vergrößernverkleinern
Kevin Kuranyi schoss für Stuttgart 40 Tore in 99 Bundesliga-Spielen © getty

Der VfB versucht offenbar, den Stürmer als Gomez-Nachfolger zurück an den Neckar zu holen. Für einen Wechsel gäbe es gute Gründe.

Von Martin Hoffmann

München - Fan-Anfeindungen, Nationalmannschafts-Rauswurf, Berater-Zoff: Über Kevin Kuranyi ist einiges hereingebrochen in den vergangenen Wochen.

In solchen Situationen wächst oft der Wunsch nach einem Neuanfang - und es gibt Anzeichen, dass der Schalker Stürmer zur kommenden Saison einen solchen Neuanfang in vertrauter Umgebung machen will.

Der VfB Stuttgart, bei dem Kuranyi einst seinen Durchbruch geschafft hat, versucht offenbar seinen verlorenen Sohn zurück an den Neckar zu holen.

Eine erste Unterhaltung zwischen Vertretern beider Seiten soll es bereits gegeben haben - noch vor Kuranyis Nationalmannschafts-Flucht.

Berater bestätigt Gespräch mit VfB

Am 16. September traf sich VfB-Sportchef Jochen Schneider mit Kuranyis Berater Karlheinz Förster. "Ja dieses Gespräch gab es", bestätigt Förster der "Sport Bild".

Gegenüber Sport1.de dementiert Schneider allerdings, dass es dabei um Kuranyi ging: "Karlheinz Förster ist öfter bei uns. Es gab Gespräche über einige unserer Jugendspieler, die seine Firma berät, aber es ging definitiv nicht um Kevin Kuranyi."

Schneider weiter: "Kevin Kuranyi hat bei Schalke Vertrag bis 2010, deswegen ist das für uns kein Thema."

Was man bei dieser Aussage allerdings bedenken muss: Stuttgart darf laut FIFA-Statuten bis sechs Monate vor Vertragsablauf nicht mit Kuranyi verhandeln.

Mit einer offiziellen Bestätigung würde sich der VfB also Sanktionen des Weltverbands einhandeln.

"Immer interessant"

Die "Stuttgarter Nachrichten" berichten aber, dass auch VfB-Manager Horst Heldt das Gespräch mit Kuranyis Umfeld gesucht hätte, um dessen Interesse an einem Wechsel auszuloten.

"Ich hatte weder mit ihm noch mit Schalke Kontakt", hat Heldt darauf erklärt - was bei genauer Betrachtung aber auch niemand behauptet hat.

Prinzipielles Interesse an Kuranyi hat Heldt in der "Sport Bild" zuvor jedoch bestätigt: "Ich kenne Kevin Kuranyi noch aus meiner aktiven Zeit und schätze ihn sehr. Deutsche Klasse-Spieler sind für den VfB immer interessant. Wir werden sehen."

Gomez womöglich im Sommer weg

Heldts Klub steht zur kommenden Saison womöglich vor dem Problem, einen deutschen Klasse-Spieler zu verlieren.

Mario Gomez darf 2009 für eine festgeschriebene Ablösesumme von 35 Millionen Euro den Verein verlassen - so viel wie Manchester City schon in diesem Sommer für ihn geboten hat.

Gomez, der noch bis 2012 Vertrag hat, hat in der "Stuttgarter Zeitung" die Frage nach Wechselabsichten zwar mit "nein" beantwortet.

Allerdings hält Heldt es für "nicht absehbar", wie sich die Gomez-Situation im Sommer entwickelt - und da kommt Kuranyi ins Spiel.

25 Millionen sind gefordert

Kuranyi hat ebenfalls eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2010 laufenden Vertrag: Für eine Ablöse von 25 Millionen Euro kann er schon ein Jahr vorher weg.

Ein großer Batzen, aber nach einem Gomez-Verkauf hätte Stuttgart das Geld - und noch etwas übrig, um Kuranyis gestiegene Gehaltsansprüche zu bedienen.

Außerdem muss die 25-Millionen-Forderung nicht das letzte Wort sein, wenn man bedenkt, dass Kuranyi ein Jahr später umsonst zu haben sein wird.

"Ich habe das Gefühl, dass der VfB darüber nachdenkt. Unter dem Motto: Wenn Gomez geht, ist Kuranyi für uns immer ein Thema", meint Förster.

"Nur gute Erinnerungen an Stuttgart"

Schalke will Kuranyi aber möglichst nicht abgeben. "Wir planen voll mit ihm. Es ist ganz klar, dass er auch in Zukunft für uns eine große Rolle spielt", erklärt Manager Andreas Müller.

"Ich lege großen Wert darauf, dass Kevin bei uns bleibt. Ich würde eine Entscheidung gegen Schalke bedauern", erklärt Präsident Josef Schnusenberg, der aber anfügt: "Es ist grundsätzlich alles möglich."

Kuranyi selbst hält sich auf ein potenzielles VfB-Comeback angesprochen im Unbestimmten: "Ich habe nur gute Erinnerungen an Stuttgart, aber ich habe auch einen Vertrag bei Schalke. Hier habe ich noch viele Ziele, die ich erreichen will."

Was für einen Wechsel Kuranyis nach Stuttgart spricht: Er hat noch Familie und viele Freunde dort - für einen Gemütsmenschen wie ihn ein wichtiger Faktor.

VfB-Fans nahmen Wechsel übel

Allerdings müsste Kuranyi eines bedenken: Die VfB-Fans haben ihm seinen Wechsel nach Gelsenkirchen im Jahr 2005 übelgenommen. Bei den Schalker Gastspielen in Stuttgart wird Kuranyi regelmäßig ausgepfiffen.

Das kennt Kuranyi inzwischen aber auch zur Genüge - selbst vom eigenen Anhang.

Zuletzt aber hat sich beim S04-Anhang die Stimmung gedreht und es gab eine Solidarisierungswelle mit Kuranyi.

Fraglich, ob die anhält, wenn Kuranyi allzu offensiv mit seinem Ex-Klub flirtet.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel