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Huub Stevens trainierte den HSV von Februar 2007 bis Mai 2008 © getty

Ex-HSV-Trainer Huub Stevens kennt das Umfeld in Hamburg. Er ist optimistisch im Bezug auf Armin Veh und Bastian Reinhardt.

Von Daniel Rathjen

München - Der Hamburger SV stellt die Weichen für die neue Saison.

Armin Veh wird neuer Trainer, Bastian Reinhardt Sportdirektor.

Für viele kamen diese personellen Entscheidungen überraschend, hatten sie doch auf "große Namen" spekuliert.

Mit wem sollte sich Vorstandsboss Bernd Hoffmann nicht alles getroffen haben? Von Jürgen Klinsmann bis Kevin Keegan reichten die Gerüchte.

Nun fiel die Wahl auf den Coach, der beim VfL Wolfsburg gefeuert wurde, und einen Berufsanfänger.

Für Huub Stevens ist das kein Problem. Der niederländische Trainer, gerade mit Red Bull Salzburg Meister in Österreich geworden, befürwortet die Aktion sogar.

Als einer der wenigen Trainer, die an der Elbe in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich arbeiteten, weiß er wovon er spricht.

Im Interview zeigt sich der SPORT1-Kolumnist optimistisch und glaubt an ein Comeback eines starken HSV.

SPORT1: Herr Stevens, was halten Sie von Armin Veh?

Huub Stevens: Er hat in Stuttgart sehr gute Arbeit geleistet. Na gut, in Wolfsburg ist er gescheitert, aber das war dort auch nicht einfach für ihn. Das darf man nicht vergessen: Nach Felix Magath konnte man in Wolfsburg eigentlich nur noch verlieren.

SPORT1: Inwiefern?

Stevens: Er musste immer mit dem Schatten seines Vorgängers leben, der Meister geworden ist. Aber Magath hat das geschafft, als die "Wölfe" nicht international gespielt haben und immer fit und frisch waren. Für Armin war es viel schwieriger. Wolfsburg kann nicht immer um die Meisterschaft spielen. Jetzt wartet eine ganz andere Aufgabe auf ihn. Ich bin gespannt, wie er das hinkriegt.

SPORT1: Sie kennen das Hamburger Umfeld bestens. Passt er dort hinein?

Stevens: Ich denke, dass Armin ein intelligenter Typ ist, der genau weiß, was in Hamburg auf ihn zukommt. Er muss jetzt gut mit Bastian Reinhardt zusammenarbeiten, um ein starkes Team zusammenzustellen. Obwohl da gar nicht soviel geändert werden muss, denn der Kader ist gut.

SPORT1: Was kommt auf den neuen Trainer zu?

Stevens: Ihn erwartet ein Superpublikum, das wie eine Bank hinter dem Verein steht. Er muss nun mit Leuten aus dem Vorstand zusammenarbeiten. Ich denke, dass Armin ein Typ ist, der das kann.

SPORT1: Vor allem muss er mit dem neuen Sportdirektor kooperieren. Wie beurteilen Sie diese personelle Entscheidung?

Stevens: Ich freue mich für Basti. Ich kenne ihn ja noch als Spieler und ich kenne ihn als Supertyp. Ich wünsche mir, dass er Erfolg hat. Er ist bei der Mannschaft sehr beliebt, nah dran und weiß, was da gefragt ist. Er weiß, was in der Kabine gesprochen wird.

SPORT1: Ist es nicht trotzdem ein Problem, weil er quasi Berufsanfänger ist?

Stevens: Er hat die Erfahrung als Spieler, in die neue Aufgabe muss er hereinwachsen. Das ist klar. Er muss gut mit Veh zusammenarbeiten, der Trainer muss ihn auch unterstützen. Urs Siegenthaler kennt sich sehr gut aus, hat aber vielleicht nicht die Einsichten. Deshalb kann das sehr gut zusammenpassen mit Siegenthaler und Basti.

SPORT1: Also haben Sie ein gutes Gefühl?

Stevens: Ich denke schon. Wenn alle an einem Strang ziehen, können sie Erfolg haben.

SPORT1: Ihr Gesamteindruck vom HSV ist demnach positiv?

Stevens: Der HSV spielt in der neuen Saison keinen internationalen Fußball, sie haben also keine Doppelbelastung. Das kann ein Vorteil für die Bundesliga sein.

SPORT1: Wo denken Sie geht die Reise hin?

Stevens: Ich denke, dass der HSV das Potenzial hat, oben mitzuspielen. Auf der einen Seite ist es schön, international zu spielen. Aber wenn man nicht dabei ist, ist es ein Vorteil für Meisterschaft und DFB-Pokal.

SPORT1: Zum Abschluss noch ein anderes Thema: Ibrahim Afellay war Ihr Spieler bei der PSV Eindhoven. Für die neue Saison soll er als Neuzugang feststehen...

Stevens: Das habe ich auch gehört. Ich weiß nicht, ob das schon fix ist. Aus einer anderen Richtung habe ich gehört, dass Afellay nicht zum HSV wechseln möchte, sondern einen großen Verein sucht. Er ist ein guter Spieler mit viel Potenzial, der auch sehr torgefährlich ist. Ob er das auch in der Bundesliga umsetzen kann, ist eine andere Frage.

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