Steve McClaren wird Trainer in Wolfsburg. Der Brite ist in seiner Heimat nicht beliebt. An anderer Stelle zeigt er aber Klasse.

Dieter Hoeneß ist absolut überzeugt von Steve McClaren. Ansonsten würde der Manager des VfL Wolfsburg nicht dieses Risiko mit dem neuen Trainer eingehen.

Denn sollte der erste englische Bundesliga-Coach in Wolfsburg scheitern, wird Hoeneß dafür gerade stehen und unter Umständen mit seinem eigenen Job büßen müssen.

Was Hoeneß in solch einem Szenario vorgeworfen würde, ist klar: McClaren spricht kaum Deutsch und hat sich als Nationaltrainer von England blamiert:

2008 verpasste das Fußball-Mutterland die Europameisterschaft - mit McClaren als Hauptverantwortlichem.

Mit Regenschirm verfolgte er die Partie gegen Kroatien. Scheinbar teilnahmslos sah das aus, McClaren wird seitdem auf der Insel verspotten. Stichwort: Qualifikations-Trottel.

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Andererseits sprechen die Konsequenzen aus dem Scheitern für den heute 49-Jährigen.

McClaren gab nicht auf, nahm den Job in Enschede an und führte den Provinzklub zuerst ins Pokalfinale und in der Folgesaison zum Meistertitel.

Dieser Triumph ist beinahe noch sensationeller einzustufen als Wolfsburgs erster Meistertitel in der Bundesliga.

In der VW-Stadt soll McClaren allerdings keine Aufbauarbeit betreiben, sondern den Klub mit den Millionen des Geldgebers im internationalen Geschäft etablieren.

Der neue Trainer wird sich zudem gemeinsam mit Hoeneß dringend um Transfers kümmern müssen. Schließlich hat der VfL in jedem Mannschaftsteil Baustellen:

Die Abwehr kassierte mit 58 Treffern so viele Gegentore wie der Tabellen-16. Nürnberg. Im Mittelfeld verlässt Christian Gentner den Klub, zudem ist Zvjezdan Misimovic heiß begehrt.

Und im Sturm hakt es bei Grafite und Obafemi Martins, Edin Dzeko dürfte indes die Niedersachsen in der Sommerpause verlassen, derart umworben ist der Bundesliga-Torschützenkönig auf dem internationalen Markt.

Bewusst hat sich Hoeneß in McClaren für einen Bundesliga-Neuling entschieden - ein weiterer Risikofaktor. Die Fußballfans sollten allerdings dankbar auf das neue Gesicht reagieren.

Wie sehr die Bundesliga von Inspiration aus dem Ausland profitieren kann, demonstrierten in dieser Saison der Niederländer Louis van Gaal und der Schweizer Christian Gross auf beeindruckende Weise.

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