vergrößernverkleinern
Seit Sommer 2009 ein Gespann mit Verant- wortung: Van Gaal (l.) und Rummenigge © imago

Der Bayern-Boss widerspricht Beckenbauer und glaubt an einen souveränen Saisonstart. Das Interesse an van der Wiel ist konkret.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Es huschte ein Lächeln über seine Lippen.

"Schweinehund - der Name ist gut", schmunzelte Karl-Heinz Rummenigge.

Der Bayern-Boss empfand am Mittwoch sofort Sympathie für das Maskottchen einer Fitnessfirma, die neuerdings zum Sponsorenkreis des Rekordmeisters gehört.

"Manche Tage beginnen einfach gut - und heute war so einer", fügte Rummenigge an.

Dass der 54-Jährige exzellent gelaunt war, lag vor allem daran, dass sein Verein im Dauerstreit mit dem Stadtrivalen 1860 München am Morgen vor Gericht Recht bekommen hat.

Aber auch in Bezug auf die bevorstehende Saison versprühte Rummenigge einen Tag vor dem zweiten Trainingsauftakt Frohsinn.

Dass der Start holprig verläuft, glaubt er im Gegensatz zu Trainer Louis van Gaal und Ehrenpräsident Franz Beckenbauer jedenfalls nicht.

"Ich bin optimistisch, dass wir gut aus den Startlöchern kommen", sagte er.

Vertrauen in van Gaal

"Natürlich wird es nicht einfach, aber ich überzeugt, dass unser Trainer das Team so formt, dass wir uns beim Saisonstart gegen den VfL Wolfsburg am 20. August erfolgreich präsentieren werden."

Van Gaal hatte es zuvor als "großes Problem" bezeichnet, dass elf Spieler des Klubs bis zum Wochenende bei der Weltmeisterschaft im Einsatz waren.

Die acht deutsche Akteure (Müller, Lahm, Schweinsteiger, Klose, Badstuber, Butt, Kroos, Gomez) und drei Niederländer (Robben, van Bommel, Braafheid) fahren nun erstmal in den Urlaub.

Eine geordnete Vorbereitung scheint daher unmöglich. Im Trainingslager am Gardasee vom 19. bis 24. Juli muss der Coach quasi mit der B-Mannschaft arbeiten.

[image id="e3142c39-65b9-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Beckenbauer hatte die Voraussetzungen für van Gaal als "schlechtestmöglich" bezeichnet und sich an den Sommer 1974 erinnert.

Damals war Deutschland mit dem Bayern-Block Beckenbauer, Sepp Maier, Georg Schwarzenbeck, Paul Breitner, Gerd Müller und Uli Hoeneß Weltmeister geworden.

Erinnerungen an 1974?

Zum Auftakt der neuen Saison kassierte München die höchste Auswärtsniederlage seiner Bundesliga-Geschichte - ein 0:6 bei Kickers Offenbach.

Es war gleichzeitig Rummenigges erstes Bundesliga-Spiel. "Ich bin mir sicher, dass es gegen Wolfsburg erfolgreicher wird", sagte er.

Ob bis zur Partie gegen die "Wölfe" auch Gregory van der Wiel als Neuzugang feststeht, bleibt abzuwarten.

"Ich kann noch nichts Seriöses sagen. Wir prüfen die Dinge und werden sie dann noch einmal mit dem Trainer besprechen", kommentierte Rummenigge die Wechselgerüchte um den holländischen Nationalspieler.

Immerhin das Interesse an dem Außenverteidiger bestätigte er: "Es ist keine Ente. Aber noch warten wir ab, wie sich die Preise entwickeln. Theoretisch haben wir ja bis zum 31. August Zeit."

Für den 22-Jährigen von Ajax Amsterdam wäre wohl eine Ablöse bis zu 20 Millionen Euro fällig.

Ansonsten wird sich der FCB in diesem Sommer eher defensiv auf dem Transfermarkt verhalten.

"Wir haben großes Vertrauen in den bestehenden Kader. Wir sind in allen Mannschaftsteilen sehr gut besetzt, das haben die Erfolge im vergangenen Jahr gezeigt", erklärte Rummenigge.

Gelassenheit eines Siegers

Mental sei das Team gefestigt. Auch die Gefahr des Überschwangs oder des Abhebens bei den WM-Fahrern bestehe nicht.

"Unser Trainer wird sie spätestens an deren ersten Trainingstag wieder runterholen", ist sich Rummenigge sicher.

Er sprach dabei auch ein wenig mit der Gelassenheit eines Siegers. Beim Thema 1860 wurde das dann ganz deutlich.

"Alles, was an Scharlatanerie von 1860 in den letzten Jahren betrieben wurde, hat ein Ende. Sie sind demaskiert worden", formulierte er mit Genugtuung, bemühte sich aber gleichzeitig um Sachlichkeit.

"Finanziell liegt 1860 nun am Boden. Ich bin niemand, der drauftritt", stellte er klar.

"1860 demaskiert"

Im Streit um das Catering in der von den Bayern gemieteten Allianz Arena hatte das Landgericht München I die Sechziger am Mittwoch dazu verurteilt, die ausstehenden Zahlungen für die Beköstigung "zuzüglich Zinsen und Prozesskosten vollständig zu bezahlen".

Kolportiert wurde in diesem Zusammenhang eine Summe von 14 Millionen Euro, die einen weiteren Nackenschlag für den arg gebeutelten Zweitligisten bedeuten würden.

Ob die "Löwen" nun weiterhin in der Allianz Arena spielen dürfen oder nicht, ist ebenfalls unklar.

"Bislang gab es keine Gespräche, aber wenn der Verein auf uns zukommt und uns einen passenden Lösungsvorschlag unterbreitet, stehen wir dem nicht entgegen", sagte Rummenigge.

Der "Schweinehund" hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon verabschiedet.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel