürnberg steigt ab

VfL Bochum (17, 28, 33:61)

Der Trainerwechsel von Heiko Herrlich zu Dariusz Wosz hat zwar zunächst keinen zählbaren Erfolg gebracht. Die Stimmung, so wird allerdings aus dem Mannschaftskreis wiederholt geäußert, ist vor dem "Abstiegsendspiel" gegen Hannover 96 deutlich verbessert.

"Das Stadion muss brennen", fordert Wosz für den kommenden Samstag. "Angefangen von der Mannschaft über den Zeugwart bis zu den Fans, die hoffentlich unser zwölfter Mann sind - jeder kann und wird seinen Beitrag dazu leisten, dass wir mindestens die Relegation erreichen."

Verliert der VfL, kann er nur noch auf Platz 16 hoffen, wenn Nürnberg Köln um ein Tor höher unterliegt. Gewinnt der VfL, wäre er durch, falls der Club Punkte lässt. Siegt auch der FCN, bräuchte Bochum einen um ein Tor höheren Erfolg für Platz 15. Ansonsten geht?s in die Relegation. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Ein Abstieg hätte gravierende finanzielle Folgen. Finanzvorstand Ansgar Schwenken kalkuliert mit 16 Millionen Euro Mindereinnahmen, sollte der VfL den Gang in die Zweite Liga antreten müssen.

Spielergehälter müssten angepasst, Leistungsträger wie Stanislav Sestak wohl verkauft werden.

Das sagt Peter Neururer:

"Ich habe die große Hoffnung, dass der VfL Bochum gegen Hannover 96 gewinnt. Der VfL kann schon mit einem 1:0 die Klasse halten. Bochum versteht es, die Ärmel hochzukrempeln, das hat der VfL immer verstanden.

Deswegen glaube ich, dass die leichte Favoritenrolle losgelöst von der ganzen Saison bei Bochum liegt."

Fazit: Bochum schafft den Klassenerhalt.

Hannover 96 (15, 30, 40:67)

"Wir haben noch nichts erreicht", erinnert 96-Kapitän Arnold Bruggink nach dem triumphalen 6:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Die Ausgangslage der Niedersachsen ist allerdings so, dass Gegner Bochum gerne tauschen würde.

Bei einem Sieg wäre Hannover gerettet, ein Remis reicht, wenn Nürnberg nicht gewinnt. Holen die Franken drei Punkte, geht 96 mit einem Unentschieden in die Relegation. Die wartet auch bei einer Niederlage in Bochum und einem Patzer des FCN. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Verliert Hannover und Nürnberg siegt ebenfalls, wird es duster. "Wir werden in Bochum gewinnen müssen", meint daher Manager Jörg Schmadtke. "Das ist eine große Last, aber auch eine schöne Herausforderung."

96 wird sich in Bochum einer selten starken Publikumsunterstützung erfreuen können. Denn knapp 10.000 der 30.700 Eintrittskarten wurden von Hannover-Fans gekauft.

"Ich bin seit sechs Jahren bei 96, aber eine derartige Resonanz bei einem Auswärtsspiel habe ich noch nicht erlebt", bekannte Thorsten Meier, zuständig für den Kartenverkauf, in der "Hannoverschen Allgemeinen".

Das sagt Peter Neururer:

"Hannover wird aufgrund des 6:1 gegen Gladbach mit Aufwind in Bochum auflaufen. Auch wenn ich hoffe, dass der VfL gewinnt, hoffe ich zugleich dass Hannover trotzdem die Klasse hält.

Bei der Konstellation wird es allerdings sehr schwer, jedoch ist es möglich, wenn Nürnberg gegen Köln verliert."

Fazit: Hannover geht in die Relegation

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