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"Wenn ich eine ganze Flasche Rotkäppchen getrunken habe, wurde meine Frau danach regelmäßig schwanger"
Hans Meyer gewann 2007 mit dem 1. FC Nürnberg den DFB-Pokal © imago

Hans Meyer soll Schlusslicht Gladbach aus dem Keller führen. Sport1.de blickt zurück auf seine bisherigen Rettungseinsätze.

Von Martin Hoffmann

München - Früher wusste man in der Bundesliga noch, was zu tun war, wenn es brannte: Wenn ein Klub in unvorhergesehene Abstiegsnot geraten war, schlug die Stunde der Feuerwehrmänner.

In solchen Zeiten war das Pendant zum Notruf 112 die Nummer von Peter Neururer, wahlweise auch Jörg Berger oder Rolf Schafstall.

Doch die Zeiten haben sich geändert: In der Ära der Konzept-Coaches und Langfristig-Denker hat das Berufsbild des Brandmeisters sich überlebt - aber eben nur fast.

Beim Tabellenletzten Gladbach tritt am Samstag gegen Karlsruhe (ab 15 Uhr LIVE) der letzte Vertreter der aussterbenden Spezies in Aktion: Hans Meyer.

Professioneller Ruder-Rumreißer

Meyer wird es sicher nicht gern hören, wenn man ihn in einer Reihe mit den oben genannten Namen nennt.

Schließlich hat er spätestens mit seinem Pokalgewinn und UEFA-Cup-Einzug mit Nürnberg gezeigt, dass er nicht nur Löschaktionen beherrscht, sondern - um im Bild zu bleiben - auch die Gebäudesanierung danach beherrscht.

Trotzdem: Im Moment braucht Gladbach Meyer in seiner Rolle als professionellen Ruder-Rumreißer - und darin macht ihm keiner etwas vor.

Keine Happy-End-Garantie

Dreimal hat Meyer bislang einen deutschen Profiverein in höchster Not übernommen - und dreimal hat er sein Team aus der Misere geholt.

Eine Happy-End-Garantie mag Meyer den Gladbachern zwar nicht geben: "Lassen Sie mich mit dem Kader zwei, drei, vier fünf Wochen arbeiten, dann sage ich mehr."

Aber Meyers bisherige Bilanz spricht für sich. Sport1.de blickt zurück auf die erfolgreichen Einsätze des letzten Feuerwehrmanns.

Einsatz 1: Mönchengladbach 1999/2000

Als Borussia Mönchengladbach nach dem Abstieg 1999 und drei Niederlagen in drei Zweitliga-Spielen Rainer Bonhof entließ, hatte keiner Meyer als Nachfolger auf dem Zettel. An dem einstigen DDR-Erfolgscoach hatte vorher nie ein Westklub Interesse gezeigt.

Als Meyer mit 57 Jahren dann doch noch im bundesdeutschen Profifußball ankam, war sein Start wenig verheißungsvoll: Zum Auftakt gab es ein 1:2 gegen Alemannia Aachen.

Mit der Zeit aber brachte Meyer die "Fohlen" wieder im Schwung: In den nächsten vier Spielen gab es zehn Punkte, am Ende war Gladbach Fünfter.

Mit 54 Punkten in 31 Meyer-Spielen langte es fast noch zum Aufstieg - der wurde dann ein Jahr später nachgeholt.

Einsatz 2: Hertha BSC Berlin 2003/04

Die Hertha erkannte nach 14 Spieltagen, dass ihre Zusammenarbeit mit Huub Stevens ein Missverständnis war - auch unter Übergangscoach Andreas Thom lief es nicht besser: Die Berliner überwinterten mit 13 Punkten aus 17 Spielen auf Platz 17.

Zur Rückrunde kam dann Meyer - und ging mit seinem neuen Klub erstmal 0:4 in Bremen unter.

Doch auch von diesem Rückschlag ließ Meyer sich nicht beirren: Er verdoppelte in der Rückrunde die durchschnittliche Punktausbeute der Hertha.

26 Zähler in 17 Spielen reichten am Ende noch zu Platz 12 und dem Klassenerhalt - nach dem sich Meyer in seinen berühmten, wenngleich nicht existierenden Rosengarten zurückzog.

Einsatz 3: 1. FC Nürnberg 2005/06

Noch aussichtsloser als bei der Hertha sah zwei Jahre später die Situation beim Club aus, als Meyer zur Rettung gerufen wurde - und noch furioser wendete Meyer das Blatt.

Nach 11 Spielen unter Vorgänger Wolfgang Wolf und einem unter Interims-Nachfolger Dieter Lieberwirth stand der FCN mit sechs Punkten aus 12 Spielen auf dem letzten Platz.

Unter Meyer wurde die Punktquote diesmal sogar mehr als verdreifacht. Nach einem 3:1 bei Kaiserslautern zum Auftakt holte Meyer insgesamt 38 Zähler aus 22 Spielen und führte die Franken noch auf Platz 8.

Einsatz 4: Mönchengladbach 2008/09

Die Situation an der Brandstelle: Vier Punkte aus acht Spielen unter Jos Luhukay und Christian Ziege, letzter Tabellenplatz.

Eine leichte Mission hat Meyer auch diesmal nicht, aber wie man sieht hat der inzwischen 65-Jährige bislang noch jede gemeistert.

Und einen Plan für die nächste hat er auch schon: "Einfach mal gewinnen" soll Gladbach gegen Karlsruhe.

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