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Für Uli Hoeneß (r.) und Jürgen Klinsmann war das Spiel in Karlsruhe eine Nervenprobe © getty

Der Erfolg in Karlsruhe hat die Nerven von Uli Hoeneß kaum beruhigt. Nach dem Match wollte er einen Reporter des FCB-TV feuern.

Von Mathias Frohnapfel

München/Karlsruhe - Unmittelbar nach dem 1:0-Sieg der Bayern in Karlsruhe platzte Uli Hoeneß der Kragen.

Während des Spiels hatte er leiden müssen.

Zu viel leiden müssen.

Die Bayern nutzten in der ersten Halbzeit ihre zahlreich vorhandenen und ansehnlich herausgespielten Chancen nicht.

Im zweiten Durchgang ging dann lange Zeit wenig für den Meister und Pokalsieger, ehe Miroslav Klose reaktionsschnell vier Minuten vor Schluss den Ball aus kurzer Distanz traf.

"Sie müssen sich einen neuen Job suchen"

Alles gut? Und Bayern auf dem Weg zur alten Stärke? Aus Sicht des Managers nicht.

Denn nach der Partie verlor Hoeneß die Nerven und attackierte vor der versammelten Journalistenschar einen Mitarbeiter.

"Sie sind wirklich vom FC-Bayern-TV? Sie müssen sich in der nächsten Woche einen neuen Job suchen", antwortete der dünnhäutige Manager auf die Frage des Bayern-Reporters, ob er die 'Dusel-Bayern' " erlebt habe.

Keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen

Arbeitsrechtliche Konsequenzen hatte die Szene aber nicht.

Laut Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick sei Hoeneß zwar verärgert gewesen, habe sich aber später zu einem Interview mit dem freien Bayern-Mitarbeiter getroffen; die Angelegenheit wurde dabei ausgeräumt.

Dennoch: Ein Ausbruch vor laufenden Kameras. Und einer, der zeigt, dass die ungezählten kritischen Berichte zu seiner Mannschaft und dem Projekt mit Reform-Trainer Jürgen Klinsmann nicht spurlos an dem Manager vorbeigegangen sind.

Klinsmann auf den Spuren Hitzfelds

Dabei hatte Klinsmann mit einer Mannschaft im besten Zuschnitt seines Vorgängers Ottmar Hitzfeld den Karlsruher SC bezwungen.

Auf gerade einmal zwei Positionen verändert lief der FCB im Wildpark auf, verglichen mit Höhepunkten der Vorsaison wie dem Pokalfinale. In Berlin spielten damals Oliver Kahn und Christian Lell statt Michael Rensing und Massimo Oddo.

Kahn: "Jetzt Serie starten"

Der eine ist mittlerweile TV-Experte, der andere laboriert noch an einer Verletzung. Torwart-Denkmal Kahn sah das Spiel seiner beiden ehemaligen Vereine im Stadion. Und kommentierte die Meisteraussichten der Bayern so: "Wenn sie eine Serie starten und bis zur Winterpause oben dabei sind, dann ist alles möglich."

Zwar belegt der Meister im Moment nur Platz elf, doch beträgt der Rückstand auf die Spitze nur vier Punkte.

Wenig verwunderlich, dass Uli Hoeneß das Wort nicht hören wollte, das in Bayern-Kreisen auf der schwarzen Liste steht: Dusel.

Allerdings: Die Münchner hatten ihren Erfolg zwar auch einer eifrigen Arbeitsleistung zu verdanken, aber ohne Glück kamen sie nicht aus.

Kennedy lässt Chance aus

Michael Rensing ließ einen eigentlich schon sicher geglaubten Ball von Michael Mutzel aus den Händen gleiten und hatte Glück, dass der verdutzte KSC-Stürmer Joshua Kennedy aus spitzem Winkel den Ball nicht im Tor unterbrachte.

Dass die Roten die guten Kräfte ein wenig auf ihrer Seite hatten, sah auch Präsident Franz Beckenbauer so. "Es war von beiden Seiten kein berauschendes Spiel. Es hat mich fast schon gewundert, dass die Bayern in der Endphase noch das Tor gemacht haben."

Selbst Hoeneß gestand: "Am Ende haben wir ein bisschen glücklich gewonnen, aber was wir im Moment brauchen, ist ein bisschen Glück."

"Von der Moral stimmte es hundertprozentig"

Dann kam der Satz, der dem Bayern-Manager am Herzen lag: "Die Mannschaft hat bis zur letzten Minute wie wahnsinnig gekämpft. Man darf nicht vergessen, dass wir zehn Spieler bei Länderspielen hatten. Von der Moral her stimmt es hundertprozentig."

Klinsmann wies indes auf "Verbesserungsmöglichkeiten" hin, von denen gewiss vor dem Champions-League-Spiel gegen den AC Florenz einige vorhanden sind.

Van Bommel wieder im Team

Immerhin: Zwei Baustellen weniger hat der Bayern-Trainer.

Kapitän Mark van Bommel durfte wieder spielen und Martin Demichelis agierte dort, wo er sich am wohlsten fühlt: in der Innenverteidigung.

Entwarnung gab der FC Bayern am Samstagabend für die angeschlagenen Asse Franck Ribery (Schlag auf das Sprunggelenk) und Luca Toni (Rippenprellung). Beide sollen am Dienstag wieder einsatzfähig sein.

Sind die Bayern raus aus der Krise? Hier mitdiskutieren!

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