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Bernd Hoffmann (l.) im Gespräch mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel © SPORT1

Hamburgs Boss Bernd Hoffmann begegnet dem Erzrivalen beim Derby am Samstag mit Respekt, wie im SPORT1-Interview deutlich wird.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die Schüssel an der Weser wird kochen.

Am Samstag (ab 15 Uhr LIVE-TICKER) empfangen die Bremer den Hamburger SV. Das Nordderby bedeutet Emotionen, Entscheidungen und Kampf.

Es ist das Saisonfinale, in dem für beide Teams viel auf dem Spiel steht.

Werder will Platz drei halten, der HSV auf den letzten Drücker noch in die Europa League.

Voraussetzung ist dafür ein Sieg im Weserstadion und ein Patzer des VfB Stuttgart bei 1899 Hoffenheim (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Rivalität zwischen Schwarz-Weiß-Blau und Grün-Weiß ist groß. Vor allem nach der vergangenen Saison, als Bremen den Erzrivalen aus der Europa League und dem DFB-Pokal warf. 36806(DIASHOW: Tritte, Giftpfeile und Derbywahnsinn)

HSV-Boss Bernd Hoffmann begegnet Werder mit Respekt.

Und mit einer Spur Neid blickt er Richtung Thomas Schaaf und Klaus Allofs, denn sie stehen für etwas, das in Hamburg in den letzten Jahren fehlte: Kontinuität.

Im SPORT1-Interview spricht Hoffmann über das entscheidende Duell, die erneute Trainersuche und eine insgesamt verkorkste Saison.

SPORT1: Herr Hoffmann, turbulente Wochen liegen hinter dem HSV. Wie blicken Sie darauf?

Bernd Hoffmann: Insbesondere die letzten beiden Wochen waren sehr turbulent und emotional, mit der Trennung von Trainer Bruno Labbadia, dem Ausscheiden in der Europa League in Fulham und dem Spiel gegen Nürnberg, was uns wieder eine Minimalchance auf die Europa-League-Qualifikation gibt.

SPORT1: Stuttgart müsste verlieren, der HSV im Nordderby gewinnen. Wie groß ist die Hoffnung noch?

Hoffmann: Das ist eine sehr unwahrscheinliche Konstellation, aber keine ausgeschlossene.

SPORT1: Gegen Ihre Person gab es beim Nürnberg-Spiel Pfiffe. Wie haben Sie das aufgenommen?

Hoffmann: Das tut weh, auch wenn es eine Minderheit ist und es eine Gegenreaktion gab, die mich gefreut hat.

SPORT1: Die Saison verlief enttäuschend. Worin liegen die Ursachen?

Hoffmann: Die langwierigen Verletzungen, besonders von Schlüsselspielern, waren ein ganz entscheidender Punkt. Es fing mit Paolo Guerrero an, der eine überragende erste Saisonphase hatte und uns dann fast die gesamte Saison fehlte. Das Gleiche gilt auch für Eljero Elia, der beinahe die komplette Rückrunde ausgefallen ist, für Marcell Jansen, für Mladen Petric oder Ze Roberto.

SPORT1: Ricardo Moniz hat kurz vor dem Fulham-Spiel das Ruder übernommen. Besteht die Möglichkeit, dass er auch in der nächsten Saison HSV-Trainer ist?

Hoffmann: Die Personalentscheidung über den Trainer ist sehr wichtig. Wir werden sie nach einer ausführlichen Saisonanalyse treffen.

SPORT1: Nach welchen Kriterien gehen Sie vor?

Hoffmann: Wir suchen jemanden, der uns Erfolg verspricht. Einen Trainer, der in der Lage ist, die Mannschaft zu führen und sie sowohl individuell als auch als Team weiterzuentwickeln - und das in einem ambitionierten Umfeld wie Hamburg.

SPORT1: Muss Moniz den Verein verlassen, wenn ein neuer Trainer kommt? Oder wird er wieder den Posten des Technik-Trainers übernehmen?

Hoffmann: Wir haben Moniz ohnehin unabhängig von den letzten beiden Wochen angeboten, dass er bei uns bleibt. Da muss man sehen, wie er sich entscheidet. Die Türen stehen ihm offen.

SPORT1: Inwieweit wird der künftige Sportdirektor Urs Siegenthaler an der Trainersuche beteiligt? (zum Artikel Siegenthaler im Vorstand - Koller Favorit)

Hoffmann: Er ist natürlich intensiv eingebunden, sein Votum ist wichtig.

SPORT1: Das Duo Trainer/Sportdirektor muss gut funktionieren, sowohl was die Kompetenz angeht als auch das menschliche Verständnis...

Hoffmann: Wenn das funktioniert, siehe Werder Bremen, dann ist das die entscheidende Voraussetzung für Kontinuität und den sportlichen Erfolg. Aber auf der Suche dieser perfekten Konstellation sind viele Klubs.

SPORT1: Was erwarten Sie von Urs Siegenthaler?

Hoffmann: Er soll eine Spielphilosophie verankern und seine Vorstellungen im Nachwuchsbereich, im Scouting und in der Entwicklung des Kaders umsetzen.

SPORT1: Ein Talent wie Jerome Boateng geht nach der Saison zu Manchester City. Was sagen Sie dazu?

Hoffmann: Personelle Fluktuation gibt es in jedem Klub. Dennoch ist es unser Ziel, zentrale Spieler langfristig zu binden und damit die Identifikation zu erhöhen. Auf der anderen Seite ist der Weggang wirtschaftlich so kompensiert worden, dass wir auch wieder zwei Schritte nach vorne machen können.

SPORT1: Es gibt die Aussage, dass der HSV keine Durchgangsstation sein will. Lässt sich aus Ihrer Sicht einfach nicht vermeiden, dass wichtige Spieler den Verein verlassen?

Hoffmann: Doch, das wäre natürlich wünschenswert, aber dazu müssten Sie die richtigen Spieler im Kader haben, Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren. Auch darauf wollen wir in der Zukunft ein größeres Augenmerk drauf legen.

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