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Jörg Berger stand 2009 bei Arminia Bielefeld zum letzten Mal als Trainer auf dem Platz © getty

Trauer um Jörg Berger. Der ehemalige Bundesligatrainer hat seinen langwierigen Kampf gegen den Krebs verloren.

Köln - Er war der "Feuerwehrmann", der Retter, der Mann für schier ausweglose Situationen - seinen letzten Kampf vermochte er aber nicht zu gewinnen:

Jörg Berger ist tot. Nach schwerer Krankheit starb der frühere Bundesliga-Trainer am Mittwoch im Alter von 65 Jahren im Kreise seiner Familie.

Berger litt seit langer Zeit an Darmkrebs. Über Jahre hinweg hatte er gegen die Krankheit gekämpft, sich mehreren Operationen und Chemotherapien unterzogen und die Hoffnung nie aufgegeben.

"Er hätte auch die Titanic gerettet"

Das Wort "aufgeben" existierte ohnehin nicht im Vokabular Bergers, mit dieser Einstellung hatte er sich einst als Trainer einen Namen gemacht.

Wenn die Ausgangslage verfahren und die Aussicht auf Erfolg gleich Null war, dann musste Berger übernehmen.

"Er hätte auch die Titanic gerettet", stellte einst der Frankfurter Bundesligaspieler Jan-Aage Fjörtoft fest, nachdem Berger die Hessen 1999 im spannendsten Abstiegskampf der Bundesliga-Geschichte auf wundersame Weise zum Klassenerhalt geführt hatte. (Kämpferherz: Fjörtoft rettet die Eintracht-Titanic)

Er glaubte an das Unmögliche

"Es war immer meine Stärke, an das Unmögliche zu glauben und andere ebenfalls davon zu überzeugen", sagte einst der frühere DDR-Oberligaspieler, der seine Frau Chris und drei Kinder hinterlässt.

"Der deutsche Fußball verliert in Jörg Berger einen großartigen Menschen und Fußballlehrer, der sein großes Können bei vielen Vereinen in Deutschland und dem Ausland unter Beweis gestellt hat. Jörg Berger war eine starke Persönlichkeit, die dem deutschen Fußball fehlen wird", meinte DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Ligapräsident Reinhard Rauball erklärte: "Jörg Berger verkörperte mehr als jeder andere den Typen des 'Retters' und wurde deshalb bis zuletzt von vielen Vereinen verpflichtet."

Vom Klassenerhalt bis in den Europacup

21 Stationen als Trainer stehen bei Berger in der Vita. Meist war er erfolgreich: Frankfurt, den 1. FC Köln, Schalke 04 und Alemannia Aachen führte er nach dem Klassenerhalt in den Europacup.

"Jörg Berger war ein unglaublich toller Motivator, der seine Spieler immer mit sehr viel Menschlichkeit behandelt hat und sich gut in sie hineinversetzten konnte", sagte Frankfurts Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel.

Seine letzte Station war im Mai 2009 Arminia Bielefeld, als er den Klub am letzten Spieltag übernahm, den Abstieg aber nicht mehr abwenden konnte.

Erste Operation 2002

Zu diesem Zeitpunkt hatte Berger die heimtückische Krankheit schon seit Jahren im Körper. Im Jahr 2002 hatte er sich erstmals einer Operation unterzogen, in der ihm 30 Zentimeter vom Darm entfernt wurden. Eine weitere OP folgte 2005. Drei Jahre später begann er erneut eine Chemotherapie.

Zwischenzeitlich schien er den Kampf gewonnen zu haben, doch immer wieder kam es zu Rückschlägen. Zuletzt arbeitete Berger als Experte für den TV-Sender "Sky" und war an mehreren Projekten beteiligt.

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte Berger Anfang Mai. Als Coach führte er die deutsche Autoren-Nationalmannschaft in Dortmund zum EM-Titel gegen die Türkei (5:4). Auf dem Siegerfoto jubelte Berger damals noch ausgelassen mit.

Berger flüchtete aus der DDR

1979 war Berger nach einem Spiel der DDR-Nachwuchsauswahl über Belgrad mit einem falschen Ausweis auf den Namen Gerd Prenzel in den Westen geflüchtet. Seine Frau und seinen Sohn hatte er damals zurückgelassen. Die "schwerste Entscheidung seines Lebens" sei es gewesen.

Erst im Nachhinein habe er feststellen müssen, wie stark doch die Stasi war. Wie es heißt, soll er 1980 sogar einen Giftanschlag überlebt haben.

Dieser Lebensabschnitt war auch wichtigster Bestandteil seiner Biografie "Meine zwei Halbzeiten: Ein Leben in Ost und West", die er 2009 herausgebracht hatte.

Seine ersten Jahre im Westen seien schwierig gewesen. "Im Westen hat niemand auf mich gewartet", sagte der Übungsleiter einst.

Darmstadt als erste Station im Westen

Das änderte sich schnell. 1979 übernahm er den Zweitligisten SV Darmstadt 98, seine erste Station in der Bundesrepublik.

Über den SSV Ulm schaffte er es dann in der Saison 1981/82 in die Bundesliga. Titel holte er keine.

Mit Alemannia Aachen stand er im DFB-Pokalfinale (2004), mit Eintracht Frankfurt (1990) und Schalke 04 (1996) wurde er zweimal Bundesliga-Dritter.

Aber Berger war ja nicht für Meisterschaft und Pokalsiege zuständig, er war schließlich der "Feuerwehrmann".

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