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Tönnies (r.) holte Magath im vergangenen Sommer aus Wolfsburg zu Schalke © getty

Der Schalker "Transfergipfel" endet damit, dass der Trainer mehr Geld erhält. Tönnies gibt die Champions League als Ziel aus.

Von Christian Stüwe

München - Wochenlang hatte sich Felix Magath über die Zurückhaltung der Schalker auf dem Transfermarkt beschwert, nun hat er offenbar seinen Willen bekommen.

Noch am Mittwochmorgen hatte der Schalker Trainer in der "Sport-Bild" bemängelt, dass seine Mannschaft "so nicht in der Bundesliga-Spitze mithalten" könne.

Am Nachmittag fand dann ein "Transfergipfel" mit dem Aufsichtsratschef Clemens Tönnies statt, bei dem sich die beiden mächtigen Männer auf ein offensiveres Vorgehen einigten.

"Das war ein sehr konstruktives Gespräch, in dem wir uns einvernehmlich darauf geeinigt haben, dass wir das eingenommene Geld aus der vergangenen Saison in die Mannschaft investieren", sagte Tönnies gegenüber "RevierSport". (SERVICE: Sommerfahrplan Schalke)

Dass Geld, dass die Schalker in der Gruppenphase der Champions League einnehmen werden, soll nun auch in die Mannschaft gesteckt werden.

Tönnies wollte angesichts der Verbindlichkeiten des Klubs bisher nur zehn Millionen Euro zur Verfügung stellen, Magath hatte 30 Millionen gefordert. Im Vorfeld des "Transfergipfels" hatte Tönnies bereits bemerkt, dass man sich wohl irgendwo in der Mitte treffen werde.

Nach "Bild"-Informationen darf der Erfolgscoach nun sogar 25 Millionen Euro in neue Spieler investieren.

"Mit der Lösung können die Finanz-Abteilung und auch ich leben. Ich kann jetzt auf den Markt gehen und meine Vorstellungen umsetzen", sagte Magath.

Bayern-Jagd statt Konsolidierung

Und auch Tönnies zeigte sich im Anschluss an das Gespräch zufrieden: "Damit ist eine Basis gelegt, um den sportlichen Erfolg des FC Schalke 04 aus dem Vorjahr als erneutes Ziel für die kommende Spielzeit formulieren zu können."

Im Klartext heißt das, dass die "Knappen" wieder mindestens den zweiten Platz und die damit verbundene direkte Qualifikation zur Champions League anpeilen. Bayern-Jagd statt Konsolidierung lautet das Motto.

Magath dürfte mit dem Ergebnis zufrieden sein, denn nun scheinen Verpflichtungen von Spielern wie Real-Stürmer Raul, Wolfsburgs Spielermacher Zvjezdan Misimovic oder dem heiß umworbenen Niederländer Ibrahim Afellay im Bereich des Möglichen.

Kommt Bewegung in den Raul-Poker?

"Felix Magath und sein Team haben außergewöhnliche sportliche Erfolge erreicht, von denen wir vor einem Jahr noch nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Die Mittel, die wir durch das Erreichen der Champions League sowie die Zusatzeinnahmen durch TV-Gelder, den DFB-Pokal und höhere Sponsorenzuwendungen erzielen konnten, stecken wir in die Mannschaft", sagte Tönnies.

Magath betonte bereits seit Wochen die Verhandlungen mit Raul. Doch angesichts der zurückhaltenden Finanzpolitik seien "ihm die Hände" gebunden. Der spanische Starstürmer soll rund vier Millionen Euro Gehalt fordern.

Der Transfer konnte bisher nicht unter Dach und Fach gebracht werden, mit den nun sprudelnden Millionen sollte einer Einigung nichts mehr im Wege stehen.

Misimovic als Spielmacher eingeplant

Bisher wurden mit Spielern wie Christoph Metzelder oder Tim Hoogland in erster Linie ablösefreie Defensivkräfte verpflichtet, doch vor allem in der Offensive möchte Magath nachlegen.

Raul könnte der Ersatz für den zu Dynamo Moskau gewechselten Kevin Kuranyi werden, Misimovic die seit Jahren vakante Stelle des Mittelfeld-Regisseurs übernehmen.

Meckerei mit Erfolg

In den vergangenen Tagen hatte Magath immer wieder mehr Geld für neue Spieler gefordert und bemerkt, dass er sich wegen des aktuellen Kaders "Sorgen um die Zukunft von Schalke" mache.209112(Die Bundesliga-Wechselbörse)

Bei der "Bild" hatte Magath vor Kurzem gemeint: "Eigentlich brauche ich 60 Millionen."

Doch Tönnies blieb angesichts der rund 135 Millionen Euro Verbindlichkeiten des Traditionsklubs hart.

"Vielleicht muss Herr Tönnies seine Fleischerei verkaufen", hatte noch am Mittwochmorgen die Konkurrenz aus München in Person des Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge gewitzelt.

Doch nun werden die Karten neu gemischt. Denn Magaths Meckerei war letztlich erfolgreich.

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