Bochums Abstieg kommt nicht überraschend. Seitdem sich der VfL als "unabsteigbar" bezeichnet hat, passiert regelmäßig das Gegenteil.

In der Soziologie gibt es das Phänomen der selbstzerstörenden Prophezeiung.

Damit ist ein menschliches Verhalten gemeint, durch das alles getan wird, damit eine Voraussage eben nicht eintritt.

Vermutlich werden wenige beim VfL Bochum diese Theorie kennen, doch aus der Praxis wissen sie genau, was gemeint ist.

Denn seit sich der Verein 1992/93 den Beinamen "die Unabsteigbaren" gab, ist er genau das Gegenteil: immer absteigbar.

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Ehe die Wortschöpfung kreiert wurde, hielt sich der Ruhrgebietsklub trotz mäßiger Bedingungen 22 Jahre in der Bundesliga.

Seitdem aber stieg der VfL sechsmal in den vergangenen 17 Jahren ab - so auch am Samstag nach dem desaströsen 0:3 im Endspiel gegen Hannover 96.

Unterm Strich kommt der erneute Gang in die Zweite Liga nicht wirklich überraschend. Schon im Vorjahr hatten sich die Bochumer als 14. nur mit Mühe gerettet.

Doch die Stimmung war schlecht, vor allem Trainer Marcel Koller hatte trotz vier recht erfolgreichen Jahren keinen Rückhalt mehr bei Fans und Vereinsführung und wurde schon nach sechs Spieltagen entlassen.

Besser wurde es allerdings auch danach unter dem Interims-Duo Frank Heinemann und Dariusz Wosz nicht. Erst der Ende Oktober verpflichtete Heiko Herrlich schaffte die Wende.

Es blieb jedoch ein Zwischenhoch, denn am Ende brach der VfL komplett ein und wurde nach zwölf Spielen in Folge ohne Sieg auf den vorletzten Platz durchgereicht.

Und auch die Verantwortlichen Werner Altegoer und Thomas Ernst machten nicht nur wegen der Panik-Aktion mit dem Herrlich-Rauswurf in dieser Saison nicht dem Eindruck, als ob sie ihren Aufgaben noch gewachsen seien.

So kam es fast wie erwartet, weil der Mannschaft nicht nur die sportliche Klasse, sondern auch das Kämpferherz früherer Bochumer Teams fehlte.

Exemplarisch zu sehen war das gegen Hannover, als sich die Elf trotz Heimvorteils sang- und klanglos ihrem Schicksal ergab.

Ins Bild passten die sinnlosen Ausschreitungen einiger frustrierter Anhänger, die die Spieler am liebsten mit Gewalt für die vorheriger Arbeitsverweigerung auf dem Platz bestraft hätten.

Nun liegt der Verein in Trümmern: Das Image vom sympathischen Underdog ist ruiniert, die finanziellen Mittel für die nötige Runderneuerung fehlen. Und angesichts der starken Konkurrenz dürfte die Zweite Liga alles andere als ein Selbstläufer werden.

Hoffnung macht allein die Tatsache, dass der VfL bislang immer den sofortigen Wiederaufstieg geschafft hat.

Das wäre dann das Gegenteil des oben genannten Phänomens: eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Doch nur die Statistiker und die Soziologen im Verein dürften glauben, dass das allein auch diesmal zur Bundesliga-Rückkehr reicht.

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