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Da hat er ihn erwischt: Van Bommel gießt Weißbier über Trainer Louis van Gaal © imago

Die Meisterschaft ist perfekt: An diesem Party-Wochenende gibt der FC Bayern Vollgas. Bei der Hertha gehen die Lichter aus.

Von Daniel Rathjen und Andreas Ziepa

Berlin/München - Er wollte sie nicht, doch er bekam sie.

Immerhin: Die Bierdusche verdarb ihm keineswegs die Laune.

Kapitän Mark van Bommel hatte sich unbemerkt von hinten an Louis van Gaal herangeschlichen und ihm das klebrigeNass frech über die Föhnfrisur gegossen 234347(die Bilder).

"Da war ich einen Moment vom Publikum abgelenkt", schmunzelte der Trainer des FC Bayern.

Die Jagdszenen mit den riesigen Drei-Liter-Gläsern waren der Höhepunkt der ausgelassenen Meisterparty im Olympiastadion, nachdem die Münchner durch das 3:1 (1:0) gegen Absteiger Hertha BSC den 22. Meistertitel endgültig perfekt gemacht hatten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Mehr als 70.000 Besucher jubelten, als van Gaal mit einem Sprint übers halbe Spielfeld der ersten Weißbier-Attacke von Bastian Schweinsteiger und Co. noch entkam.

Vor der Bayern-Kurve am Marathontor feierten die Spieler mit einer Polonaise eine Stunde lang mit den Fans.

Franck Ribery verkleidete sich mit roter Clownsperrücke und dunkler Sonnenbrille.

Sieg in allen Kategorien

"Am wichtigsten ist, dass wir in allen Kategorien gewonnen haben. Wir haben den besten Angriff, die beste Verteidigung und die meisten Punkte. Wir haben den attraktivsten Fußball gespielt", resümierte van Gaal hochzufrieden.

72 Treffer geschossen, 31 bekommen - besser war keiner in der Liga.

Die Chefetage der Bayern präsentierte sich auch deshalb mit strahlenden Gesichtern.

"Die Mannschaft ist in einem guten Fluss. Wir haben die beste Abwehr und den besten Sturm. Aber Louis wollte ja auch alles", sagte Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer freute schon auf den abendlichen Umtrunk mit van Gaal im Nobel-Restaurant Käfer: "Wir werden nachher einen leckeren Rotwein trinken."

Der Trainer entgegnete: "Es ist gut, dass die Stimmung so prima ist. Wir haben ja noch einiges vor. Was diese Mannschaft auszeichnet, sind Leidenschaft und der große Wille."

Wohl wahr: Sein Team kann mit Siegen im DFB-Pokalendspiel und im Finale der Champions League noch das Triple holen.

"Wir können eine historische Saison schaffen. Das wäre unglaublich", sagte van Bommel.

Arjen Robben sprach Klartext: "Das Hauptziel sind drei Pokale. Einen haben wir, zwei wichtige Spiele kommen noch."

Van Gaal macht das Licht aus

Der Niederländer erzielte gegen Hertha seine Saisontreffer Nummer 15 und 16 (74., 87.). Auch Ivica Olic (20.) trug sich wieder als Torschütze ein. Für Berlin schoss Adrian Ramos (59.) den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Noch am Samstagabend trat der Bayern-Tross dann per Flieger die Heimreise an. In München stieg dann die teaminterne Feier.

"Feier-Biest" van Gaal schloss ein frühes Ende aus. "Normalerweise mache ich bei solchen Feiern das Licht aus", kündigte er an.

Am Sonntag wird der Titel dann den Fans in der Heimat gezeigt. Um 14 Uhr startet der Auto-Korso am Vereinsgelände.

Gegen 15 Uhr werden die Helden am Marienplatz erwartet, wo sie die Schale traditionsgemäß auf dem Rathaus-Balkon präsentieren.

Butt empfiehlt sich für WM

Einen Extra-Applaus wird dabei sicher Keeper Jörg Butt einheimsen. Der 35-Jährige zeigte in Berlin eine starke Leistung und rechtfertigte damit seine WM-Nominierung.

"Das war eine sensationelle Saison. Wir haben noch zwei weitere Endspiele. Über die WM mache ich mir erst danach Gedanken", sagte er.

Beim Absteiger Hertha herrschte indes Katerstimmung. Aber beim Vorjahres-Vierten fehlte bei der traurigen Abstiegs-Vorstellung der letzte Biss.

Zum letzten Mal erlebte das Team die große Bühne Bundesliga, bevor es in die Zweite Liga geht.

Die Mannschaft blieb auch im 16. Heimspiel in Folge ohne Sieg und stellte damit einen neuen Liga-Negativrekord auf.

Tristesse in Berlin

"Das ist schon bitter", sagte Trainer Friedhelm Funkel, der seinen Abschied aber noch nicht bestätigen wollte.

"Wir haben immer gesagt, dass wir uns nach der Saison zusammensetzen und dann entscheiden. Dabei bleiben wir."

Von August an gibt es nach 13 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit nun erstmal wieder magere Zweitliga-Kost.

Und Manager Michael Preetz muss den Personal-Etat von jetzt rund 30 Millionen Euro auf 13 bis 14 Millionen herunter schrauben und damit ein neues Team formen.

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