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Bernd Hoffmann ist seit 2003 Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV © getty

Der Rummel um Investor Kühne sorgt für Störfeuer. Zumindest das Torhüterduell zwischen Rost und Drobny läuft harmlos ab - noch.

Von Mathias Frohnapfel

München/Hamburg - Nordische Gelassenheit sieht anders aus.

Auch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Hamburger SV am Dienstagabend zeigte sich einmal mehr, dass es im Inneren des Traditionsklubs mächtig brodelt.

Neuester Auslöser des Unmuts unter den Mitgliedern: Der Millionen-Deal des HSV mit dem Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Über diesen informierte die Vereinsführung die Mitglieder - und erntete heftige Kritik.

Ein "Zeugnis der Arroganz unserer beider Führungsgremien" sei der Ablauf des Deals mit Kühne gewesen, polterte Claus Runge, Vorsitzender des Ältesten- und Ehrenrats.

Fast schon obligatorisch waren die "Becker raus"-Rufe gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Becker.

"Ein Sechser mit Zusatzzahl"

Und das, obwohl das Investorenmodell unter dem Titel "Anstoß hoch drei" auf den ersten Blick positiv für den HSV ist.

Kühne zahlt dem Klub insgesamt 15 Millionen Euro, die in die Verpflichtung von Top-Spielern fließen sollen.

Im Gegenzug erhält er ein Drittel der Transferrechte an den Spielern Marcell Jansen, Dennis Aogo und Paolo Guerrero.

Zudem wäre Kühne an einem Weiterverkauf möglicher neuer Stars ebenfalls zu einem Drittel beteiligt.

"Dieser Vertrag mit Klaus-Michael Kühne ist ein Sechser mit Zusatzzahl", jubilierte denn auch HSV-Boss Bernd Hoffmann vor den Mitgliedern.

Investor Kühne umstritten

Einige der HSV-Fans fürchten dagegen einen schleichenden Ausverkauf des Klubs. Vor allem die Tatsache, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein, bringt die Mitglieder in Rage.

"Das Projekt gehört zum operativen Geschäft. Eine frühzeitige Debatte hätte möglicherweise dazu geführt, dass das Thema zerredet worden wäre", verteidigte Hoffmann das Vorgehen.

Kühne selbst zeigt im Interview mit dem "Abendblatt" aber Verständnis.

"Ich verstehe, dass unser Projekt von vielen Fans zunächst einmal kritisch beäugt wird. Aber ich bin überzeugt von diesem Modell", sagte er.

Spitze gegen Reinhardt

Mitbestimmen will der Investor beim HSV nach eigener Aussage ohnehin nicht. "Ich habe weder Zeit noch Lust dazu, einen Fußballverein mitzuregieren. Niemand braucht sich zu sorgen, dass ich mitreden will."

Meinung macht Kühne allerdings jetzt schon, so ließ er verlautbaren: "Über Bastian Reinhardt kann ich nicht viel sagen, weil ich ihn nicht kenne. Aber der wahre Sportdirektor beim HSV ist Urs Siegenthaler."

Eine schallende Ohrfeige für den neuen Sportvorstand und damit den Vorsitzenden Hoffmann, der Reinhardt nach quälend langer Suche ja selbst installierte.

Kampf um die Nummer eins

Hoffmann steht ohnehin seit Wochen in der Kritik.

Zudem scheint der Königstransfer von Ibrahim Afellay (PSV Eindhoven) alles andere als sicher, hinzu kommt der Kampf der Torhüter um die Rolle der Nummer eins. (209112DIASHOW: Bundesliga-Wechselbörse)

Dabei läuft der Wettbewerb zwischen Frank Rost und Jaroslav Drobny bisher eher zahm ab. Rost hat sich mit Spitzen gegen den Ex-Berliner zurückgehalten, der ihn zur neuen Saison aus dem Kasten der "Rothosen" verdrängen will.

"Er hinterlässt einen sehr guten Eindruck", sagt Trainer Armin Veh im "kicker" über den bisherigen Stammkeeper Rost. Und er fügt hinzu: "Rost verhält sich äußerst professionell, spielen wird am Ende der Bessere."

Rost will Vertrag erfüllen

Dennoch ist nicht auszuschließen, dass der 37-Jährige eines Tages explodiert, zumal dem um sieben Jahre jüngeren Herausforderer gute Chancen im Duell um die Nummer eins zugesagt werden.

Drobny lobt derweil die "großen Ambitionen" des HSV, natürlich will er dabei selbst eine entscheidende Rolle spielen.

Auch wenn die beiden Kontrahenten das Duell nicht zusätzlich befeuern, bleibt abzuwarten, wie Rost reagiert, wenn Drobny seinen Platz einnehmen sollte.

Allerdings berichtet das "Abendblatt", dass Rost auch als Nummer zwei seinen Zwei-Millionen-Euro-Vertrag, der noch ein Jahr läuft, an der Elbe erfüllen wolle.

Hertha lehnt Kacar-Angebot ab

Statt interner Grabenkämpfe wäre es den Hamburgern ohnehin lieber, ihr Augenmerk auf den Transfermarkt zu legen.

Unter anderem sollen die Hanseaten unvermindert am Schalker Heiko Westermann dran sein, auch Gojko Kacar von Absteiger Hertha BSC Berlin ist ein heißer Kandidat.

Allerdings lehnte die Hertha laut "Bild"-Infrmationen ein 3,5-Millionen-Angebot des HSV ab.

Aogo will bleiben

Immerhin will Nationalspieler Dennis Aogo nach seinem Urlaub Anfang August seinen Vertrag beim HSV verlängern.

"Ich hoffe, dass ich mich mit dem Klub auf eine längerfristige Zusammenarbeit einigen kann", sagte der Linksverteidiger der "Hamburger Morgenpost".

"Ich habe mit dem HSV noch große Ziele."

Um die zu erreichen, wäre ein wenig Geschlossenheit aber nicht verkehrt.

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