Für Sport1.de schreibt Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher über einen alten Haudegen und Bundesliga-Manager ohne Mut und Ideen.

Die Bundesliga rast wieder.

Nach der Länderspiel-Pause drängelt die Liga Richtung Entscheidungen.

Jeder Spieltag ein Puzzle-Stück. Seit gestern steht schon mal die erste finale Tendenz fest: In dieser Saison gibt es eine nur Zweiklassengesellschaft, keine klaffenden Tabellen-Lücken wie im vergangenen Jahr.

Bedeutet: vom HSV bis zu den Bayern - von Platz 1 bis 11 - geht es um den Titel, Champions-League und Uefa-Cup. Der Rest kämpft gegen den Absturz, Abstieg.

Fest steht auch: Es wird keinen Ausreißer, keinen Alleingang geben.

Zwei Aufsteiger bleiben drin

Noch ein Fakt: Mit Köln und Hoffenheim bleiben zwei Aufsteiger drin. Sicher.

Und: Diese Saison wird wirklich spannend. In jeder Beziehung.

Ab jetzt nimmt das Ergebnis-Karussell richtig Fahrt auf.

Nervenschlacht für die Bosse

Diese Nervenschlacht wird viele Entscheidungen provozieren, die Klub-Bosse unter Druck setzen. Fehler erzwingen. Druck entwickeln.

Wie in Frankfurt: Entweder zwei Siege gegen den KSC und Cottbus, sonst muss Friedhelm Funkel gehen. Und wer kommt dann?

Wie in Gladbach: Hans Meyer, der neue und alte Kult-Trainer am Regie-Pult. Schafft er die Wende Richtung Mittelfeld. Und wenn nicht, was dann?

Was ist mit Hannover los?

Wie in Hannover: Wann kriegt 96 endlich mal Rhythmus und nicht nur die Hütte voll? Bayern schlagen und dann wieder verprügelt werden?

Wie in Schalke: Wann kommt die entschlossene Attacke auf die Spitze?

Und immer, wenn die Angst vor der verfehlten Zielvorgabe zur Gewissheit wird, werden die Trainer die oft so falsche Rechnung löhnen müssen.

Denkt einer langfristig?

Was mich am Wochenende beschäftigt hat: Die Problemfälle der Liga, die aktuellen Leistungs-Patienten wie Bremen, Bayern aber auch die erwähnten Krisen-Vereine ? wie sieht bei den Entscheidern das langfristige Lösungs-Szenario aus?

Die Konsequenz in Gladbach hat mich nachdenklich gemacht: Nichts gegen Hans Meyer, wirklich nicht, aber die Kurzfristigkeit der Denke ist für mich das Alarmsignal.

Meyer fürs gute Gewissen

Hans Meyer ist kein neuer Trainer, sondern die Gewissenberuhigung der Manager. Ein erfahrener Coach soll das Ding schaukeln, den Klub retten.

Aber wer entwickelt ein Konzept Borussia Mönchengladbach?

Überzeugte Hoffenheimer

Das Gegenbeispiel liefert ausgerechnet Hoffenheim: Langfristigkeit Dank einer in Stein gemeißelten Strategie.

Ralf Rangnick hat eine klare Vorstellung und setzt sie um. Schritt für Schritt. Seit der der Regionalliga. Rückschläge werden aufgearbeitet, Lösungen frühzeitig gesucht und gefunden.

In Hoffenheim war man von Rangnick und seinem Stil, seiner Philosophie überzeugt und hat ihm dann die Voraussetzungen geschaffen.

Klinsmanns Welt

So wie die Bayern Jürgen Klinsmann unbedingt wollten und ihm seine Welt gebaut haben.

Was mich so nachdenklich stimmt: Im Stress-Moment Misserfolg beherrscht die "Inzucht" die Entscheidung. Die gängigen Trainer-Namen rotieren in die freien Positionen und sollen dann die individuelle Lösung sein.

Mir fehlt der Mut zu einem eigenen Bekenntnis der Chefs: Eine Vorstellung wie soll mein Klub spielen, aussehen, sich präsentieren. In Siegen und Niederlagen.

Freiburg brilliert - ohne Finke

Gibt es in Deutschland keine Trainer, Sportdirektoren, Manager oder Co-Trainer mehr, die nur darauf warten die Erfahrungen der vielen Jahre Profi-Fußball in mehr als nur ein Rettungs-Konzept zu verwandeln?

Als Volker Finke in Freiburg einst ging, war die Angst groß: wer ist Robin Dutt und wird das was mit den Breisgau-Brasilianern ohne den ?großen Finke?. Die Antwort: Letzte Saison knapp am Aufstieg vorbei, heute wieder oben dabei. Robin Dutt funktioniert also. Geplant.

Schaut auf Labbadia, Klopp und Veh!

Bruno Labbadia, Armin Veh, Jürgen Klopp, Ralf Rangnick ? alle kamen auch aus dem Nichts und sind heute feste Größen, dank eines konkreten Plans für den Arbeitgeber.

Fliegt Funkel? Wer soll dann die Eintracht formen? Fliegt Klinsmann irgendwann? Wer verwirklicht dann den Bayern-Plan? Kickt sich Bielefeld noch tiefer die Krise ? wer kommt dann für Frontzeck? Und was macht der aus Arminia Bielefeld?

Trainer-Scouting sinnvoll

Die Liga investiert seit Jahren in Scouting-Systeme, um die richtigen Spieler zu finden.

Gibt es auch ein Trainer-Scouting? Nur: Manchmal muss man gar nicht so weit fahren, suchen und so viel Geld ausgeben. Ein Blick in den eigenen Klub kann helfen: Ein Mike Büskens (Co-Trainer in Schalke, vorher Amateure) oder ein Ulf Kirsten (Amateure Bayer 04) arbeitet sicher sonst auch noch in der Bundesliga?

Bis nächste Woche. Euer Toni Schumacher.

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