vergrößernverkleinern
Neuzugang Petit (l.) macht mit dem 1. FC Köln den schwachen Saisonstart vergessen © imago

Dank einer bärenstarken Defensive feiert Köln den besten Bundesliga-Start seit 1996. Die Fans träumen, Trainer Daum wiegelt ab.

Von Tobias Schneider

Köln - Karnevalsstimmung im Oktober: Nach dem 1:0 gegen Cottbus, dem dritten Sieg in Folge und dem besten Bundesliga-Start seit zwölf Jahren träumen die FC-Anhänger von mehr als nur einem Mittelfeldplatz.

Dieses Ziel hat Trainer Christoph Daum vor der Saison ausgegeben.

Auch mögliche Abstiegsängste scheinen auf einen Schlag beseite gewischt: Schließlich haben die "Geißböcke" durch den Erfolg ein beachtliches Acht-Punkte-Polster auf Cottbus angehäuft, welches derzeit Releagtionsplatz 16 belegt.

Noch süßer erscheint die Situation beim Blick nach oben: Obwohl Köln auf Tabellenplatz acht rangiert, beträgt der Rückstand zu Spitzenreiter Hoffenheim nur mickrige drei Zähler.

Daum betätigt Euphoriebremse

Diese Ausgangslage weckt Sehnsüchte, besonders bei den FC-Fans, die fußballerisch magere Jahre in der Domstadt zu verkraften hatten. Trainer Christoph Daum bemüht sich allerdings, die aufkeimende Euphorie nicht überzubewerten:

"Es bleibt noch viel Arbeit. Die Mannschaft hat sich gut in die Liga reingearbeitet, aber wir müssen uns noch steigern."

FC-Sportdirektor Michael Meier schlägt in die gleiche Kerbe und warnt vor zuviel Übermut. "Wir dürfen jetzt nicht anfangen, uns zurückzulehnen und auf die Schenkel zu klopfen, sonst erleben wir vielleicht schon übermorgen eine Überraschung."

Kölner Abwehrbollwerk

Ausschlaggebend für den momentanen Höhenflug ist nicht die Offensive - schließlich stehen gerade einmal acht erzielte Tore zu Buche - sondern die kompakte Defensive der "Geißböcke" rund um Youssef Mohamad und den grandios eingeschlagenen Neuzugang Pedro Geromel sowie Kevin McKenna. Neun Gegentore kassierte Köln, nach Schalke der zweitbeste Wert in der Liga.

Der 23-jährige Geromel, vor der Saison für 2,5 Millionen Euro vom portugiesichen Erstligisten Guimares gekommen, leistet sich kaum Patzer und agiert auf konstant hohem Niveau.

Nicht zu Unrecht wurde der Brasilianer mit italienischem Pass in der Saison 2007/2008 zum besten Spieler in Portugals Eliteklasse gekürt - und das als Innenverteidiger. "Unsere Defensivleistung ist momentan die überragende Basis", konstatiert Daum folgerichtig.

Lahmende Offensive

So stark die Defensive auch ist, im Sturm ist nicht alles Gold was glänzt.

Alleinunterhalter Novakovic verbucht zwar bereits fünf Saisontore, ansonsten ist aber kein echter Torjäger in Sicht.

Neuzugang Manaseeh Ishiaku fällt wegen einer Sprunggelenksverletzung auf unbestimmte Zeit aus, Sergiu Radu markierte erst ein Tor und das 20-Jährige Talent Adil Chihi ist den Nachweis der Torgefährlichkeit in all den Jahren noch schuldig geblieben.

Sack nicht zugemacht

Gegen die völlig harmlosen Cottbuser, die zu allem Übel auch noch 60 Minuten in Unterzahl spielen mussten, hat es Köln trotz bester Gelegenheiten verpasst, den Sack zuzumachen. Ein Umstand, der sich gegen ein spielstärkeres Team leicht rächen kann.

"Die Chancenverwertung war das einzige Manko. Aber wenn wir 2:0 oder 3:0 gewonnen hätten, würde einige vielleicht wieder durchdrehen", fand Daum einen positiven Nebeneffekt des knappen 1:0-Erfolgs.

Offenbarungseid im Sturm

Cottbus-Trainer Bojan Prasnikar konnte zur Chancenverwertung seiner Mannschaft nichts sagen. Energie kreierte nicht eine nennenswerte Gelegenheit, ein Armutszeugnis. Drei Tore hat Cottbus in bislang acht Spielen erzielt - absoluter Liga-Minusrekord.

Für die Winterpause hat der Coach bereits offensive Verstärkungen angekündigt, bis dahin sind aber noch etliche Ligaspiele zu absolvieren.

Das schlägt auf die Stimmung, auch wenn sich Kapitän Timo Rost nach Spielende anschickt, Optimismus zu verbreiten. "Kämpferisch haben wir gezeigt, dass wir auch mit zehn Mann dagegen halten können."

Spielerisch hätte es aber auch mit elf Mann wohl nicht gereicht.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel