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Andreas Ottl (M.) erzielte gegen Köln seinen ersten Treffer für Nürnberg © getty

Nach dem zunächst abgewendeten Absturz konzentriert sich der 1. FC Nürnberg auf die Relegation und will die eigene Erfahrung nutzen.

Von Andreas Kloo

München/Nürnberg - Das befürchtete große Zittern blieb gegen Köln zwar aus, doch gerettet ist der 1. FC Nürnberg nach dem 1:0-Sieg noch lange nicht.

In der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten FC Augsburg droht dem Tabellen-Sechzehnten immer noch der achte Bundesliga-Abstieg und damit der Makel des alleinigen Rekord-Absteigers.

"Wir hätten uns natürlich gewünscht, es direkt regeln zu können. Das haben wir in den letzten vier Spielen verspielt, da müssen wir uns an die eigene Nase packen", ärgerte sich Trainer Dieter Hecking nach dem Spiel bei Liga total!.

Augsburg bereits beobachtet

Vier Niederlagen in Folge hatten die Franken vor dem "Endspiel" gegen Köln kassiert und war von Rang 14 noch abgerutscht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch die Enttäuschung beim Coach hielt nicht lange an.

Ohnehin hatte sich Hecking schon nach der 0:4-Klatsche in Hamburg gedanklich auf das Duell mit Augsburg eingestellt. Tags darauf beobachtete er die Schwaben bei deren 1:0-Erfolg gegen 1860 München.

Mit einem Sieg Hannovers in Bochum hatte der Ex-Coach der Niedersachsen offenbar gerechnet. "Das war zu befürchten, dass Hannover schnell in Führung geht", unkte der 45-Jährige hinterher.

"Kopf entscheidet"

Das Spiel gegen Köln unterwarf er dann schon der psychologischen Ausrichtung für die Spiele gegen Augsburg. Als wichtigstes Ziel galt: mit einem Sieg Selbstvertrauen für das Duell mit dem FCA zu holen.

"Das sind Spiele, die der Kopf entscheidet", sagte Hecking zum Thema Relegation. Das hatte er offenbar auch den Spielern eingetrichtert.

Sieg gibt Selbstvertrauen

"Es ist immer gut mit einem Sieg im Rücken in das nächste Spiel zu gehen. Wir haben es nun wieder selbst in der Hand, die Liga zu halten", zog Kapitän Andreas Wolf nach der Partie ein positives Fazit.

Den Sieg stellte Bayern-Leihgabe Andreas Ottl mit seinem Freistoßtreffer in der 88. Minute sicher. Er wähnt sein Team jetzt in einer guten Ausgangslage.

"Mit diesem positiven Erlebnis wollen wir nun einen psychologischen Vorteil gegen Augsburg nutzen. Zwei heiße Spiele stehen vor uns", blickt der defensive Mittelfeldspieler voraus.

Club mit Relegationserfahrung

Neben dem Dreier hat der Bundesliga-Rekordabsteiger noch einen anderen Vorteil auf seiner Seite. "Wir haben Erfahrung mit der Relegation", erinnerte Präsident Franz Schäfer.

Vor exakt einem Jahr bezwang Nürnberg als damaliger Tabellendritter der Zweiten Liga Energie Cottbus souverän in Hin- und Rückspiel und stieg in die Bundesliga auf.

Doch Wolf sieht den eigenen Erfolg von vor zwölf Monaten als Mahnung: "Letztes Jahr sind wir als Zweitligist aufgestiegen. Das sollte uns eine Warnung sein."

Verteidiger Dominic Maroh ging sogar noch einen Schritt weiter: "Als Zweitligist hat man immer die besseren Karten, weil man weniger zu verlieren hat."

Schwächster Stum der Liga

Auch aus sportlicher Sicht scheint Nürnberg momentan gegenüber dem bayerischen Konkurrenten im Hintertreffen.

Zwar stoppte der Club gegen Köln die Negativserie. Aber die mangelnde Durchschlagskraft in der Offensive war offensichtlich. Mit Bunjaku, Eigler, Mintal, Choupo-Moting und Boakye waren fünf verschiedene Stürmer auf dem Platz.

Der einzige Treffer fiel aber bezeichnenderweise aus einer Standardsituation. Und mit 32 erzielten Treffern hatten die Franken in der abgelaufenen Saison den schwächsten Sturm der Liga.

Hannover-Führung lähmt

Gegen Köln stoppte darüber hinaus das Zwischenergebnis aus Bochum den Nürnberger Elan früh.

"Als Hannover schnell mit 2:0 geführt hat, hat das die Aktionen gelähmt", erkannte Hecking hinterher.

Dennoch reichte es zum Sieg, auch weil Gegner Köln nur das Nötigste tat. Augsburg dürfte wesentlich gefährlich sein.

Den virtuellen Schalter im Kopf umzulegen, wird wohl die wichtigste Aufgabe der Club-Spieler für die nächsten Tage sein.

"Jetzt müssen wir erst vom heutigen Spiel runterkommen", gab Kapitän Wolf deshalb nach dem Spiel als Parole aus.

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