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"Das kann ich jetzt nicht sagen. Sonst bekomme ich Probleme, wenn meine Frau an Heiligabend mit dem Päckchen mit der Feinripp-Unterwäsche ankommt." (auf die Frage, ob ein Punkt bei Bayern das schönste Weihnachtsgeschenk sei)
Hans Meyer trainierte die Borussia bereits zwischen 1999 und 2003 © getty

Der Trainer-Routinier kehrt nach nach dem Mönchengladbacher 2:2 in Bochum zur Borussia zurück, die er bereits vier Jahre lang betreute.

Bochum - Die Katze ist aus dem Sack. Hans Meyer feiert nach fünfeinhalb Jahren in Comeback als Trainer von Borussia Mönchengladbach. "Es ist alles geklärt, ich fange sofort an", sagte der 65-Jährige dem "kicker".

Für seine zweite Amtszeit beim fünfmaligen Deutschen Meister erhält er einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010.Bei den Spielern des abstiegsbedrohten Neulings kam diese Nachricht bestens an.

"Er kennt den Klub, er kennt die Situation - das passt super", sagte Abwehrspieler Alexander Voigt schon nach dem 2:2 (0:1) von Borussia Mönchengladbach beim VfL Bochum. Der 65-Jährige soll bereits am Sonntag vorgestellt werden und am Montag sein erstes Training leiten.

"Der richtige Mann in unserer Situation"

"Er ist ein sehr erfahrener und sympathischer Trainer, der richtige Mann in unserer Situation", sagte der Gladbacher Aufsichtsratschef Hermann Jansen dem "Express". Meyer hatte die Borussia bereits zwischen 1999 und 2003 betreut, führte sie 2001 zum Wiederaufstieg und genießt bei den Fans Kultstatus.

"Aus der Ferne betrachtet macht es immer Spaß, ihn zu verfolgen, zum Beispiel bei seinen Pressekonferenzen", räumte auch Ziege am Freitag nach zahllosen Nachfragen ein und macht damit zumindest eine Andeutung. Ansonsten hatte sich der Sportdirektor und "Ein-Spiel-Trainer" aber alle Mühe gegeben, die Journalisten weiter im Dunkeln tappen zu lassen.

Ja, er schließe aus, nach seinem Trainerdebüt die Rolle weiter auszufüllen, und nein, er wolle auch weiterhin keine Wasserstandsmeldungen in der Trainerfrage abgeben. Nur soviel gab er preis: "Ich hoffe, dass es jetzt so schnell wie möglich geht."

Meyer einigt sich mit Nürnberg

Das tat es. Meyer einigte sich mit seinem Ex-Klub 1. FC Nürnberg im Streit um die Lohnfortzahlung. Der Club gab am Samstagmittag bekannt, man habe "alle bestehenden Streitigkeiten einverständlich beigelegt. Der Rechtsstreit ist erledigt." Über die Einzelheiten der Vereinbarung habe man Stillschweigen vereinbart.

Laut "Nürnberger Nachrichten" sah sie wohl so aus: Der FCN zahlt Meyer die seit Juli ausstehenden Gehälter von insgesamt 560.000 Euro, aber nicht mit die rund eine Million, die ihm seiner Ansicht nach noch bis zum Saisonende zugestanden hätte.

Der Borussia traut Meyer den Klassenerhalt durchaus zu: "Sieben bis acht Mannschaften sind doch nicht besser. Die fußballerische Substanz ist da. Und auch vom Charakter her ist der Kader gut aufgestellt."

Ziege zufrieden

Mit sieben Trainern hatte es die Borussia seit Meyers Rücktritt versucht und war mit keinem glücklich geworden. Die Nummer acht, Ziege, wurde von den Fans nach dem Achtungserfolg in Bochum mit jeder Menge Applaus bedacht.

In der Tat verhalf der 72-malige Nationalspieler dem Team wieder zu jener Struktur, die unter Jos Luhukay verloren gegangen war.

"Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich das hier machen durfte. Die Mannschaft hat exakt das umgesetzt, was wir uns in den vergangenen zehn Tagen hart erarbeitet haben", meinte Ziege.

Änderungen auf fünf Positionen

Auf fünf Positionen hatte er die Startelf im Vergleich zu Luhukays letztem Spiel, dem 1:2 gegen den 1. FC Köln, geändert.

Unter anderem stellte er den 35 Jahre alten Uwe Gospodarek ("Er hat die Erfahrung, die jetzt wichtig ist"), der zuletzt am 15. Mai 2000 ein Erstliga-Spiel bestritten hatte, für Christofer Heimeroth ins Tor. Er vertraute im Gegensatz zu Luhukay in der Abwehr wieder auf Voigt und Thomas Kleine ("Das sind Typen, die die Truppe anschieben").

Kleine erzielte in der 79. Minute auch prompt das 2:2 und sicherte dem Aufsteiger den ersten Auswärtspunkt der Saison.

Marin überzeugt bei Comeback

"Dass die Mannschaft nach dem 1:2 so eine tolle Reaktion gezeigt hat, ist besonders bemerkenswert", meinte Ziege. Keine zwei Minuten vor dem Ausgleich hatte Sinan Kaloglu den Gästen mit seinem Tor den vermeintlichen Todestoß versetzt.

"Vor zwei, drei Wochen hätten wir in so einer Situation auch noch das dritte Tor kassiert", meinte Voigt. Steve Gohouri (30.), der in der Halbzeit mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt wurde, hatte Gladbach in Führung geköpft, Christoph Dabrowski (55.) für die Gastgeber ausgeglichen.

Beide Borussia-Tore bereitete Nationalspieler Marko Marin vor, der nach seinem Muskelfaserriss überraschend auflaufen konnte.

Wochenende trainingsfrei

Die Gladbacher Profis bekamen zur Belohnung das Wochenende trainingsfrei. Unterdessen muss auch der VfL Bochum weiter auf seinen zweiten Saisonsieg warten. "Wir haben zwei Punkte verloren", meinte Trainer Marcel Koller.

Neben der mageren sportlichen Bilanz muss sich der Schweizer vor allem um Paul Freier sorgen. Der Ex-Nationalspieler bot zum wiederholten Mal eine indiskutable Leistung. "Er spielt nicht das, was er in seiner ersten Zeit in Bochum gespielt hat", gab auch Koller zu, fügte aber hinzu: "Ich glaube schon, dass wir noch von ihm profitieren."

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