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Jupp Heynckes (l.) mit SPORT1-Redakteur Mathias Frohnapfel © SPORT1

Bei SPORT1 warnt Jupp Heynckes davor, sich nur auf Neuzugang Ballack zu verlassen und spricht zudem über die Vorbereitung.

Von Mathias Frohnapfel

München/Leverkusen - Für Bayer 04 Leverkusen war es ein Kraftakt, aber jetzt ist alles sicher.

Am Mittwoch wurde Rückkehrer Michael Ballack der Öffentlichkeit als Bayer-Profi vorgestellt.

Und Ballack präsentierte sich angriffslustig, attackierte Philipp Lahm und kündigte an "Titel gewinnen" zu wollen.

Sportdirektor Rudi Völler freut sich schon auf die ersten Auftritte des neuen Stars. "Er will jetzt etwas beweisen", sagte Völler.

Trainer Jupp Heynckes freut sich vor allem, dass seine junge und hochtalentierte Truppe mit Ballack einen erfahrenen Führungsspieler in ihren Reihen haben wird.

Angesichts der Dreifach-Belastung mit Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League war solch ein Zugang aus seiner Sicht dringend nötig.

Im Interview mit SPORT1 spricht Heynckes über Ballacks Bedeutung für die "Werkself", die sportlichen Ziele für die kommende Saison und das Klub-Umfeld. (SERVICE: Sommerfahrplan Leverkusen)

SPORT1: Herr Heynckes, was bedeutet der Wechsel von Michael Ballack für Bayer 04 Leverkusen? 29125(DIASHOW: Ballacks Karriere)

Jupp Heynckes: Das ist ein ganz wichtiger Transfer. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, eine funktionierende Mannschaft, die attraktiven Fußball spielt und sich in ihrer Organisation stark verbessert hat. Von einem Top-Spieler, wie der Michael es ist, erhoffe ich mir eine bessere Balance zwischen jung und alt. Er soll seine Erfahrung und Führungsqualität einbringen

SPORT1: Sind Sie eigentlich ein bisschen stolz darauf, Ballack in Ihrem Team zu haben?

Heynckes: Stolz ist wohl der falsche Ausdruck. Aber die Mannschaft und der gesamte Klub können von diesem Transfer nur profitieren. Michael Ballack ist eine Spielerpersönlichkeit. Er ist im In- und Ausland zu einem Weltklasse-Spieler gereift. Eine dieser Etappen war ja in Leverkusen.

SPORT1: Was bedeutet sein Schritt nach Leverkusen zu kommen für ihn und das Umfeld?

Heynckes: Er ist wieder hier, um noch mal eine Herausforderung zu suchen - die Bundesliga, die auch nicht so einfach ist. Er hat Leverkusen gewählt, weil wir eine gut spielende Fußball-Mannschaft haben, die sehr harmonisch und attraktiv gespielt hat. Und er kennt im Klub alle Personen, die Verantwortung tragen.

SPORT1: Was erwarten Sie von Ballack?

Heynckes: Er ist ein hervorragender Fußballer und ein echter Teamplayer. Michael Ballack hat noch mindestens zwei sehr erfolgreiche Jahre vor sich. Ich bin sehr zuversichtlich, dass er ein ganz wichtiger Spieler in unserem System werden kann und ein wichtiges Mitglied in unserer Mannschaft sein wird.

SPORT1: Bei seiner Vorstellung hat Ballack sehr deutlich seinen Anspruch auf die Kapitänsrolle in der Nationalmannschaft untermauert. Stehen Sie bei diesem Thema auf seiner Seite?

Heynckes: Wie soll ich das bewerten? Wenn ein Spieler über 55 Mal die Kapitänsbinde getragen hat, ist so etwas doch völlig überflüssig. Die Debatte ist zu einer Unzeit entstanden. Das war sehr unglücklich und ungünstig für die Mannschaft. Letztlich entscheidet nur der Bundestrainer über das Kapitänsamt. Alles andere ist nur Gequatsche.

SPORT1: Glauben Sie, dass es schwierig für Ballack wird, in Leverkusen ins Team zu finden? Auf der Sechser-Position gibt es ja große Konkurrenz.

Heynckes: Michael muss auch erstmal gesund und fit werden und sich in eine funktionierende Mannschaft integrieren, unhabhängig davon, ob er ein Weltklassespieler ist oder nicht. Das ist bei anderen großen Klubs genauso.

SPORT1: Ist für Bayer mit Ballack und der guten Vorsaison ein Titel möglich?

Heynckes: Ich halte nichts davon, Prognosen abzugeben oder gewisse Ziele vorzugeben. Das machen wir intern und sind bisher auch gut damit gefahren. Die Mannschaft ist in diesem Jahr stark beschäftigt und wir müssen erstmal sehen, wie die junge Mannschaft die Doppelbelastung wegsteckt.

