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Kurz bevor er sich am Sprunggelenk verletzt: Philipp Lahm (l) gegen Florenz' Mario Santana © imago

Lahms Ausfall bringt Bayerns Defensive in Nöte - und vielleicht Lell wieder ins Spiel. Positives gibt's aber von Ze Roberto.

Von Mathias Frohnapfel und Christian Paschwitz

München - Der rechte Fuß steckt in Gips. Für Philipp Lahm bedeutet das eine längere Pause.

Und für den FC Bayern, dass er nach der Verletzung des Linksverteidigers am Sprunggelenk die Abwehr umbauen muss.

"Ich habe so keine Schmerzen, wir müssen abwarten, wie sich der Knochen erholt", sagte Lahm am Donnerstagmittag. Zuvor war ein Anbruch des rechten Mittelfußes diagnostiziert worden. Der Nationalspieler schätzte, "in vier Wochen" wieder spielen zu können.

Vor Saisonbeginn hätte es nach Lahms Malheur einen ganz logischen Ersatz gegeben: Marcell Jansen.

Der Linksverteidiger ist inzwischen jedoch an den Hamburger SV verkauft. Die beiden anderen gelernten FCB-Außenverteidiger, Massimo Oddo und Christian Lell, haben hingegen ihre Qualitäten auf der rechten Seite.

Eine Option: Lell auf links

Für Bayern-Coach Jürgen Klinsmann heißt es deshalb jetzt, die Optionen zu prüfen. Zum einen: Lell auf links und Oddo auf rechts zu stellen ? so wie nach Lahms Auswechslung im Champions-League-Spiel. "Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Wir wissen, dass er das spielen kann", lobte Klinsmann anschließend Lell im "fcb.tv".

Karl-Heinz Rummenigge sagte gegenüber Sport1.de: "Die vier Wochen, die Philipp Lahm fehlt, tun uns weh - ohne Frage. Er ist mit Abstand der beste linke Verteidiger der Liga und einer der besten Europas. Er hat bisher eine sehr tolle Saison gespielt."

Andererseits, so der FCB-Vorstandsvorsitzende: "Christian Lell ist auch ein gestandener Bundesliga-Spieler."

Rückkehr zur Dreierkette?

Die andere Möglichkeit für die Bayern-Defensive: Rückkehr zur Dreierkette mit Martin Demichelis, Lucio und Daniel van Buyten.

Oder Klinsmann funktioniert Ze Roberto zum Linksverteidiger um. Auch diese Überlegung gibt es.

Allerdings würde Bayern damit viel seiner Offensivkraft einbüßen. Klinsmann meinte: "Wir werden uns in den nächsten Tagen einige Gedanken dazu machen."

Systemfrage in der Abwehr

Für die Stabilität der Münchner Defensive dürfte die neuerliche Umstellung nicht förderlich sein.

Zudem unterliefen der Münchner Hintermannschaft beim 3:0-Sieg in der Champions League gegen Florenz einige Schnitzer. Mit ein wenig mehr Fortune und Cleverness hätten die Italiener daraus Kapital in Form mehrerer Gegentore schlagen können.

Franz Beckenbauer hat in der Vergangenheit öfter bemängelt, dass die Bayern zum einen nicht nahe genug am Mann seien und zum anderen überhaupt zu sorglos ihr Tagwerk verrichteten. Nach dem Heimerfolg sagte der "Kaiser": "Die Fehler in der Abwehr kann man nicht von heute auf morgen abstellen."

Beckenbauer krittelt

Der FCB-Präsident begründete seine Befürchtung als TV-Experte so: "Man hat hier vor ein paar Wochen fünf Tore gegen Bremen und drei gegen Bochum bekommen. Das ist eine deutliche Sprache. Da muss man den Hebel ansetzen."

Besonders Leihgabe Oddo, der in München einen guten Start erwischte, hatte gegen Florenz nicht seinen stärksten Tag.

Und Lucio agierte in Europas Luxusliga nicht immer so, wie es seinem Niveau entspricht.

Der Weltmeister bewertete die aktuelle Abwehr-Situation gegenüber Sport1.de so: "Letzte Saison haben wir super gespielt. Gegen Florenz und Karlsruhe war es jetzt schon wieder etwas besser. Ich hoffe, wir steigern uns weiter."

Bleibt Ze Roberto doch?

Was die Bayern positiv stimmt: Keeper Michael Rensing hielt gegen Florenz ordentlich, zeichnete sich sogar durch Glanztaten aus. Nur bei zwei Flanken zeigte der 24-Jährige kleine Unsicherheiten.

Und außerdem: Plötzlich rückt für Ze Roberto ein Abschied zum Saisonende offenbar wieder in den Hintergrund. "Ich will mich voll auf die Saison konzentrieren. Schauen wir mal, wie die Dinge sich hier entwickeln", sagte der 34-Jährige der "Bild".

Erfahrung als Rückkehrer

In der Vergangenheit hatte der Brasilianer stets zu verstehen gegeben, nach dem Auslaufen seines Vertrags 2009 wieder in die Heimat zurückzukehren - so wie 2006, als er für ein Jahr zum FC Santos ging. Um dann doch wieder nach München zurückzukehren.

Wozu der in den vergangenen Wochen glänzende Mittelfeld-Macher süffisant meint: "Als ich damals nach Brasilien zurückkehrte, hätte ich nie im Leben gedacht, ein Jahr später wieder in München zu sein und erneut für Bayern zu spielen."

Zweideutige Sätze, die man bei den Bayern wohlwollend zur Kenntnis nehmen dürfte.

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