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Andre Lenz wechselte 2004 von 1860 München zum VfL Wolfsburg © getty

Nach der Messerattacke und der Not-Operation ist der Wolfsburger Profi auf dem Weg der Besserung und äußert sich zu dem Vorfall.

Wolfsburg - Torwart Andre Lenz vom VfL Wolfsburg hat nach seinen zunächst lebensgefährlichen Verletzungen bei gewalttätigen Auseinandersetzung in einer Wolfsburger Diskothek am Dienstag das Krankenhaus in Wolfsburg verlassen und sich erstmals zu dem Vorfall geäußert.

Die Messerstiche müssten "im Getümmel passiert sein, ich habe es erst gar nicht mitbekommen", sagte er der "Bild".

"Erst viel später habe ich gemerkt, dass alles voller Blut ist und bin zum Krankenwagen gegangen. Das war versuchter Totschlag, eine hinterhältige Aktion. Es kann nicht sein, dass da einfach einer rumläuft und zusticht."

Dank ans Klinikpersonal

Bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus bedankte sich der Wolfsburger Keeper beim Chefarrzt der Unfallchirurgie, Dr. med. Wolfgang Klein, für die medizinische Hilfe.

"Das Klinikpersonal hat mir sehr geholfen. Sie alle haben hervorragend gearbeitet und dafür gesorgt, dass ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe."

Und Lenz erklärte weiter: "Mir geht es inzwischen wieder gut. Ich habe kaum Schmerzen. Ich werde schon wieder laufen und Fahrrad fahren können."

Sonderkommission eingerichtet

Noch am Montag sollte Lenz von der Wolfsburger Polizei befragt werden.

Dort wurde eine 15-köpfige Sonderkommission eingerichtet, die Ermittlungen wegen versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung aufgenommen hat.

"Wir haben bereits eine ganze Reihe von Zeugen vernommen, darunter auch VfL-Spieler, können uns aber noch kein exaktes Bild vom Tathergang machen", sagte Polizeisprecher Sven-Marco Claus.

Zudem werden zahlreiche Spuren von innerhalb und außerhalb des Gebäudes ausgewertet.

Drei weitere Disko-Besucher verletzt

Neben Lenz wurden drei weitere Disko-Besucher im Alter von 24 bis 33 Jahren bei der Schlägerei verletzt. Bei einem der weiteren Opfer und entgegen erster Angaben auch Lenz bestand Lebensgefahr.

Der Keeper erlitt erhebliche Stichverletzungen und einen massiven Blutverlust. Er hatte jedoch Glück, dass keine inneren Organe angegriffen wurden. Er wurde noch in der Nacht zum Sonntag operiert.

"Es hätte auch Milz oder Niere erwischen können", meinte Lenz nun. "Einen Zentimeter höher oder tiefer - und meine Fraub hätte Trauer tragen können, meine Tochter Amy wäre Halbwaise."

Beim Schlichtungsversuch attackiert

Der als ruhig und besonnen geltende Torhüter hat sich nach eigener Aussage in den Streit eingemischt, um zu schlichten. Etwa zwei Drittel der VfL-Mannschaft feierte in der Diskothek "Esplanade" in einem abgetrennten "VIP-Bereich" den Saisonabschluss.

Gleichzeitig fand in dem Tanzlokal eine "Model-Nacht" statt, die der so genannte "Party-König" Michael Ammer ausgerichtet hatte.

Warum es gegen zwei Uhr nachts zur Eskalation der Gewalt kam, ist noch nicht ermittelt.

Disko-Besitzer beschuldigt VfL-Profis

"Esplanade"-Besitzer Jan Schroeder warf in der "Wolfsburger Allgemeinen" allerdings den VfL-Profis vor, Auslöser des Streits gewesen zu sein.

Einige VfL-Spieler hätten die Gäste provoziert. Die Spieler sollen Eiswürfel und Zigaretten auf die Tanzfläche geworfen haben. Es sei dann eine Flasche zurückgeflogen.

Polizei sucht dringend weitere Augenzeugen

Diese These konnte am Montag von der Polizei auch nach der Befragung zahlreicher Zeugen nicht bestätigt werden. "Uns bietet sich bisher kein einheitliches Bild, die Wahrnehmungen sind bei solchen Schlägereien oft sehr unterschiedlich", sagte Claus.

Lenz zufolge haben die Spieler lediglich mit Sekt herumgespritzt.

Die Wolfsburger Polizei sucht dringend weitere Augenzeugen.

Der VfL steht in regelmäßigem Kontakt zu den Ermittlungsbehörden. Die befragten Spieler seien laut Claus sehr kooperativ gewesen.

"Wir standen nach diesen Vorfällen unter Schock und sind tief bedrückt", erklärte Voss für den Verein, "man macht sich ja auch klar, was alles hätte passieren können."

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