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Kevin Kuranyi hat in 202 Bundesligaspielen 84 Tore erzielt © getty

Das Spitzenspiel der Schalker in Hamburg ist der erste sportliche Auftritt für Kevin Kuranyi nach seinem Abgang beim DFB-Team.

Von Christian Stüwe und Thorsten Mesch

München - Kevin Kuranyis Karriere verläuft derzeit eher unglücklich.

Zunächst wurde der 26-Jährige zum Buhmann der eigenen Fans. Pfiffe begleiteten seine Auftritte im Schalker Trikot.

Nun sorgte der Stürmer mit seinem Abgang von der Nationalmannschaft für einen faustdicken Eklat.

Das Spitzenspiel der Schalker beim Hamburger SV (So, ab 16.30 Uhr LIVE) wird Kuranyis erster sportlicher Auftritt nach seinem unrühmlichen Abgang beim DFB-Team.

Für Kuranyi könnte die sportlich wichtige Partie zu einem echten Spießrutenlauf werden. Pfiffe und Schmähungen der Hamburger Fans drohen ebenso wie Anfeindungen der eigenen Anhänger.

"Kann man nicht einfach abhaken"

Dessen ist sich auch der Schalker Manager Andreas Müller bewusst. "Es ist normal, wenn das Hamburger Publikum versucht, Einfluss zu nehmen", erklärt Müller im Gespräch mit Sport1.de.

Die größeren Sorgen bereiten dem Schalker Manager aber offenbar die Anfeindungen der eigenen Fans: "Hier bei uns hat er ja auch in den letzten Wochen viele negative Dinge erleben müssen, dass ich mich gefragt habe, wie einer das aushält."

"Einige haben ihn ja schon vom ersten Ballkontakt an ausgepfiffen", so Müller: "Einfach abhaken kann man solch eine Geschichte nicht."

Sorge um die eigenen Fans

Der ohnehin schon angeschlagene Kuranyi, dürfte seinen Stand weder bei den eigenen noch bei den gegnerischen Fans verbessert haben.

Grundsätzlich bereitet dies Müller aber keine Kopfschmerzen. "Wenn es jetzt auswärts hämische Reaktionen gibt: Damit können wir umgehen, die gab es vorher auch."

"Die meisten kennen ihn nicht richtig"

Wirkliche Gründe für die offensichtliche Unbeliebtheit Kuranyis weiß Müller nicht. "Natürlich ist Kevin einer, der polarisiert - auch wenn ich mich immer frage, warum das so ist", überlegt der 46-Jährige.

"Ich glaube, die meisten kennen ihn gar nicht richtig, sondern haben nur ein Bild von ihm, und zwar ein falsches. Kevin ist nämlich ein richtig netter, grundanständiger Kerl, immer offen und für andere da, nimmt sich für Fans viel Zeit."

Seine Auftritte für die Schalker wirkten allerdings oft unglücklich. In der Nationalmannschaft wurde er vor der WM 2006 ausgebootet. Auch als Kuranyi dem damaligen Schalke-Trainer Mirko Slomka nach einer Auswechslung in einer Champions-League-Partie in Porto den Handschlag verweigerte, sank seine Beliebtheit. Nun der unglückliche Rücktritt aus dem DFB-Team.

Aufbauarbeit auf Schalke

Auf Schalke will man den Stürmer, der immerhin schon viermal getroffen hat, nun wieder aufbauen.

"Jetzt ist erst mal wichtig, dass er bei uns gut aufgefangen wird", so Müller: "Wir werden sicherlich sehr viel mit ihm reden und müssen gucken, dass wir ihn wieder hinkriegen. Da sind wir jetzt gefragt und gefordert."

Dennoch glaubt Müller, dass Kuranyi die Kurve bis zum HSV-Spiel kriegt: "Kevin hat ja bei uns zuletzt absolut ansteigende Form bewiesen, was seine beiden Tore gegen Wolfsburg gezeigt haben."

Müller ist optimistisch

Die Schalker benötigen am Sonntag auch einen topfitten Kuranyi, denn sie treffen auf die Mannschaft der Stunde.

"Die Tabelle lügt nicht. Der HSV ist richtig stark, hat sehr viele Spiele gedreht. Es wird eine ganz schwere Aufgabe für uns. Wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir uns dieser Herausforderung stellen", erklärt Müller.

Doch Müller ist optimistisch: "Ich denke, dass unsere Mannschaft dazu bereit ist und dass sie mit einem positiven Erlebnis zurückkommen kann. Ich denke, dass wir gewappnet sind." Ein positives Erlebnis, das auch Kuranyi bitter nötig hat.

Länderspielreisen stören Vorbereitung

Die Vorbereitung auf das Spitzenspiel war allerdings nicht optimal, da ein Dutzend Spieler der Königsblauen unter der Woche auf Länderspielreise war.

Und somit hat all die Aufregung um Kuranyi wenigstens einen positiven Effekt für Schalke. Denn diese Reisen bleiben dem Stürmer künftig erspart.

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