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Felix Magath wurde als Trainer bislang drei Mal Deutscher Meister © getty

Schalkes Trainer fordert 30 Millionen Euro für Transfers, kritisiert den Aufsichtsrat und schließt einen Rücktritt nicht aus.

Von Matthias Becker

München - Am 27. August werden die Gruppen für die kommende Champions-League-Saison ausgelost - und nach einer überragenden Spielzeit ist dann auch der FC Schalke 04 mit im Topf.

Doch statt den Sommerurlaub zu genießen sieht Schalke-Macher Felix Magath den langfristigen Erfolg seines Projekts in Gelsenkirchen bereits in akuter Gefahr und schlägt Alarm.

"Wir brauchen etwa 30 Millionen Euro für die Verstärkung des aktuellen Kaders", fordert Magath im "kicker".

Nur mit einer solchen Investition könne seine Mannschaft wieder einen Spitzenplatz in der Bundesliga erreichen und auch die Gruppenphase in der Champions League überstehen.

"Meine Arbeit ist erschwert."

Doch finanziell sieht es bei den klammen Schalkern trotz der garantierten Einnahme von 20 Millionen Euro durch die Königsklasse mau aus.

Und so lehnten die Vereinsmitglieder bei der Jahreshauptversammlung Anfang Mai einen Antrag ab, der Trainer, Manager und Vorstandsmitglied Magath einen eigenen Transferetat - und somit noch mehr Macht - eingeräumt hätte.

Magath ist dadurch spürbar gekränkt deutet sogar persönliche Konsequenzen an. Zwar droht er nicht mit seinem Abschied, vom "kicker" konkret danach befragt, schloss er einen Rücktritt aber auch nicht aus.

Besiktas zeigt Interesse

Ein erster Klub hat bereits sein Interesse an Magath bekundet: Besiktas Istanbul.

Laut der offiziellen Homepage des diesjährigen Tabellenvierten der Süper Lig ist Magath einer von sechs Kandidaten auf das Amt des Trainers und Managers von Vereins-Präsident Yildirim Demirören sein.

Demnach soll der Klub-Boss erste Sondierungsgespräche mit Magath führen.

Saison hat Kraft gekostet

Zumal Magath zugibt, dass ihn die Saison auf Schalke "sehr viel Kraft gekostet" habe. Es gäbe finanziell "ein größeres Minus, als mir ursprünglich gesagt worden ist", erklärte der Coach weiter.

Dadurch, dass er sich auch weiterhin Transferausgaben vom Aufsichtsrat genehmigen lassen muss, sei eins klar: "Meine Arbeit ist erschwert."

Attacken auf Tönnies

Das hat auch schon erste Auswirkungen auf die Saisonplanung gehabt.

Stürmer Peniel Mlapa vom TSV 1860 München stand auf der Schalker Einkaufsliste, wechselte letztlich aber zu Ligakonkurrenten 1899 Hoffenheim, berichtete Magath.

Der ist dementsprechend auf den Aufsichtsrat der Königsblauen alles andere als gut zu sprechen und wählt deutliche Worte.

"Mit Clemens Tönnies (Chef des Schalker Aufsichtsrats, Anm. d. Red.) war klar besprochen, dass ich bei Transfers freie Hand habe. Das war für mich eine wesentliche Voraussetzung meiner Arbeit auf Schalke", kritisierte Magath und legte nach:

"Der Aufsichtsrat hat doch vor meiner Zeit auch alle Transfers genehmigt. Mit dem Resultat, dass nach der Saison 2008/09 ein hohes zweistelliges Minus aufgetaucht ist."

Magath relativiert Titel-Versprechen

Magath geht sogar so weit, sein Titel-Versprechen an die Schalker Fans zu kassieren. Denen hatte er prophezeit, im Verlauf seines bis 2013 laufenden Vierjahresvertrags die Meisterschaft nach Gelsenkirchen zu holen.

"Dieses Versprechen hätte ich mit dem aktuellen Wissensstand so nicht gegeben", sagte der Ex-Nationalspieler.

"Grundlage war die Annahme, dass ein niederiger zweistelliger Millionenbetrag fehlt und mir volle Entscheidungsfreiheit bei Schalke zugesagt wurde."

Pinola muss sich entscheiden

Auch ohne die muss Magath nun die Personalplanungen für die kommende Spielzeit mit Mehrfachbelastung vorantreiben. Javier Pinola vom 1. FC Nürnberg steht weiter ganz oben auf der Wunschliste.

"Sein Herz sagt ihm in Nürnberg zu bleiben, der Kopf tendiert zum FC Schalke", berichtet Club-Sportdirektor Martin Bader.

Der Wechsel von Marko Pantelic nach Gelsenkrichen steht dagegen auf der Kippe, weil der Serbe offenbar einen langfristigen Vertrag will, den Magath ihm kaum geben wird.

Aufsichtsrat: Erst verkaufen, dann investieren

Dem wurde vom Aufsichtsrat auferlegt, zuerst Spieler zu verkaufen, bevor er wieder investieren dürfe.

Dann müsse man sich aber im Klaren sein, dass die Mannschaft nur einen Mittelfeldplatz in der Bundesliga anvisieren und in der Champions League kein Spiel gewinnen könne, schimpfte Magath.

Immerhin drohen schon in der Gruppenphase Hochkaräter wie Titelverteidiger Inter Mailand, der FC Barcelona oder Manchester United.

"Das gab es noch nie, dass ein Verein sich für die Champions League qualifiziert und dann erst mal Spieler verkaufen soll", meckert Magath.

Ordentlich Zündstoff also bei den Königsblauen, wo sie doch eigentlich mit der erfolgreichen Saison im Rücken den Sommer genießen wollten.

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