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Der Niederländer Nico-Jan Hoogma machte 177 Bundesligaspiele für den HSV © imago

Dem HSV gelingt der Afellay-Coup, doch die Sportdirektor-Suche geht weiter. Nun erwägt der Aufsichtsrats-Boss seinen Rücktritt.

Von Christian Stüwe

München - Wenn es darum geht, begehrte Fußballer aus den Niederlanden zu verpflichten, macht kaum ein anderer Klub dem Hamburger SV etwas vor.

Ibrahim Afellay wurde im vergangenen Winter mit fast allen europäischen Top-Klubs in Verbindung gebracht.

Doch der begehrte 24-jährige Nationalspieler entschied sich für den HSV, obwohl der Traditionsklub die Qualifikation für die Europa League verpasst hat und im nächsten Jahr nicht international spielen wird.

Das Fingerspitzengefühl, das die HSV-Bosse auf dem Transfermarkt an den Tag legen, geht ihnen dafür bei der Suche nach einem Trainer und einem Sportdirektor ab.

Schon seit elf Monaten ist der Posten unbesetzt, mit Nico-Jan Hoogma wurde nun wieder ein aussichtsreicher Kandidat verbrannt.

Dabei ging es offenbar um 100.000 Euro im Jahr, die der HSV nicht zahlen wollte. Angesichts der neun Millionen, die die Hamburger für Afellay auf den Tisch legen ein relativ kleiner Betrag.

Hoogma: "Es schmerzt, es tut mir weh"

"Es ging nicht nur ums Geld. Es waren zwei Dinge", stellte Hoogma im "kicker" klar: "Zum einen ging es um das Festgehalt, da sind wir uns nicht einig geworden. Und zum anderen hat mich die Vorgehensweise des Aufsichtsrates enttäuscht."

Wie der langjährige HSV-Spieler und Kapitän berichtet, war ihm zugesichert worden, der Top-Kandidat auf den vakanten Posten zu sein.

Doch in Wirklichkeit wurde ausgerechnet mit Hoogma-Kumpel Sergej Barbarez parallel verhandelt. Die beiden Fan-Lieblinge telefonierten und die Sache klärte sich auf.

"Es schmerzt, es tut mir weh. Ich hätte es gern gemacht", ärgerte sich Hoogma.

Barbarez nun heißer Kandidat

"Das man sich nicht einig wird, kann passieren", erklärte der Niederländer weiter: "Aber das man mir sagt, ich sei ein Topkandidat und verhandelt parallel, hat mich sehr enttäuscht."

Nun gilt Aufsichtsratsmitglied Barbarez als heißester Kandidat auf den Posten, der seit dem Abgang von Dietmar Beiersdorfer vakant ist.

Siegenthaler nur für Nachwuchs und Sichtung zuständig

Der bereits verpflichtete Schweizer Urs Siegenthaler hatte zuletzt Ambitionen gehegt, wurde aber vom Aufsichtsrat zurechtgestutzt und soll sich nach aktuellem Stand nur um Nachwuchs und Sichtung kümmern und keinen Platz im HSV-Vorstand erhalten.

Mit den Kandidaten Horst Heldt, Roman Grill und Oliver Kreuzer wurden sich die Hamburger auch nicht einig.

Aufsichtsrat-Boss wackelt

Die anhaltende Suche, von den Medien irgendwo zwischen "Posse", "Krise" und "Chaos" bewertet, könnte nun Auswirkungen auf den Aufsichtsrat haben.

"Wenn nötig, werde ich meine Konsequenzen ziehen", kündigte der Aufsichtsrat-Vorsitzende Horst Becker in der "Bild" an.

Am kommenden Montag trifft sich der Aufsichtsrat wieder, Barbarez könnte dann das neue Amt übernehmen.

Interessanterweise hatte Barbarez bereits direkt nach Beiersdorfers Abgang Interesse am Posten des Sportdirektors bekundet, damals erschien er dem Gremium offenbar aber nicht als geeigneter Kandidat.

Nun scheint das Schicksal Beckers mit dem von Barbarez verknüpft zu sein. Denn der Aufsichtsrat gerät immer mehr unter Druck, einen neuen Mann zu präsentieren.

Und der Bosnier könnte die schnellste Lösung sein, die zudem bei den Fans noch gut ankommen dürfte.

Nächste Baustelle: Neuer Trainer gesucht

Der neue Sportdirektor müsste dann möglichst schnell den Vorstand und den Aufsichtsrat bei der Suche nach einem neuen Trainer unterstützen ? der zweiten großen Baustelle des HSV.

Denn die Chancen, dass Interimstrainer Ricardo Moniz seinen Landsmann Afellay in der kommenden Saison in verantwortlicher Position trainiert, sind eher klein.

Und so bleiben zwei Schlüsselpositionen im Klub nach wie vor unbesetzt. Nach der enttäuschenden letzten Spielzeit sollte in der neuen Saison eigentlich alles besser werden.

Planungssicherheit sieht aber allerdings aus.

Doch zumindest Ibrahim Afellay konnte dies nicht davon abhalten, an die Alster zu wechseln.

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