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Jan-Age Fjörtoft sorgte 1999 für den Frankfurter Klassenerhalt © getty

Große Spannung im Abstiegskampf: 1999 ist es ähnlich eng. Frankfurts Stürmer sorgt kurz vor Spielschluss für den Klassenerhalt.

Von Nils Reschke

"Hier ist wieder Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund!", krächzt Günther Koch in das Mikrophon.

Der Radio-Reporter und bekennender "Clubberer" hatte gerade das wohl spektakulärste Abstiegsrennen in der Bundesliga-Geschichte erlebt.

"Adé liebe Freunde! Es ist nicht zu fassen, was der Club seinen Fans, was er seinen Anhängern und was er seinem treuen Publikum zumutet."

Doch wenn es auf der einen Seite einen großen Verlierer gibt, den 1. FC Nürnberg, muss es auch einen Sieger geben.

Der hieß an jenem 29. Mai 1999 nach einem beherzten Kampf Eintracht Frankfurt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle

"Er hätte sogar die Titanic gerettet"

Später hatte Jan-Age Fjörtoft wieder einmal allen Grund, einen seiner legendären Sprüche auszupacken: "Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet", beschrieb der norwegische Stürmer-Star das, was da im Waldstadion abgelaufen war.

Vor dem letzten Spieltag waren die Eintrachtler auf Platz 16 und mit dem schlechtesten Torverhältnis aller "Kellerkinder" so gut wie abgestiegen.

Noch dazu, weil Hansa Rostock, der SC Freiburg, VfB Stuttgart und der 1. FC Nürnberg auf die deutlich besseren Tordifferenzen verweisen durften.

Doch dann nahm das Wunder seinen Lauf.

Dramatik auf drei Plätzen

In Stuttgart deutete schnell alles auf einen sicheren Sieg gegen Werder Bremen hin. Die Schwaben hatten sich aus diesem Schlamassel befreit. Doch auf den restlichen Plätzen nahm die Dramatik ihren Lauf.

Rostock führte bis zur 68. Minute 1:0 in Bochum, Freiburg sogar 2:0 in Nürnberg. Doch für den Club war das nicht weiter dramatisch, weil der 1. FC Kaiserslautern in Frankfurt gerade eben per Strafstoß von Michael Schjönberg ausgeglichen hatte.

Aber die Eintrachtler antworteten prompt in Person von Thomas Sobotzik, dessen Kopfball das 2:1 bedeutete. Fast zur gleichen Zeit hatte urplötzlich Stefan Kuntz und Peter Peschel das Ergebnis in Bochum gedreht.

Auch hier lag der VfL jetzt 2:1 gegen Rostock vorne ? Hansa wäre nach 74 Minuten in die Zweite Liga abgestiegen. Noch immer wähnte sich Nürnberg in Sicherheit.

Marek Nikl lässt die "Clubberer" hoffen

Doch dieser Nachmittag war kein normaler Sommertag im Mai. Victor Agali (77.) und Slawomir Majak (83.) hatten sieben Minuten vor dem finalen Schlusspfiff der Saison 1998/99 die Hansa-Kogge wieder auf Bundesliga-Kurs geschossen.

Zeitgleich ging auf einmal ein Ruck durch die Frankfurter Elf mit ihren Feuerwehrmann Jörg Berger. Marco Gebhardts und Bernd Schneiders Tor zum 4:1-Zwischenstand ließ die Hessen wieder hoffen, die auf einmal die Klasse wegen des besseren Torverhältnisses gehalten hätten.

Da meldete sich Günther Koch mit sich überschlagender Stimme aus Nürnberg: "Tor in Nürnberg! Ich pack das nicht mehr. Ich halt das nicht mehr aus. Ich will das nicht mehr sehen. Aber sie haben ein Tor gemacht. Ich glaube es nicht! Aber der Ball ist drin! Ich weiß nicht wie: Kopfball von Nikl..."

Der Treffer also, der Eintracht Frankfurt absteigen lassen sollte...

Am Abgrund

Das Nürnberger Tor machte schnell auch in Frankfurt die Runde, wo Jörg Berger mit den Armen ruderte, seine Mannschaft nach vorne trieb. Dann die 89. Minute, in der sich Christoph Westerthaler, gerade eben erst eingewechselt, das Leder schnappte und über den halben Platz marschierte.

Von Ciriaco Sforza bedrängt, leitete der Joker im Fallen nach links weiter, wo auf einmal Jan Age Fjörtoft völlig frei auftauchte. Mit einem sensationellen Übersteiger verlud der Norweger Torwart Andreas Reinke und schob zum 5:1 ein.

Was für eine Dramatik! Auch im "Abgrund Nürnberg", wo fast zeitgleich Marek Nikl den Ausgleich auf den Fuß hatte, den Ball aber nur an den Pfosten hämmerte. Der Abpraller fiel Frank Baumann vor den Schlappen.

Doch der Franke brachte das Kunststück fertig, das Leder dem bereits geschlagenen Keeper Richard Golz direkt in die Arme zu schieben. Unglaublich! Es wäre gleichbedeutend mit dem Frankfurter Abstieg gewesen.

So aber wurde das Kämpferherz der Eintracht und die vier Treffer in nur 21 Minuten mit dem Klassenerhalt belohnt.

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