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Mike Hanke erzielte in Bochum seinen zweiten Saisontreffer © getty

Mike Hanke spricht über Hannovers Sieg in Bochum, seine schwierige Saison, Enkes Tod und die Schlüsselmomente für die Rettung.

Aus Bochum berichtet Rainer Nachtwey

Bochum - Als die Horror-Saison doch noch ein glückliches Ende gefunden hatte, floss bei Hannover 96 nicht nur das Bier, sondern es flossen auch die Tränen.

"Danke für die tolle Unterstützung in einem schwierigen Jahr", sagte ein bewegter Kapitän Arnold Bruggink bei der Rückkehr nach Hannover zu den 10.000 Fans, die mit der Mannschaft eine Spontan-Party feierten.

Vor allem der Selbstmord von Robert Enke, aber auch zwei Trainerwechsel und eine zwischenzeitliche Serie von neun Niederlagen hatten für eine Saison gesorgt, die wohl keiner der Beteiligten vergessen wird.

Emotionale Szenen nach dem Spiel

Nach der Rückreise in die Heimat betraten Hannovers Helden um 21.15 Uhr tanzend die heimische Arena.

Die ausgelassene Feier fand erst ein Ende, als jeder Spieler das Mikrofon ergriffen und sich persönlich bei den Anhängern bedankt hatte.

Schon in Bochum hatten sich unmittelbar nach dem 3:0-Sieg im Abstiegsendspiel emotionale Szenen abgespielt.

"Robert Enke, du bist der beste Mann", sangen die 10.000 mitgereisten Fans, als die Mannschaft mit einem Banner mit der Aufschrift "Robert R.I.P." (Ruhe in Frieden) für ihren ehemaligen Kapitän in die Kurve kam.

Harte Saison nach Enkes Tod

"Wir haben hier für Robert gewonnen und den Abstieg verhindert. Wir haben sehr, sehr schwer damit zu kämpfen gehabt", sagte Mike Hanke, der das 2:0 erzielt hatte.

Im Interview spricht Hannovers Stürmer über den Sieg in Bochum, seine schwierige Saison, sein Verhältnis zu den 96-Fans, Enkes Tod und die Schlüsselmomente für die sportliche Rettung.

Frage: Herr Hanke, waren Sie sich bereits nach 3:0 zur Pause sicher, dass der Klassenerhalt perfekt war? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mike Hanke: Nein, wir haben uns in der Pause gesagt, dass noch gar nichts sicher ist. Wir wussten, dass Bochum noch einmal alles nach vorne werfen wird und wir voll dagegen halten müssen. Das haben wir auch getan, haben keine Großchance zugelassen.

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Frage: Wann waren Sie sich sicher?

Hanke: Erst kurz vor Schluss. Im Fußball habe ich schon Einiges erlebt. Auch so ein 3:0 kann in zehn Minuten noch einmal kippen. Wenn wir noch ein dummes Gegentor gefangen hätten, hätte das Bochum noch gepusht.

Frage: Haben Sie gedacht, dass Sie noch einmal so eine souveräne, konzentrierte Leistung bringen könnten in einer Saison, in der alles drin war, in der Hannover schon am Boden lag?

Hanke: Absolut. Wir sind von Beginn an früh auf den Gegner gegangen und das hat uns geholfen, kaum Chancen zuzulassen. Deshalb haben wir auch verdient gewonnen.

Frage: War das die schwierigste Saison, die Sie in Ihrer Karriere durchmachen mussten?

Hanke: Definitiv. Es war für mich keine gute Saison. Ich habe wenig Spiele gemacht, kam nie richtig in Fahrt. Für mich ist es schade, dass die Saison jetzt zu Ende ist. Aber ich bin froh, dass ich zurückgekommen bin. Ich habe zwei wichtige Tore gemacht, letzte Woche gegen Gladbach und jetzt gegen Bochum.

Frage: Wie sehr hat Sie diese Saison emotional berührt?

Hanke: Nach dem Tod von Robert ist so ein erfolgreicher Abschluss natürlich schön. Wir haben hier für Robert gewonnen und den Abstieg verhindert. Wir haben sehr, sehr schwer damit zu kämpfen gehabt.

Frage: Wie sieht Ihr Verhältnis zu den Fans aus? Es galt als ein wenig zerrüttet.

Hanke: Wir haben uns versöhnt. Das hat man ja auch gehört, als ich ausgewechselt wurde.

Frage: Was war der Wendepunkt in der Saison?

Hanke: Für mich persönlich war es, als ich angefangen habe mit einem Psychologen zu arbeiten. Er hat mich an meine Stärken erinnert und ich habe danach trainiert. Durch das Training habe ich mir den Platz in der Mannschaft zurückerkämpft. Gegen Leverkusen habe ich bereits ein recht gutes Spiel gemacht, auch wenn das Ergebnis darüber hinweggetäuscht hatte (0:3, Anm. d. Red.). In Gladbach war es noch einmal besser und in Bochum war dann das i-Tüpfelchen.

Frage: Und was war das Schlüsselspiel der Mannschaft?

Hanke: Das war das Spiel gegen Schalke. Wir wussten, dass wir gewinnen müssen, um noch Chancen zu haben, den Abstieg zu verhindern. Vor allem haben wir da sehr gut gespielt. Wir sind zwar dann in München richtig untergegangen, aber entscheidend war, dass wir das schnell abgehakt haben. Wir sind weiter unseren Weg gegangen.

Frage: Was war das für Musik, die in der Kabine lief? War die von Ihnen?

Hanke: Ja, die war von meinem iPod. Da ist alles Mögliche drauf. Aber jetzt könnte uns nicht einmal Schlagermusik vom Feiern abhalten.

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