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Vedad Ibisevic (r.) und Demba Ba erzielten 14 der 22 Hoffenheimer Tore © getty

Noch sammelt 1899 Hoffenheim Punkte für den Klassenerhalt, doch der erste Spieler redet schon von der Meisterschaft.

Von Michael Schulz

München - Träumen ist den Spielern bei 1899 Hoffenheim erlaubt, doch den Blick für die Realität dürfen die Profis bei Bundesliga-Aufsteiger nicht verlieren.

Nach dem 5:2-Erfolg bei Hannover 96 stand die Elf von Trainer Ralf Rangnick zum dritten Mal in dieser Saison - wenn auch nur bis Sonntagabend - an der Tabellenspitze.

In der ersten Euphorie erklärte der zweifache Torschütze Vedad Ibisevic: "Meister würde ich gerne werden. Auf jeden Fall."

Ibisevic rudert zurück

Anschließend relativierte der Bosnier jedoch seine Aussagen.

"Ich will wie jeder Fußballer mal Meister werden", sagte der Stürmer in der "Bild: "Aber das ist schwer und nicht auf diese Saison bezogen."

Rangnick kritisiert Gegentreffer

Als Nachfolger von Titelverteidiger Bayern München sieht sich "Fußball-Professor" Rangnick daher mit seinen Spielern auch nicht.

"Auf keinen Fall", erklärte der 50-Jährige: "Wir tun gut daran, nur von Spiel zu Spiel zu denken und uns auf das nächste zu konzentrieren."

Schließlich, so Rangnick, laufe noch nicht alles perfekt - etwa bei den Gegentreffern durch Christian Schulz (48.) und Jiri Stajner (63.): "Das Verhalten beim 1:1 und 1:2 hat mir nicht gefallen."

Nur der Klassenerhalt zählt

Dennoch sieht der 1899-Coach seine Mannschaft auf einem guten Weg.

"Wir haben uns weiterentwickelt, wenn man das 96-Spiel vergleicht mit dem 4:5 in Bremen. Dieses Mal haben wir es nicht so weit kommen lassen", erklärte Rangnick und übte sich in Tiefstapelei:

"Wenn wir so weiterspielen, dann haben wir gute Chancen, am Ende der Saison nicht auf Platz 16 zu stehen. Das ist alles, was zählt."

"Kaiser" zieht Vergleich mit Lautern

Die Konkurrenz beobachtet die Hoffenheimer mit Argusaugen, jedoch nicht aus Ablehung, sondern vielmehr aus Respekt.

"Sie haben sich die Achtung verschafft. Ich nehme sie ernst - und zwar sehr", erklärte FC-Bayern-Präsident Franz Beckenbauer und fügte hinzu: "Lautern hat 1998 auch einen Durchmarsch geschafft."

Damals wurden die "Roten Teufel" unter Trainer Otto Rehhagel als erster Aufsteiger gleich Deutscher Meister.

Spitzenwerte in der Liga

Und die Rangnick-Elf hat bereits Werte eines Titelträgers. Ibisevic (9) und Demba Ba (5 Tore) sind das torgefährlichste Sturmduo der Liga. Zudem ist Ibisevic mit vier Vorlagen Topscorer der Liga (13 Punkte) vor Patrick Helmes von Bayer Leverkusen (8/1).

Vierzehn Treffer erzielte Hoffenheim auf gegnerischen Plätzen, so viele wie keine andere Mannschaft.

Und 21 Tore insgesamt werden im Oberhaus nur von Werder Bremen (22) übertroffen, fünf Siege haben aktuell nur Spitzenreiter Hamburger SV und Leverkusen.

Mehr Torchancen als Hoffenheim (64) hat sich nur Leverkusen (69) erarbeitet, die Chancenverwertung (32,8 Prozent) ist die drittbeste hinter Bremen (35,5) und Borussia Dortmund (33,3).

Jede dritte Spiel ohne Punkt

Erst zweimal gab es für Rangnicks Mannschaft keine Punkte: am 3. Spieltag (2:5 bei Bayer Leverkusen) und 6. Spieltag (4:5 in Bremen).

Am Sonntag kommt Tabellenführer HSV zum "Gipfeltreffen" ins Mannheimer Carl-Benz-Stadion, wo 1899 bis zur Fertigstellung der eigenen Arena seine Heimspiele austrägt..

Hopps Angst vor Schwächephasen

Ungeachtet des Lobes und des zweiten Tabellenplatzes bleibt Mäzen Dietmar Hopp weiter auf dem Boden der Tatsachen und hat noch keine Meisterprämie ausgelobt.

"Wir bleiben auf dem Teppich", sagte der Hoffenheimer Milliardär: "Wir reden nicht von einem internationalen Wettbewerb, unsere jüngeren Spieler werden auch schwächere Phasen haben."

Sein Credo: "Es wäre ein Traum, wenn wir nichts mit dem Abstieg zu tun hätten."

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