Huub Stevens über selbstverschuldete Probleme des Hamburger SV und Bochums Fehler. Lob ernten Werder, Stuttgart und Hannover.

Hallo Fußball-Freunde,

Die letzten Entscheidungen sind gefallen, die Bierduschen abgewaschen und spätestens am Wochenende hat jeder auch die andere Seite von Louis van Gaal kennen gelernt.

Ich habe immer gesagt, dass er ein Mensch mit Gefühlen ist.

Emotionen sind ein gutes Stichwort. Ich kann die Trauer der Bochumer Fans über den erneuten Abstieg verstehen.

Aber was die Vereinsführung dort in diesem Jahr gemacht hat, ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.

Erst gibt sie Heiko Herrlich dessen ersten Job als Bundesligatrainer. Und als der Schwierigkeiten bekommt geht, soll es mit Dariusz Wosz ein noch unerfahrenerer Coach richten. Was soll das?

Mal ganz abgesehen davon, dass es einfach nicht funktioniert, wenn man zwei Spiele vor Saisonschluss den Trainer wechselt und denkt, man könne damit mal schnell einen Stimmungsumschwung bewirken.

Wenn du einen jungen Trainer anstellst, muss du dir auch dessen bewusst sein, dass der Fehler macht. Aber wenn du ihm dann nicht die Zeit gibst, seine Fehler zu korrigieren, dann hast du von Anfang an die falsche Politik verfolgt.

Ähnliches ist ja beim HSV passiert. Dort müssen sie sich an die eigene Nase fassen, dass es in dieser Saison wieder nicht so gelaufen ist wie gewünscht.

Die Hamburger hatten einen sehr guten Kader zusammengestellt. Aber die Vereinsspitze hat dann einen großen Fehler gemacht: Sie hat dem jungen Trainer Bruno Labbadia auch noch die Aufgaben des Sportdirektors aufgebürdet.

Das kann kaum gutgehen. Dem Coach fehlt dazu die nötige Erfahrung. Dazu gehen beim HSV nicht immer die richtigen Leute an die Öffentlichkeit.

Diesbezüglich können sich die Hamburger wirklich etwas von Werder Bremen abschauen. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich dort irgendwelche Leute außer Klaus Allofs und Thomas Schaaf in jüngerer Vergangenheit zu Wort gemeldet haben.

Wenn man sieht, wie viele Punkte Rückstand die Bremer auf Platz drei hatten, muss man ihnen für ihr Abschneiden ein großes Lob aussprechen.

Die Verantwortlichen haben dort in der Phase, in der es nicht so gut lief, die Ruhe behalten und sind ganz eng zusammengerückt.

Im Gegensatz zu Bochum und Hamburg hat der VfB Stuttgart nach der Abkehr vom jungen Coach Markus Babbel auf einen älteren Trainer gesetzt.

Christian Gross hat mehr Erfahrung als Babbel und wusste daher offenbar, wie der Knoten zu durchschlagen war. Das Resultat lässt sich wirklich sehen.

Auch Hannover 96 muss ich ein Kompliment machen: Wie die Mannschaft in der entscheidenden Phase ihre Qualität wieder gefunden und demonstriert hat, war stark.

Natürlich hat der Tod von Robert Enke Auswirkungen auf die Mannschaft gehabt. Es wäre ja auch unmenschlich, wenn es nicht so gewesen wäre. Aber 96 hatte am Ende zu viel Klasse im Kader um abzusteigen.

Bleibt als i-Tüpfelchen noch die Relegation: Der FC Augsburg hat unter meinem ehemaligen Co-Trainer Jos Luhukay eine tolle Saison gespielt.

Trotzdem denke ich, dass es in der Relegation gegen Nürnberg nicht zum Aufstieg reichen wird. Der Club ist insgesamt betrachtet einfach besser besetzt.

Bis nächste Woche,Euer Huub Stevens

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