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Jürgen Klinsmann (r.) spielte von 1995 bis 1997 beim FC Bayern © getty

Der Trainer will das Argument des finanziellen Nachteils nicht gelten lassen und glaubt, dass die Bayern im Konzert der Großen mitspielen.

Von Rainer Nachtwey

München - Nachdem das Bundeskartellamt am Donnerstag gegen den Exklusiv-Vertrag der DFL mit der Sirius-Gesellschaft entschied, zeigten sich die Verantwortlichen des FC Bayern München tief enttäuscht.

Durch die "herrschenden Knebelungen" würden deutsche Klubs auf der internationalen Bühne finanziell mit der Konkurrenz aus England, Italien und Spanien nicht mithalten können.

"Einen Champions-League-Sieger sehe ich im deutschen Vereinsfußball in den nächsten Jahren nicht", sagte Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Dem widerspricht Bayern-Coach Jürgen Klinsmann. Der neue Trainer ist der Meinung, dass die finanziellen Mittel allein nicht den Ausschlag geben.

Philosophie wichtiger als 100-Millionen-Transfer

"Ich akzeptiere das Argument der finanziellen Diskrepanz zu den Großen nicht", sagt Klinsmann in der "Süddeutschen Zeitung".

Schließlich seien die Top-15-Vereine in Europa mit lauter Nationalspielern bestückt und letztendlich käme es nicht auf die Hundert-Millionen-Transfers an. "Die Atmosphäre und die Arbeitsphilosophie sind viel wichtiger", behauptet Klinsmann.

Dass Ausgaben in Höhe von 50 bis 100 Millionen Euro allein nicht zum Erfolg führen, habe Inter Mailand in den letzten zehn Jahren bewiesen. Denn dort habe "die Chemie nie richtig gepasst".

FC Bayern nicht zweite Klasse

Im Gegensatz zu seinen Vereins-Oberen sehe er Bayern deshalb durchaus nicht in der zweiten Kategorie Europas.

Der FC Bayern nur zweite Klasse in Europa? Diskutieren Sie hier mit

"Es können noch so viele Milliardäre kommen, ob aus Russland oder Amerika - egal! Wenn ich mit einem Topkader arbeiten kann - und das können wir beim FC Bayern auch ohne 50-Millionen-Einkäufe - dann gibt es genug Chancen, diesen Kader kontinuierlich zu entwickeln."

Mit Chelsea und Milan mithalten

Und darin sieht Klinsmann seine Aufgabe. Er müsse seine Leute so verbessern, dass der FC Bayern auch mit finanzstarken Klubs wie Chelsea oder Milan konkurrieren könne.

Dass er dies schaffen kann, davon ist der 43-Jährige überzeugt. Allerdings hat Klinsmann sich mit dieser Aussage ein "faules Ei" ins Nest gelegt. Denn an diesem Anspruch wird er sich in Zukunft messen lassen müssen.

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