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Marcell Jansen kam 2008 vom FC Bayern zum Hamburger SV © imago

Die Misstöne in Hamburg bleiben: Marcell Jansen übt harsche Kritik an Kollegen, Sergej Barbarez fühlt sich verschaukelt.

Von Jessica Pulter

München - Mit der Präsentation von Armin Veh als neuem Trainer und Bastian Reinhardt als Sportchef wollte der Hamburger SV eigentlich die wochen- und monatelangen Unruheherde im Verein verstummen lassen.

Doch davon scheinen die Hanseaten noch meilenweit entfernt zu sein.

Nationalspieler Marcell Jansen übte nun harsche Kritik an Hamburger Kollegen und deren mangelhafte Einstellung.

Und Aufsichtsratsmitglied Sergej Barbarez zeigte sich von der Vereinsführung enttäuscht und erwägt einen Rücktritt.

Jansen kritisiert Größenwahn

Jansen bemängelte vor allem die Selbstüberschätzung einiger Kollegen beim HSV.

"Am Anfang der Saison, als wir mal vier, fünf Spiele gewonnen haben, wurde in der Kabine immer wieder von der Meisterschaft geredet", sagte Jansen im Interview mit "ran.de".

"Ich habe gedacht: Jungs ihr wisst doch eigentlich, wie es läuft, ihr seid doch Bundesligaspieler - und ich habe innerlich mit dem Kopf geschüttelt. Alle Teams, die damals hinter uns standen, haben uns überholt. Alle! Wie kann man sich am sechsten, siebten Spieltag feiern lassen?"

"Kein Führungsspieler da"

Für den Nationalspieler, der aufgrund eines Risses des Syndesmosebands oberhalb des linken Fußes seit Ende März kein Pflichtspiel mehr bestritt, fehlte insbesondere ein "Leitwolf" im Team.

"Das ganze Jahr über wird von Führungsspielern geredet und dann ist keiner da", monierte Jansen.

Auch der ehemalige Coach Bruno Labbadia ist für den 24-Jährigen nicht schuldlos am enttäuschenden siebten Platz: "Wenn er nicht, wie jeder andere auch, ein paar Fehler hätte, wäre das Jahr kaum so gelaufen."

Große Enttäuschung bei Barbarez

Doch auch an anderer Stelle im Verein scheint beim HSV eine klare Führungslinie zu fehlen.

Ex-Spieler und Aufsichtsratsmitglied Barbarez schmeckte es gar nicht, wie die Stelle als neuer Sportchef bei den Hamburgern vergeben wurde.

"Es ist sehr viel Enttäuschendes in den letzten Tagen passiert. Vor allem die Art und Weise ist eine Katastrophe", äußerte sich Barbarez in der "Hamburger Morgenpost".

Rücktritt aus dem Aufsichtsrat?

Barbarez hatte selbst auf den Posten als neuer Sportchef spekuliert. Nach seinem Vorstellungsgespräch soll dem Bosnier bereits einen Tag später mitgeteilt worden sein, dass er den Job wohl bekommen würde.

Erst Minuten vor der Abstimmung soll Barbarez mitgeteilt worden sein, dass er wohl keine Stimmenmehrheit im Rat bekommen würde.

"Menschlichkeit gibt es in diesem Geschäft kaum. Meinungen werden innerhalb von Sekunden geändert", fiel Barbarez' Fazit dementsprechend aus.

Der Bosnier erwägt nun, von seinem Posten im Aufsichtsrat zurückzutreten.

Veh: "Kann die Kritik verstehen"

Das alles wirft kein gutes Licht auf den Führungsstil im Verein. Veh und Reinhardt werden in den kommenden Wochen daran arbeiten müssen, die Hamburger wieder auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen.

Und das schließt die Fans mit ein, die sich nach der Verpflichtung Vehs vermehrt kritisch über diese Entscheidung äußerten. 241307(DIASHOW: Bilder von Vehs Karriere)

"Ich kann die Kritik der Fans verstehen. Die Situation war zuletzt nicht leicht", sagte Veh gegenüber der "Morgenpost". "Mit Bastian Reinhardt kommt jetzt ein sehr junger Sportchef und mit mir ein Trainer, der in Wolfsburg entlassen wurde. Ist doch klar, dass die Fans kritisch denken."

Jansen hofft auf Trendwende

Jansen erhofft sich vom Coach eine Trendwende:

"Veh hat in Stuttgart sehr gute Arbeit geleistet. Wenn Veh aus der damaligen VfB-Mannschaft so viel rausholen konnte, dass dieses Team Meister wurde, dann kann er auch für uns ein Gewinn sein."

Berg-Ausleihe geplant

Welche neuen Impulse Veh setzen kann, wird wahrscheinlich Stürmer Marcus Berg nicht aus erster Hand mitbekommen.

Wie es scheint soll der Schwede in der kommenden Saison ausgeliehen werden. Interessenten soll es aus den Niederlanden und Großbritannien geben. Auch der 1. FC Kaiserslautern wäre nach "Abendblatt"-Informationen ein Kandidat.

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