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Das deutsche Team dient als Aushängeschild der Bundesliga © getty

Die WM-Erfolge der DFB-Elf sind direkte Folge der Arbeit in den heimischen Klubs. Die anderen europäischen Ligen bauen dagegen ab.

Von Matthias Becker und Daniel Michel

München - Das WM-Fieber geht seinem absoluten Höhepunkt entgegen, dem großen Finale am Sonntag.

Der absolute Gewinner der WM steht aber jetzt schon fest: die Bundesliga.

Von 54 Akteuren, die die vier Halbfinalisten Deutschland, Spanien, Uruguay und Niederlande im Viertelfinale eingesetzt haben, verdienen die meisten Profis - nämlich 16 - ihr Geld in der Bundesliga.

Danach folgt die spanische Primera Division mit 13 Spielern. Jeweils sechs Profis stehen bei einem Verein in Holland oder England unter Vertrag.

In Italiens Serie A, die kurz davor steht, den vierten Champions-League-Startplatz an Deutschland zu verlieren, spielen gerade mal vier Profis.

Seifert fordert mehr Selbstbewusstsein

"Auf diese Entwicklung können die Klubs stolz sein", kommentiert DFL-Chef Christian Seifert diese Zahlen, meckerte in der "Sport Bild" aber auch:

"Der Erfolg unserer Nationalmannschaft ist in erster Linie ein Erfolg der Bundesliga. Das sind alles gestandene Bundesliga-Spieler, die für einige Wochen das Nationaltrikot tragen."

Die begeisternden Auftritte der Löw-Elf sind in der Tat ein direkter Qualitätsbeweis der Liga.

Im Achtelfinale gegen England standen elf Bundesligaspieler elf Premier-League-Spielern gegenüber. Der Ausgang war für die Vertreter der angeblich stärksten Liga der Welt verheerend.

Gegen Argentinien hatte es das DFB-Team dann (unter anderem) mit Lionel Messi (FC Barcelona, Primera Division) und Carlos Tevez (Manchester City, Premier League) wieder mit Weltstars zu tun - wieder setzten sich die Bundesligaprofis klar durch.

Bundesliga gegen Primera Division

Das Halbfinale gegen Spanien bedeutete den ultimativen Test.

Denn während die Engländer in den finanziell hochgerüsteten Klubs der heimischen Liga oftmals nur Nebenrollen spielen, traf das deutsche Team auf mindestens zehn Stammkräfte (nur Fernando Torres vom FC Liverpool verdient sein Geld noch im Ausland) aus der Primera Division.

Deutschland verlor zwar mit 0:1, doch der insgesamt sehr gute Turniereindruck bleibt bestehen.

"Durch die starken Leistungen der deutschen Mannschaft in Südafrika wird die Bundesliga noch attraktiver", stellt Schalke-Trainer Felix Magath fest.

Liga-Chef Seifert ist sich sicher: "Ich sehe eine gute Chance, dass wir den einen oder anderen WM-Star in der Bundesliga sehen."

So kommt es nicht von ungefähr, dass nach Arjen Robben und Ruud van Nistelroy auch Real-Ikone Raul über einen Wechsel nach Deutschland nachdenkt.

Nachwuchskonzept zahlt sich aus

Dabei hat die Liga schon längst ihre eigenen Stars hervorgebracht. Erzielt Miroslav Klose noch zwei Treffer, wäre er WM-Rekordtorschütze.

Der gesperrte Bayern-Kollege Thomas Müller ist mit sieben Punkten Führender der Scorer-Liste.

Er steht stellvertretend für die gute Jugendarbeit in Deutschland. Neben ihm sind auch Sami Khedira vom VfB Stuttgart und der Bremer Mesut Özil, der auf Schalke in der Jugend spielte, Entdeckungen der WM.

Bayern-Eigengewächse wie Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm haben sich schon länger auf höchstem Niveau etabliert.

Die aktuellen DFB-Nationalspieler sind die ersten reifen Früchte, die aus dem veränderten Jugendkonzept nach den Pleiten bei WM 1998 und EM 2000 hervorgegangen sind.

"Die Vereine haben seit 2002 mehr als eine halbe Milliarde Euro in die Nachwuchsförderung investiert", rechnet Liga-Präsident Reinhard Rauball der "Sport Bild" vor:

"In der einen oder anderen Darstellung kommt dieser Teil der Erfolgsgeschichte zu kurz."

Für ausländische Stars immer interessanter

Auch wenn Jerome Boateng nun zu Manchester City wechselt und Großklubs wie Real Madrid (Bastian Schweinsteiger), der FC Chelsea (Sami Khedira) und der FC Barcelona (Mesut Özil) Interesse an den deutschen Stars haben, stellt sich die Frage:

Lohnt es sich überhaupt noch ins Ausland zu gehen? 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Wirtschaftsexperten sehen die Bundesliga im Aufwind, könnten sich eher einen umgekehrten Effekt vorstellen.

Die Bundesliga werde auch für ausländische Profis immer attraktiver, glaubt Hartmut Zastrow, Vorstand des Kölner Unternehmens "Sport + Markt"

"Vorher hieß es doch: Die Deutschen zahlen pünktlich, spielen aber einen lausigen Fußball. Jetzt heißt es: Deutschland ist WM-Favorit, Deutschland hat unglaubliche Anziehungskraft für die ausländischen Profis", betont der Experte.

Die Infrastruktur als Vorteil

Die Stadien sind voll, die Stimmung ist meist gut und ein weiterer Pluspunkt ist das seriöse Wirtschaften der Bundesliga-Klubs.

Dafür wurde Deutschland im Ausland oft belächelt, doch nun darf die Liga wohl die verdiente Ernte einfahren.

"Die Bundesliga hat schon lange ihren Reiz, auch wenn sie vielleicht nicht so viel zahlt wie andere Ligen. Dafür hat sie eine sehr gute Infrastruktur", bekräftigt Magath.

Ausländische Top-Klubs wie Manchester United oder den FC Barcelona plagen dagegen Schulden von mehreren hundert Millionen Euro.

"Wo sollen die denn noch hin?"

"Die Spanier können ihre Spieler nicht mehr bezahlen, geschweige denn einen Thomas Müller herauskaufen", sagt Experte Zastrow.

Und Bayern-Präsident Uli Hoeneß fragt angesichts des kolportierten Interesses der Branchenriesen an seinen Stars:

"Wo sollen die denn eigentlich noch hin? Wer beim FC Bayern spielt, hat keine anderen Ziele mehr."

Die Bundesliga ist auf jeden Fall bei dieser WM ein Stück weit vorangekommen auf dem Weg an die Spitze.

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