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Trainer Friedhelm Funkel spendet Ioannis Amanatidis Trost © getty

Nach der Niederlage gegen Leverkusen ist Frankfurt endgültig ein Abstiegskandidat. Amanatidis sieht Parallelen zum Club.

Von Christian Stüwe

München - Eintracht Frankfurt entpuppt sich mehr und mehr als ein echter Abstiegskandidat.

Es ist weniger die Tabellensituation, als vielmehr das Auftreten der Frankfurter, das bei den Verantwortlichen ernsthafte Sorgenfalten verursachen dürfte.

Bei dem 0:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen wurde mehr als deutlich, dass die Mannschaft zutiefst verunsichert ist. Parallelen zum Auftreten des 1. FC Nürnberg in der vergangenen Saison sind nicht zu übersehen.

Der einzige Vorteil der Frankfurter könnte sein, dass man sich in der Mainmetropole des Ernstes der Lage bewusst ist.

Verunsicherte Mannschaft

"Der 1. FC Nürnberg hat vielleicht eine noch bessere Mannschaft als wir und ist in der vergangenen Saison abgestiegen. Ich will nicht schwarz malen, aber wir müssen höllisch aufpassen", sagte Stürmer Ioannis Amanatidis.

Zu jedem Zeitpunkt war der Mannschaft die Verunsicherung anzumerken. Bereits in der sechsten Minute verursachte Marco Russ gegen Stefan Kießling einen Foulelfmeter, den Bayer-Torjäger Patrick Helmes zu seinem achten Saisontreffer verwandelte.

Überhaupt wackelte die Verteidigung der Eintracht, der junge Innenverteidiger Habib Bellaid leistete sich teilweise haarsträubende Fehler und wurde zur Pause von Trainer Friedhelm Funkel ausgewechselt.

Wacklige Abwehr

Die letzten Auftritte der wackligen Innenverteidiger Russ und Bellaid werfen zumindest die Frage auf, ob der Abgang von Sotirios Kyrgiakos nicht doch schwerer wiegt, als zunächst angenommen.

Zumal mit Chris ein erfahrener Innverteidiger gesperrt und mit Aleksandar Vasoski ein weiterer verletzt ist.

"Wir haben viele Konzentrationsfehler drin, viele individuelle Fehler. Bei der Situation zum Elfmeter stehen wir zwei gegen eins. Aber wir foulen den Gegenspieler", ärgerte sich Amanatidis.

"Viele Konzentrationfehler"

Aber auch der von einem Muskelbündelriss genesene Angreifer konnte keine Torgefahr verbreiten. Genau wie seine Kollegen.

"Wir sind angerannt, aber wir wissen auch, in was für einer Situation wir stecken. Und dann hast du auch kein Glück", haderte der Grieche weiter: "Die größte Chance hatte Fenin, der aus zwei Metern den Ball drüber haut."

Auch dem zweiten Gegentreffer ging ein individueller Fehler voraus. Torwart Oka Nikolov konnte einen Freistoß von Michal Kadlec nicht festhalten, Arturo Vidal (61.) staubte ab.

Nikolov patzt - "Funkel raus"

"Heute hat man den Unterschied gesehen zwischen einer Mannschaft, die verunsichert ist, und einer, die vor Selbstvertrauen strotzt", erklärte Trainer Funkel: "Aber ich bin ein positiv denkender Mensch und bin mir sicher, dass wir das Nachholspiel am Mittwoch gegen Karlsruhe gewinnen."

Seinen guten Stand bei den Fans hat Funkel allerdings verloren. "Funkel raus", skandierten die Anhänger und "Wir steigen ab, und keiner hat's gemerkt".

Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen steht jedoch nach wie vor zu seinem Trainer. "Wir geben auf diese Fragen keine Antwort, weil sie sich nicht stellen", sagte der angeschlagen wirkende Bruchhagen.

Bruchhagen steht zum Trainer

Die Frage ist, wie lange sich der Vorstandsboss dem öffentlichen Druck noch entgegenstellen kann. Dem Nachholspiel am Mittwoch gegen Karlsruhe dürfte eine enorme Bedeutung zukommen.

"Es ist klar, dass wir alle sehr nervös und als Tabellenletzter nicht hocherfreut sind", sagte Bruchhagen.

"Wir müssen irgendwie einen Ball reinwürgen", gab Amanatidis die Richtung für das KSC-Spiel vor und fügte an: "Wir müssen den ersten Dreier landen. Das sagen wir ständig in den letzten Wochen, aber es gelingt uns nicht."

"Diesmal kein Feuerwerk abgebrannt"

Probleme, die Bayer Leverkusen nicht hat. Die Werkself bleibt nach dem fünten Dreier in Kontakt mit der Tabellenspitze, nachdem zuletzt gegen Berlin trotz überlegener Spielführung verloren wurde.

"Die Gerechtigkeit siegt", freute sich Patrick Helmes nach dem schwächeren Auftritt in Frankfurt: "Diesmal waren wir nicht so gut, haben aber locker gewonnen."

Ähnlich sah dies auch Trainer Bruno Labbadia: "Wir haben zwar diesmal kein Feuerwerk abgebrannt, aber das stört mich wenig. Wichtig ist, dass wir auch solche Spiele auf nicht ganz so hohem Niveau gewinnen."

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