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Simon Jentzsch bestritt in seiner Karriere bisher 301 Bundeliga-Spiele © getty

Simon Jentzsch spricht über die Chancen im Aufstiegs-Duell. Die Rückkehr in die Bundesliga wäre für ihn ein "Highlight".

Von Mathias Frohnapfel

München - Nach dem Training geht Simon Jentzsch oft mit seinem Hund, einem Golden-Retriever, spazieren.

Für den Keeper des FC Augsburg ist das auch ein Moment zum Kraftschöpfen.

Kraft, die Jentzsch jetzt für die Relegation gegen den 1. FC Nürnberg bestens gebrauchen kann. Der 34-Jährige weiß, dass die Franken gegen den Zweitliga-Dritten am liebsten schon Im Hinspiel (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) alles klar machen würden.

Im SPORT1-Interview erklärt Jentzsch, warum er an den Aufstieg mit dem FCA glaubt und spricht auch darüber, was ihm die Rückkehr in die Bundesliga bedeuten würde.

In Wolfsburg wurde er in der Winterpause 2007/08 von Felix Magath als Stammtorhüter ausgemustert, 2009 fasste er in Augsburg wieder Fuß. Auch seinen Glanztaten ist es zu verdanken, dass die bayerischen Schwaben nun an die Tür zur Bundesliga pochen.

SPORT1: Herr Jentzsch, wer geht als Favorit in die Relegation? Augsburg nach einer starken Saison oder doch der Erstligist aus Nürnberg?

Jentzsch: Vom Etat ist uns natürlich Nürnberg überlegen, der Club kann einige Millionen mehr als wir investieren und ist schon deshalb Favorit.

SPORT1: Dabei hat der FCA in dieser Spielzeit auch einen großen Sprung nach vorn gemacht, oder?

Jentzsch: Ja, wir haben uns stark verbessert und es ist für uns schade, dass die Relegation wieder eingeführt wurde. Vor zwei Jahren wäre es für uns direkt hoch gegangen. Aber jetzt müssen wir eben das Beste geben.

SPORT1: Wie stürmisch erwarten Sie die Franken?

Jentzsch: Sie werden sich bemühen nach vorne zu spielen und uns unter Druck zu setzen. Sie haben auch gute Standardschützen und Einzelspieler. Wir müssen dagegenhalten und werden alles abrufen.

SPORT1: Für das Selbstvertrauen Ihrer Mannschaft spricht, dass Sie im DFB-Pokal mit Köln und Freiburg Teams ausgeschalten haben, die in der Bundesliga über Nürnberg stehen. Welche Bedeutung hat das?

Jentzsch: Für die Spiele im Pokal können wir uns nichts kaufen, wir sind im Halbfinale rausgeflogen.

SPORT1: Moment, war das Halbfinale nicht schon ein super Erfolg?

Jentzsch: Ja, aber da will man eben mehr. Wir haben bisher noch nichts erreicht, wir wollen jetzt diese Aufgabe in der Relegation lösen. Für uns fehlt nur noch der Punkt auf dem i.

SPORT1: FCA-Torjäger Michael Thurk könnte zum ausschlaggebenden Faktor werden. Wird er Augsburg nach oben schießen?

Jentzsch: Er hat 23 Treffer in der Liga gemacht und ist immer gut für Tore. Micha ist einer der erfahrenen Leute, er weiß, worauf es ankommt. Doch der FCA besteht nicht nur aus Einzelspielern, sondern aus einem Kollektiv. Wir haben auch viele junge Spieler, die eine gute Saison hinter sich haben.

SPORT1: Ihr Abwehrchef Uwe Möhrle ist angeschlagen. Wie wichtig ist sein Einsatz für das Team?

Jentzsch: Uwe ist Kapitän und Mitglied im Mannschaftsrat. Doch jeder Spieler ist wichtig, in Kaiserslautern gab es viele Änderungen in der Aufstellung und trotzdem hat die Mannschaft gut gespielt.

SPORT1: Sie selbst wurden in Kaiserslautern wie einige andere Stammkräfte auch geschont. Ein Vorteil?

Jentzsch: Wir konnten uns ja schon seit dem Spiel gegen 1860 München auf die Relegation vorbereiten, als feststand, dass wir Dritter werden würde. Ich hatte vorm Lautern-Spiel etwas Probleme mit dem Knie, deshalb wollte es der Trainer etwas ruhiger angehen lassen. Jetzt bin ich wieder fit.

SPORT1: Was würde Ihnen persönlich der Aufstieg in die Bundesliga bedeuten?

Jentzsch: Meine Karriere wird auch irgendwann mal zu Ende gehen, da wäre die Bundesliga natürlich noch mal ein echtes Highlight.

SPORT1: Die Fans träumen alle vom Duell mit dem FC Bayern. Welche Partie würde Sie reizen?

Jentzsch: Da gibt es einige, jede Mannschaft hat ihren Reiz. Jetzt haben wir aber erstmal zwei harte Matches vor uns.

SPORT1: Wäre es für Sie besonders emotional gegen Ihren Ex-Klub VfL Wolfsburg zu spielen?

Jentzsch: Nein. Ich hatte kein Problem mit Wolfsburg, eher hatte ein Verantwortlicher ein Problem mit mir.

SPORT1: Haben Sie angesichts der schwierigen Zeit in Wolfsburg immer daran geglaubt, wieder Stammkeeper zu werden?

Jentzsch: Ja, natürlich. Ich wusste, was ich kann. Leider wurde es mir immer wieder verwehrt, das auch zu zeigen. Ich habe ja auch schon ein paar Jahre in der Ersten Liga gespielt. In Augsburg war es dann wichtig, dass ich eine gute Vorbereitung hatte und schnell Spielpraxis bekam, um eine ordentliche Saison zu spielen.

SPORT1: Jos Luhukay hat Sie nach Augsburg geholt. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum FCA-Trainer beschreiben?

Jentzsch: Der Trainer hat einen sehr großen Anteil am Erfolg dieser Saison. Er hat den Spielern, die teilweise keine Chance mehr in der Ersten Liga hatten, Selbstvertrauen geben und sie aufgebaut. Da war ich einer davon.

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