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Mike Hanke spielte in dieser Saison nur zwei Mal von Beginn an © getty

In puncto Klagen sind die 96-er derzeit groß, jedoch haben Stürmer Mike Hanke und Präsident Martin Kind unterschiedliche Beweggründe.

Hannover - Dicke Luft bei Hannover 96: Mike Hanke hat sich öffentlich über seine mangelnden Einsatzzeiten in dieser Saison beschwert.

"Ich habe einen Hals. Ein 4,5-Millionen-Mann auf der Bank - sieben Spiele", polterte der Stürmer in der "Neuen Presse".

Dabei ist der 24-Jährige offenbar bereits blind vor Wut, denn die angesprochene siebte Partie steht erst am Sonntag gegen Werder Bremen an. Hoffnungen auf einen Einsatz gegen die Hanseaten hegt er aber scheinbar nicht mehr: "Ich kann doch Gas geben wie ich will."

Tadel von Hochstätter

Dem Aufstand des Toptorjägers der Vorsaison (10 Treffer) kann Christian Hochstätter nur bedingt etwas abgewinnen.

"Ärger ist gut. Schließlich hat Hanke höhere Ansprüche, die er auch schon erfüllt hat", erklärte der 96-Sportdirektor in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", schränkt aber ein: "Wenn er jetzt unzufrieden ist, dann will ich das allerdings nicht in der Zeitung lesen, sondern auf dem Trainingsplatz sehen."

Klage gegen DFL

Während Hanke nur eine interne Strafe zu befürchten hat, fährt der Hannover gegenüber der Deutschen Fußball-Liga schwere Geschütze auf.

Im Streit um die 50+1-Regelung droht der Bundesligist der DFL mit einer Klage. Eine vom Klub seit Jahren gewünschte Änderung dieser Regel hatte der Verband am vergangenen Donnerstag abgelehnt.

"Sollte diese Entscheidung durch den Ligaverband bestätigt werden, wird Hannover 96 ohne Zeitverlust eine gerichtliche Klärung der bestehenden 50+1-Regelung und der damit verbundenen, ansonsten nicht bekannten Beschränkungen der Wirtschaftsordnung vornehmen lassen", kündigte der wirtschaftliche Träger des Bundesligisten, die Hannover 96 GmbH und Co. KGaA, in einer Pressemitteilung an.

Keine Grundsätze aufgeben

Liga-Präsident Dr. Reinhard Rauball erklärte dazu:

"Die Entscheidung des Ligavorstands erfolgte nach eingehender Analyse der rechtlichen Situation und nach gründlicher Abwägung aller Argumente. Zum einen kann die Klage-Drohung eines einzelnen Klubs nicht dazu führen, dass die Liga von sich aus lange bestehende Grundsätze aufgibt. Zum anderen sollten eben keine Ausnahmen für einzelne geschaffen werden, auf die sich dann Dritte berufen könnten."

Regel aus Statuten streichen

96-Präsident Martin Kind hat seit Herbst 2006 in Gesprächen und angeblich umfangreicher Korrespondenz mit der DFL versucht, die Regel aus den Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu streichen.

Nach dieser muss ein Verein mehrheitlich an der lizenzierten Kapitalgesellschaft beteiligt sein und über 50 Prozent der Stimmanteile zuzüglich mindestens eines Stimmanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügen.

"Diese Bemühungen müssen jetzt als gescheitert betrachtet werden", heißt es in der Mitteilung der Niedersachsen. Laut Hannover 96 habe die DFL zuvor jedoch signalisiert, "dass eine zufriedenstellende, alle berechtigte Interessen berücksichtigende Lösung im Konsens angestrebt wird".

Keine inhaltlichen Zugeständnisse

Rauball betreitet diese Sichtweise jedoch: "Vom Ligaverband ist immer eine objektive Prüfung des Sachverhalts zugesichert worden, aber er hat keine inhaltlichen Zugeständnisse signalisiert."

Kind möchte den Etat des Bundesligisten in den kommenden drei Jahren durch den Einstieg regionaler Investoren auf 70 Millionen erhöhen.

"Hannover 96 hält uneingeschränkt daran fest, dass die 50+1-Regelung eine rechtswidrige Einschränkung der handlungsrechtlichen Gestaltungsrechte von Hannover 96 darstellt", lautet die unveränderte Ansicht der Niedersachsen.

Thema auf der nächsten Mitgliederversammling

Die DFL möchte das Thema auf der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung behandeln. "Dort werden wir die Position des Ligavorstands erklären und das Thema 50+1 zur Diskussion stellen", teilte Rauball mit.

"Im Übrigen wird Hannover 96 gebeten, einen entsprechenden Antrag einzubringen und zur Abstimmung zu stellen."

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