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Christian Ziege (2.v.r.) sitzt gegen Bochum zum ersten mal als Trainer der Borussia auf der Bank © getty

Interimscoach Christian Ziege steht vor seinem Debüt. Ein neuer Trainer scheint aber schon in den Startlöchern zu stehen.

Aus Mönchengladbach berichtet Martin van de Flierdt

Mönchengladbach - Wenn Christian Ziege, derzeit Sportdirektor und Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach, in diesen Tagen vor die Presse tritt, tut er dort im Wesentlichen zwei Dinge.

Zum einen versucht er trotz des 18. Tabellenplatzes und der ungeklärten Trainerfrage Zuversicht zu verbreiten.

Zum anderen besitzt ein außerordentliches Talent, auf Nachfragen nach eben jener offenen Personalie in aller Freundlichkeit einzugehen, ohne die Antworten mit Aussagen im eigentlichen Sinne zu versehen.

Am Freitag (ab 20.00 Uhr LIVE) tritt die Borussia, die nur eines ihrer sieben Saisonspiele nicht verloren hat, beim VfL Bochum an. Gegen das Team von der Castroper Straße haben die Mönchengladbacher zuletzt elf Mal in Serie nicht gewinnen können.

Ziege ficht das nicht an, er macht in Optimismus. Wie oft er auf der Pressekonferenz am Donnerstag das Wort "positiv" verwendete, ließ sich nicht mehr mit den Fingern beider Hände abzählen.

Vollgas im Training

"Die Jungs haben im Training richtig dran gezogen, jeder hat sich richtig reingehauen", berichtete Ziege. Was er dort gesehen habe, stimme ihn - genau - positiv.

Daran habe auch das derbe 0:3 im Testspiel Ende der vergangenen Woche gegen den 1.FC Kaiserslautern nichts geändert: "Das Spiel hat keine Aussagekraft, weil wir in den Tagen zuvor ohne Rücksicht auf die Partie im Training angezogen hatten."

Vor seiner ersten Bundesligapartie als Cheftrainer gelte es nun, das Selbstvertrauen der Spieler zu stärken. "Es liegt an mir, sie daran zu erinnern, dass sie gute Fußballer sind und sich vor niemandem zu verstecken brauchen", nahm sich der 36-Jährige selbst in die Pflicht.

Mit aller Kraft und Erfahrung

Zwar sei seine Person nicht so wichtig. Dennoch werde er seine gesamte "Kraft und Erfahrung in die Waagschale werfen", um die Mannschaft in Bochum zu einem - Achtung! - positiven Ergebnis zu führen:

"Ich habe den Jungs gesagt: Wenn das Spiel losgeht, haben wir einen Punkt. Den wollen wir unbedingt mitnehmen. Und dann schauen wir mal, ob vielleicht ein bisschen mehr herauskommt."

Dass er beim VfL auf das Mitwirken des an einer Wadenverletzung laborierenden Marko Marin zählen kann, ist unwahrscheinlich.

Torwartwechsel durchaus möglich

"Wir können nur Spieler gebrauchen, die die Vorgaben mit 100-prozentiger Fitness umsetzen können", meinte Ziege. "Wenn es da Fragezeichen gibt, ist das eher nicht so gut."

Ob er im rewirpower-Stadion Uwe Gospodarek anstelle des zuletzt unglücklich agierenden Christofer Heimeroth ins Tor stellen wird, ließ er offen. Auch auf andere personelle Umstellungen legte er sich nicht fest.

"Die Bochumer sollen sich erst kurz vor dem Spiel mit unserer Elf auseinandersetzen können", begründete der Europameister seine Zurückhaltung, die er auch bezüglich der Trainerfrage nicht ablegte.

Keine Dauerlösung als Chefcoach

"Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, die Arbeit als Trainer auf dem Platz mache mir keinen Spaß", räumte er zwar ein. Dennoch werde alles getan, "damit ich so schnell wie möglich wieder meiner normalen Arbeit als Sportdirektor nachgehen kann".

Den Cheftrainer Ziege wird es also auch im Falle eines Sieges in Bochum als Dauerlösung nicht geben. Wann der neue Coach am Niederrhein installiert werde, sei "nicht planbar. Man kann auch nicht alles beeinflussen."

Der letzte Satz legt zumindest nahe, dass der Auserkorene, so es ihn denn gibt, noch mit einer weiteren Partei Angelegenheiten zu klären hat.

Meyer schon am Wochenende da?

Das würde auf den mit dem 1.FC Nürnberg im Abfindungsstreit befindlichen kolportierten Wunschkandidaten Hans Meyer durchaus zutreffen.

Gut möglich, dass der 65-Jährige, der die Borussia schon von 1999 bis März 2003 trainiert hat, schon am Wochenende wieder die Kommandobrücke in Mönchengladbach besteigt.

Denn auf die Frage, ob sich an den beiden Tagen nach dem Bochum-Spiel hinsichtlich der Trainerbesetzung etwas tun könnte, meinte Ziege nur vielsagend: "Ja, könnte." Was allerdings auch so viel heißt wie: Muss aber nicht.

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