SPORT1: Sie haben sich für die Europa League qualifiziert, knapp die Champions League verpasst. Ballack wird sicherlich die Mannschaft voranbringen?

Heynckes: Die Mannschaft besteht nicht nur aus Michael Ballack. Es sind neben unseren andern Zugängen Vida, Balitsch, Sam, Jörgensen, Risse, Kampl und Petsos ja eigentlich noch drei Spieler neu hinzugekommen: Simon Rolfes, Renato Augusto und Patrick Helmes waren lange verletzt und können jetzt wieder das Team verstärken. Und man braucht sie auch, wenn man im Europacup spielt. Wenn alle fit sind haben wir eine noch bessere Mannschaft als im letzten Jahr und können sehr zuversichtlich in die Saison gehen können.

SPORT1: Wie geht es Rene Adler nach seiner Verletzung?

Heynckes: Ihm geht es gut. Er ist fit und hat keine Beschwerden mehr. Er macht spezifisches Torwarttraining und ist sehr gut drauf. Er wäre auch nach Südafrika geflogen im Falle des Finaleinzugs des DFB-Teams. Adler und Rolfes waren vom DFB eingeladen.

SPORT1: Welchen Einfluss hat es, dass die Nationalspieler nach der WM so spät zur Mannschaft stoßen?

Heynckes: Das ist für alle Trainer schwierig, ihre Nationalspieler wieder in den Trainingsbetrieb zu integrieren. Die Spieler brauchen daher Sondertraining, sonst geht es nicht. Und die Zeit bis zum Bundesliga-Start ist knapp. Ich habe aber einen etwas breiteren Kader in diesem Jahr, das ist gerade nach einer Weltmeisterschaft wichtig. Zumal wir noch den Europapokal vor uns haben.

SPORT1: Mit Liga, DFB-Pokal und Europa League kommen drei Wettbewerbe auf Sie zu - werden Sie in dieser Saison öfter mal rotieren? (DATENCENTER: Der Bundesliga-Spielplan)

Heynckes: Die Rotation wird sicher nicht ausbleiben. Aber zuvor brauchen wir wieder eine funktionierende Mannschaft. Wir müssen erst Automatismen einspielen, ein Gebilde haben, neue Spieler integrieren. Das ist ein Prozess, der dauert. Dann, wenn die Mannschaft funktioniert, kann ich mir vorstellen, zu rotieren.

SPORT1: Wie stehen Sie überhaupt zur Rotation?

Heynckes: Allein zu sagen, wir haben viele Spieler und müssen deshalb rotieren, reicht nicht. Bedenken muss man auch: Die Nationalspieler kommen erst später zurück und brauchen dann ihre Zeit, um in Bestform zu kommen. Ich will nur Spieler aufstellen, die im Vollbesitz ihrer Kräfte sind. Deswegen ist diese Saison für uns und alle Trainer mit Nationalspielern in ihren Klubs schwieriger als eine normale Saison ohne WM.

SPORT1: Was die Automatismen betrifft, ist es wohl von Vorteil, dass Simon Rolfes und Michael Ballack sich bereits aus der Nationalelf kennen. Könnte das Leverkusen nutzen? Ist das ihre Planung?

Heynckes: Man sollte nicht zu viel planen. Im vergangenen Jahr habe ich auch mit Rolfes, Augusto, Helmes geplant - dann waren sie oft verletzt. Das Planen ist schwierig. Es kann ein Vorteil sein. Aber ich habe keine feste Elf im Kopf. Meine Erfahrung sagt mir einfach, dass es immer wieder anders kommt.

SPORT1: Es ist ihre zweite Saison in Leverkusen. Wie viel Spaß macht Ihnen die Arbeit in dem nun bekannten Umfeld?

Heynckes: Natürlich ist es für mich leichter, weil ich jetzt alles kenne. Wir haben durch das umgebaute Stadion auch eine Top-Infrastruktur. Ich kenne die Spieler, die Mannschaft mich. Sie wissen, was ich von Ihnen verlange. Das erleichtert meine Arbeit. Auch das Trainerteam funktioniert und ist top.

SPORT1: Bayer hat nun eine Reihe von prominenten Namen auf und neben dem Rasen: Sie als Trainer, Rudi Völler als Sportdirektor und Michael Ballack als Mittelfeldspieler. Wie beeinflusst das aus Ihrer Sicht die Wahrnehmung des Vereins?

Heynckes: Für die Medien ist so eine Konstellation attraktiv. Das steht für erfolgreichen Fußball. Und Ballack hat immer Weltklasse verkörpert. Er wird auch entsprechend bewertet. Unser Image wird ein anderes. Man sagt jetzt: Sie spielen nicht nur Top-Fußball, sie haben auch Persönlichkeiten.

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