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Urs Siegenthaler arbeitet als Chefscout der deutschen Nationalmannschaft © imago

Der Schweizer erhält doch keinen Platz im HSV-Vorstand. Die Suche nach einem Beiersdorfer-Nachfolger und einem Coach geht weiter.

Von Thorsten Mesch

München/Hamburg - Beim Hamburger SV geht die Suche nach einem Sportvorstand und einem neuen Trainer weiter.

Urs Siegenthaler, der eigentlich ab August als Vorstandsmitglied für den Bereich Sport fungieren sollte, erhält nun doch keinen Platz im Vorstand.

Der Schweizer wird bei den Norddeutschen ausschließlich für Nachwuchsarbeit, Kaderplanung und Talentsichtung zuständig sein. Das ist das Resultat einer Aufsichtsratsitzung vom Montagabend.

"Diese Konstellation ist so die beste"

Laut Aufsichtsratschef Horst Becker sei es Siegenthalers Wunsch gewesen, auf einen Vorstandsposten zu verzichten.

"Wir haben besprochen, dass diese Konstellation so die beste ist. Seine Fähigkeiten kann er jetzt am besten einsetzen", sagte Becker.

Siegenthaler selbst hatte kürzlich noch erklärt, er wolle auch einen Platz im Vorstand einnehmen.

Damals hieß es, er werde neben sich und dem neuen Übungsleiter keine weitere Person im sportlichen Verantwortungsbereich dulden.

"Wenn der Aufsichtsrat da noch jemanden holen will, bin ich zu viel", hatte er betont.

Schweizer relativiert seine Forderung

Nun relativierte der 62-Jährige seine ursprüngliche Forderung.

Er habe "nur angeboten, dem Vorstand beizutreten, wenn dadurch Probleme gelöst werden können", erklärte Siegenthaler und meinte: "Der Titel ist unerheblich, die Arbeit ist wichtig."

Am 1. August soll Siegenthaler seine Tätigkeit in Hamburg aufnehmen. Danach soll geklärt werden, ob er als Sportlicher Leiter beim HSV auch weiterhin als Chefscout für den Deutschen Fußball-Bund tätig sein darf.

Für den HSV wäre dies kein Problem. "Bei uns gibt es keinen Interessenkonflikt", sagte Becker. Doch sollen einige Aufsichtsratsmitglieder Siegenthalers Doppelfunktion durchaus kritisch sehen.

Laut "Hamburger Abendblatt" gab es Diskussionen, ob der Schweizer mit seinem neuen Job beim HSV auch seinen Wohnsitz komplett nach Hamburg verlegen müsste.

Sportvorstand: Wehmeyer als schnelle Lösung?

Wer nach Siegenthalers "Degradierung" nun der neue Sportvorstand der Hanseaten wird, ist knapp elf Monate nach der Trennung von Dietmar Beiersdorfer weiter offen.

Zumindest ist klar, wer sich dieser Baustelle annimmt:

"Den Sportchef sucht der Aufsichtsrat, nicht der Vorstand", betonte Becker, der im Vorfeld der Sitzung das Vorstands-Modell mit Bernd Hoffmann und Katja Kraus als Sportverantwortliche für "gescheitert" erklärt hatte.

Nach dem völlig verkorksten Ende der vergangenen Saison mit der Entlassung von Trainer Bruno Labbadia, dem Aus im Europa-League-Halbfinale und dem Verpassen des internationalen Wettbewerbs gibt es beim HSV jede Menge Baustellen. (DATENCENTER: Die Tabelle)

Die Personalplanungen für die kommende Saison können nicht auf die lange Bank geschoben werden.

HSV-Teammanager Bernd Wehmeyer, den mehrere Mitglieder des Aufsichtsrats ohnehin für die Ideallösung halten, könnte sich dieser Baustellen und einer anderen Aufgabe schnell annehmen: der Trainersuche.

Löw schließt Tätigkeit nach WM aus

Teile der Mannschaft würden eine Beförderung von Interimscoach Ricardo Moniz begrüßen, doch wahrscheinlicher ist die Verpflichtung eines erfahrenen Cheftrainers.

Joachim Löw schloss derweil eine Tätigkeit in der Bundesliga direkt nach der WM aus.

"Ich kann doch nicht mitten in die Saisonvorbereitung bei einem Klub einsteigen, bei dem die Planungen für die neue Saison schon seit langem laufen und der die Mannschaft ohne mein Zutun zusammengestellt hat. Ich konzentriere mich ausschließlich auf die Nationalmannschaft und die WM", sagte der Bundestrainer.

Kandidaten: Von Gross bis Rijkaard

Christian Gross gilt hingegen als möglicher Kandidat. Er führte den VfB Stuttgart in der abgelaufenen Saison aus dem Tabellenkeller in die Europa League und ist ebenfalls Schweizer.

Das sind jedoch auch Marcel Koller (ehemals Köln und Bochum) und Lucien Favre (ehemals Berlin).

Auch Labbadias Vorgänger Martin Jol, Bernd Schuster und HSV-Legende Horst Hrubesch sowie Roy Hodgson, Erik Gerets, Fenerbahce-Trainer Christoph Daum und Frank Rijkaard, Trainer von Fenerbahces Ortsrivalen Galatasaray werden gehandelt.

"Es wird alles gut"

Urs Siegenthaler ist als DFB-Chefscout in den kommenden Wochen mit der Nationalmannschaft unterwegs.

Ob er dem Hamburger SV in dessen schwieriger Situation und bei der Suche nach einem neuen Trainer eine große Hilfe sein kann, erscheint fraglich.

Am Montagabend flog er von Hamburg zurück in die Schweiz. "Haben sie Geduld, es wird alles gut", sagte er vor seinem Abschied.

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