vergrößernverkleinern
Schon im Vorjahr duellierten sich Andreas Görlitz (l.) und Bayerns Franck Ribery © getty

Rückschläge hat Andreas Görlitz zig verarbeitet. Immer kam er zurück. Jetzt hofft er gegen Bayern auf sein Bundesliga-Comeback.

Von Mathias Frohnapfel

München/Karlsruhe - "Wir werden wieder aufstehen", sagte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann seinen Spielern selbstbewusst nach der 2:5-Schlappe gegen Werder Bremen.

Taten sind dieser Ansage noch nicht gefolgt. Auch in den darauf folgenden beiden Bundesligaspielen (0:1 in Hannover und gegen Bochum 3:3) konnten die Münchner nicht gewinnen.

Einer, der Klinsmanns Forderung vorlebt, trägt an diesem Wochenende das Trikot des Gegners: Andreas Görlitz. Der 26-Jährige steht im Karlsruher Kader.

Und wenn man über ihn sagt, er weiß, was es für einen Profi-Fußballer bedeutet am Boden zu liegen, wirkt das fast untertrieben.

Trostlosigkeit und Reha-Mühlen

Nach einem Kreuzbandriss und weiteren Verletzungen musste Görlitz mehr als zwei Jahre rackern, gegen die Trostlosigkeit und die Mühlen der Reha ankämpfen, bis er wieder ein Bundesliga-Spiel machen durfte. Es war im Februar 2007 für den FC Bayern München.

Mittlerweile ist Görlitz im zweiten Jahr an den KSC ausgeliehen. Und hat dort nach einer guten Saison 2007/2008 gerade eine Verletzung am Sprunggelenk überstanden. Reha-Phase: drei Monate.

"Ich bin soweit wieder ganz fit", sagt Görlitz im Gespräch mit Sport1.de. Um am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) von Anfang an gegen seine alten Kollegen aufzulaufen, wird es vermutlich aber nicht reichen. "Das entscheidet der Trainer."

"Individuelle Fehler" bei Bayern

Auf die Krise beim Meister hat Görlitz, der 2004 von 1860 München zum Lokalrivalen an die Säbener Straße wechselte, einen eigenen Blick.

"Da haben sich ein paar individuelle Fehler eingeschlichen. Weil es Bayern ist, wird das nun ziemlich hochgepusht. Wenn man gegen Bochum gewonnen hätte, würde jetzt nicht so viel Rummel gemacht."

Die Münchner kommen zurück, ist der Rechtsverteidiger überzeugt. Auch weil "die anderen Punkte liegenlassen" und die Bayern "irgendwann eine Serie starten werden". "Aber nicht am Wochenende", fügt der Oberbayer mit Bestimmtheit hinzu.

Kapitän und KSC hochmotiviert

In Karlsruhe gibt es derzeit nur ein Thema. Irgendwie die großen Bayern in die Knie zu zwingen.

Kapitän Maik Franz sagte in der "Sport Bild": "Wir wollen unsere Siegesserie ausbauen. Wir sind heiß auf die Bayern."

Dreimal in Folge ist der KSC als Sieger vom Platz gegangen, zweimal in der Liga, einmal im Pokal. Stefano Celozzi, bis zum Sommer selbst Teil der zweiten Mannschaft des FCB, hat das so selbstsicher gemacht, dass er gar mit seinem Lieblings-Italiener auf einen KSC-Sieg gewettet hat.

Leiharbeiter mit zwei Optionen

Görlitz freut sich auf den Fight im Heimspiel, aber mehr als drei Punkte gebe es selbst für eine Glanzleistung gegen die Münchner Stars nicht.

Über eine Rückkehr in der kommenden Saison nach München spekuliert der Karlsruher Verteidiger im Moment nicht. Beide Optionen sind für ihn denkbar.

Er wird sich in den nächsten Wochen vor allem darauf zu konzentrieren, seinen Stammplatz in der Abwehrkette zurückzuerobern. Den hatte während seiner Verletzung der Ex-Bayer Celozzi eingenommen.

"Celozzi hat profitiert"

Zur Konkurrenz sagt Görlitz nur: "Man braucht heutzutage auf jeder Position zwei Spieler, die auf einer Position spielen können. Celozzi hat profitiert von meiner Verletzung und hat das auch gut gemacht. Es ist auch selbstverständlich, dass er nicht sagt: 'So jetzt darfst du wieder, ich geh wieder raus.' "

Sätze aus dem Alltag eines Profifußballers. Andreas Görlitz, der in seiner Freizeit in der Band "Room 77" spielt, ist froh über diesen Alltag.

"In Deutschland gibt es zu viel Neid"

Nach seiner heftigen Verletzungspause weiß er, dass auch alles anders hätte laufen können. "Ich bin nach so einer langen Verletzung wieder zurückzukommen, das haben wahrscheinlich auch nicht so viele geschafft. Es hat mich als Persönlichkeit und als Mensch unheimlich weitergebracht."

Ob ohne die Verletzung mehr möglich gewesen wäre - 2004 spielte Görlitz zweimal in der Nationalelf - darüber denkt er nicht nach.

Denn: "In Deutschland gibt es viel zu viel Neid, jeder beschäftigt sich damit, was er nicht hat, statt damit, was er hat und daran zu arbeiten, das Maximale rauszuholen."

Gelingt dem KSC die Sensation? - jetzt mitdiskutieren

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel