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Tim Wiese (M.) kassierte in dieser Saison 40 Gegentore © getty

Nach Bremens Einzug in die Champions-League-Quali beklagt Tim Wiese fehlende Lobby. Auch HSV-Pendant Frank Rost redet Tacheles.

Von Martin van de Flierdt

München/Bremen - Es war wie so oft in der jüngeren Vergangenheit, wenn Werder Bremen im Nordderby auf den Hamburger SV getroffen war:

Nach dem Schlusspfiff fielen sich strahlende Bremer in die Arme, während die "Rothosen" ein weiteres Frustrationserlebnis zu verarbeiten suchten.

Zwar hatte der HSV nach den verheerenden vier Derbys innerhalb von 19 Tagen im Vorjahr das Hinspiel dieser Spielzeit mit 2:1 für sich entschieden.

Doch das 1:1 (0:0) im Rückspiel machte die Bremer als Teilnehmer an der Champions-League-Qualifikation erneut zu Siegern der Saison, während die Hamburger mit der Europa League auch das letzte verbliebene Ziel verpassten.

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"Mehr erreicht als gedacht"

"Wir haben jetzt mehr erreicht, als wir gedacht hatten", resümierte Werder-Kapitän Torsten Frings.

"Nach dem Hoch in der Hinrunde, in der wir eine gute Serie hatten kamen viele Spiele, in denen es nicht lief. Deshalb sind wir mit dem dritten Platz sehr zufrieden."

Zwischen dem 14. und 20. Spieltag war bei den Bremern nichts zusammengegangen, mit nur zwei von möglichen 21 Punkten stürzten sie auf Rang sechs ab.

Ohne diese Negativserie hätte Werder vielleicht sogar noch in den Titelkampf eingreifen können.

16 Punkte lag das Team damals hinter dem damaligen Spitzenreiter Bayer Leverkusen, den die Bremer dank ihres Schlussspurts noch auf Rang vier verdrängten.

Endspurt auf Rang drei

Die Rheinländer mit einer Ausbeute von 22 Zählern aus den finalen neun Partien noch abgefangen zu haben, erfüllte Trainer Thomas Schaaf mit Genugtuung.

"Wir waren ja eigentlich schon weg. Aber die Mannschaft hat noch einmal einen Kraftakt bewältigt und verdient diese Position eingenommen", urteilte er.

"Damit haben einige sicher nicht mehr gerechnet. Umso schöner, dass die Mannschaft diesen Glauben gehabt hat."

Dass Platz drei für Werder nicht mehr in Gefahr geriet, hatte die Mannschaft im Wesentlichen Tim Wiese und Claudio Pizarro zu verdanken.

Wiese will kämpfen und beklagt fehlende Lobby

Der Schlussmann parierte gegen Ruud van Nistelrooy (9./67.) und Jerome Boateng (84.) in überragender Manier und ging in Sachen WM-Stammplatz nach dem Spiel verbal in die Offensive:

"Ich kann nur meine Leistung von Woche zu Woche bestätigten, was ich immer mache", sagte er bei LIGA total!

"Ich werde so lange kämpfen bis ich aus den Ohren blute. Aber mir fehlt, glaube ich, die Lobby hier in diesem Land."

Pizarros Rekord macht Peru stolz

Rundum zufrieden war dagegen sein Teamkollege Pizarro. Der Peruaner sicherte sich mit seinem spektakulären Treffer per Hacke zum 1:0 (58.) einen Eintrag in die Bundesliga-Geschichtsbücher.

Es war sein 133. Tor in der höchsten deutschen Spielklasse. Bislang hatte nur Giovane Elber als Ausländer diese Marke erreicht.

"Ich bin sehr stolz auf meinen Rekord. Für mich und für mein Land ist es etwas Besonderes", sagte der Angreifer.

"Ich hoffe, dass ich noch lange da oben in der Liste bleibe. Aber das Wichtige ist, dass wir jetzt fast in der Champions League sind. Jetzt werden wir alles geben, nächste Woche wieder den Pokal nach Bremen zu holen."

Rost legt Finger in die Wunde

Diese Perspektive hätten die Hamburger gerne. "Die Saison war eine Riesenenttäuschung", redete Frank Rost Tacheles.

"Wir haben unheimlich viele Baustellen aufgemacht. Da gibt es einiges zu klären." Es sei "zwischenmenschlich vieles kaputt gegangen".

"Ich wünsche mir, dass man in Hamburg aufhört, sich gegenseitig mit politischen Spielchen aus der Bahn zu werfen und wirklich mal gemeinsam an einem Strang zieht, die Kräfte bündelt und intern die Dinge klar regelt", legte der Torhüter den Finger in die Wunde.

Trotz des hochkarätig besetzten Kaders ist der HSV nun erstmals seit acht Jahren nicht international dabei.

"Es geht nicht darum, nach Namen zu kaufen oder 15 gute Fußballer im Verein zu haben", merkte Interimscoach Ricardo Moniz an, der vor zwei Wochen den entlassenen Bruno Labbadia beerbt hatte.

"Es geht um Balance, um Charakter und um eine Philosophie, die man entwickeln muss."

Van Nistelrooy will mit anpacken

All das scheint den Hamburgern in dieser Saison abgegangen zu sein, in deren Rückrunde sie 15 Punkte auf Europa-League-Teilnehmer VfB Stuttgart verloren.

"Es tut natürlich weh", räumte Kapitän David Jarolim ein. "Aber das haben wir nicht heute hier verspielt, sondern in den vergangenen Spielen."

In der Tat deuteten die Hamburger in Bremen auch dank des gut aufgelegten Torschützen van Nistelrooy (82.) an, dass mehr als Platz sieben möglich war.

Neben Rost sagte immerhin auch der Niederländer zu, beim Neuanlauf im Sommer mit anzupacken.

"Ich habe mich bei vollem Verstand für den HSV entschieden", sagte van Nistelrooy. "Ich werde auch in der nächsten Saison versuchen, den Verein weiterzubringen."

Mit welchem Trainer das gelingen soll, bleibt allerdings die große Frage.

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