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Louis van Gaal hatte tausende Fans auf dem Marienplatz fest im Griff © getty

Louis van Gaal beeindruckt die Massen bei Bayerns Meisterfeier auf dem Marienplatz. Uli Hoeneß fährt Franck Ribery in die Parade.

Vom Marienplatz berichten Daniel Rathjen und Christian Ortlepp

München - Das "Feier-Biest" war nicht zu bremsen.

Nach einer Saison ohne Titel präsentierte der FC Bayern am Sonntagnachmittag wieder standesgemäß eine Trophäe auf dem Rathausbalkon über dem Marienplatz.

Die Spieler staunten, 25.000 Fans jubelten: Denn Louis van Gaal lieferte bei der Präsentation der Meisterschale die ganz große Show 234960(die Bilder).

Der Niederländer heizte die Massen an: "Wer hat die beste Abwehr? Wer hat den besten Sturm?", fragte er.

Und gab sich daraufhin die Antwort selbst: "DER FC BAYERN!", schrie er nach einer durchzechten Nacht in der Disco "Baby!" mit aller noch verbliebener Kraft in der Kehle. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Unter dem frenetetischen Jubel der Fans fügte der aufgedrehte van Gaal an: "Wir sind Meister in München, in Gelsenkirchen, Bremen und in Hamburg. Wir sind die Besten in Deutschland - und bald vielleicht Europas."

Zur Begrüßung hatte er einen "dicken Kuss vom Trainer des Meisters an alle Frauen und Muttis" gerichtet. Muttertag der anderen Art auf dem Marienplatz.

"Kleine Einblicke" in den Alltag

"Jetzt haben wir mal einen kleinen Einblick bekommen, was die Spieler tagtäglich ertragen müssen", schmunzelte Sportdirektor Christian Nerlinger.

Klar ist: Mit seinem spektakulären Auftritt in Lederhosen dürfte der Niederländer einige Sympathiepunkte mehr gesammelt haben. Auch van Gaals Ehefrau, Truus, ließ sich auf dem Nebenbalkon von der Euphorie anstecken.

"Wir haben in Amsterdam und Barcelona schon viel erlebt, aber so etwas noch nicht. So viele Menschen, alle so laut und enthusiastisch", zeigte sie sich im Gespräch mit SPORT1 beeindruckt.

Heimweh gibt's nicht mehr

Auch einen möglichen Verbleib ihres Mannes über 2011 hinaus schloss sie nicht aus. "Es war ein schweres Jahr, oft haben wir gedacht: Schnell zurück nach Holland."

"Aber jetzt will Louis hier bleiben, das hat er zu mir gesagt. München ist eine sehr schöne Stadt, ich habe mich sehr gut eingelebt und ich denke wir bleiben noch."

Der gesamte Bayern-Tross genoss die Feier in vollen Zügen. Am Tag nach der offiziellen Ehrung für den neuen Deutschen Meister im Berliner Olympiastadion wurden der Vorstand, die Mannschaft sowie Betreuer begeistert empfangen.

Ein rot-weißes Meer

Auf dem Marienplatz waren die Münchner nach einem Autokorso vom Vereinsgelände an der Säbener Straße aus mit mehr als einer Stunde Verspätung angekommen. Mehr als 100.000 Menschen hatten nach Angaben der Polizei die Strecke gesäumt.

"Das ist ein rot-weißes Meer, in das wir gerne versinken. Wir werden das jetzt genießen und uns dann wieder konzentrieren, weil wir noch zwei sehr wichtige Spiele haben", sagte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Am kommenden Samstag geht es noch ins Pokalfinale in Berlin gegen Werder Bremen und ins Champions-League-Endspiel eine Woche später in Madrid gegen Inter Mailand.

In zwei Wochen "haben wir alles"

"Wir sind stolz und glücklich. Der FC Bayern ist eine geschlossene Familie. Wir müssen jetzt noch zwei Wochen ganz eng zusammenstehen - dann haben wir alles", tönte Rummenigge.

Dass es nun schwer fällt, die Mannschaft nach dem Gewinn der Meisterschaft noch zu motivieren, glauben die Verantwortlichen nicht. "Die Ziele sind so groß, da gibt jeder Vollgas", merkte Nerlinger an.

Auch Franck Ribery wird sich DFB-Pokalfinale zerreißen, für das Inter-Spiel ist er nach seiner Roten Karte noch gesperrt. Es ist mittlerweile auch gut möglich, dass der Franzose seinen noch bis 30. Juni 2011 laufenden Vertrag vorzeitig verlängert.

Ribery von Hoeneß gebremst

Offenbar wollte der 27-Jährige selbst diese Nachricht auf dem Marienplatz verkünden. Er hatte bereits zum Mikrofon gegriffen. Erst in letzter Sekunde wurde er abgehalten und Präsident Uli Hoeneß raunte ihm etwas zu.

"Da haben wir sicherlich nicht über Geld gesprochen, diese Diskussionen sind dann doch etwas handfester", betonte Hoeneß jedoch. Und Rummenigge ergänzte: "Finale Gespräche haben noch nicht stattgefunden, aber wir sind sehr, sehr optimistisch, dass Franck bei uns bleibt."

Gegen Abend wurde die Stimmung ruhiger. "Ich kann nicht mehr sprechen", seufzte der sonst unermüdliche Ivica Olic. Und auch die übrigen Spieler zog es relativ schnell nach Hause. Kaum einer nahm noch etwas von den Flusskrebsschwänzchen-Häppchen, die herumgereicht wurden.

"Der absolute Wahnsinn"

"Insgesamt war das Erlebnis auf dem Marienplatz außergewöhnlich", schwärmte Nerlinger noch.

Was wohl erst los ist, wenn der FCB das Triple holt? "Was wir bis jetzt gezeigt haben, war schon a la bonheur. Aber das Triple wäre der absolute Wahnsinn", vermutet Rummenigge.

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