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Christian Gross beerbte Ende 2009 Markus Babbel als Trainer des VfB © imago

Horst Heldt, Jens Lehmann und wohl Sami Khedira: Der VfB verliert eine Reihe prägender Figuren. Der Klub will aber kein Risiko.

Von Martin Hoffmann

München - Den einen Brandherd hat der VfB Stuttgart sehr zügig gelöscht.

Am Donnerstagmorgen wurde die Nachricht verbreitet, dass Serdar Tasci sich laut seinem Berater einen Wechsel zum Hamburger SV "gut vorstellen" könne.

Noch am selben Abend aber konnte Stuttgarts Sportdirektor Jochen Schneider verkünden, dass in der Sache "alles geklärt" sei: "Serdar bleibt bei uns."

Ein Transfer-Theater um ein begehrtes junges Eigengewächs haben sich die Schwaben also vom Hals geschafft. Ein anderes aber bleibt ihnen erhalten 209112(Die Bundesliga-Wechselbörse).

Es brodelt weiter

Zwar waren die "Marca"-Meldungen über einen quasi fixen Wechsel zu Real Madrid offensichtlich verfrüht.

Aus den Dementis vom Verein und Khediras Berater gegenüber SPORT1 ist aber klar abzulesen, dass das Thema nur so lange vom Tisch ist, bis der Nationalspieler aus seinem Sommerurlaub kommt.

Es wird also noch einige Wochen vor sich hinbrodeln.

Neue Spieler nur bei Abgängen

Der VfB kennt die Situation: Schon im vergangenen Jahr war er in den sommerlichen Wechselbörsen immer wieder vorn dabei.

Der Unterschied: Damals hatten die Schwaben viel Geld aus dem Gomez-Transfer und den zu erwartenden Champions-League-Einnahmen zum Ausgeben.

Diesmal sind die Vorzeichen andere. "Es sieht im Moment so aus, dass wir nur neue Spieler kaufen können, wenn wir auch Transfererlöse erzielen", hat Trainer Christian Gross in der "Stuttgarter Zeitung" verdeutlicht.

Abgang offenbar spätestens 2011

Genau deshalb ist er in der Frage Khedira so zwiegespalten: Einerseits würde er sich wünschen, dass der Defensiv-Stratege "bei uns der zentrale Mann für die Zukunft" wird.

Andererseits dürfte auch er vernommen haben, was seit längerem von den Dächern gepfiffen wird:

Dass Khedira spätestens nach Ablauf seines bis 2011 datierten Vertrags zu einem größeren Klub gehen will - es heißt, dass er dann Mark van Bommel beim FC Bayern beerben könnte (SERVICE: Sommerfahrplan Stuttgart).

Stimmt das, ist jetzt die letzte Gelegenheit, den Nationalspieler gewinnbringend zu verkaufen - und sich damit neue Möglichkeiten auf dem Transfermarkt zu eröffnen.

Tauschobjekt Drenthe oder Granero?

Spekuliert wird schon über eine mögliche Erweiterung des Khedira-Deals um den Wechsel eines Real-Spielers an den Neckar.

Im Gespräch sind der auf Khediras Position heimische Esteban Granero und der Niederländer Royston Drenthe, ein offensiver Flügelspieler - die Position, wo Gross beim VfB den meisten Bedarf sieht.

Neuzugänge mit einem derartigen Aha-Faktor sind in diesem Jahr für Stuttgart aber nur für den Preis schmerzhafter Abgänge zu haben.

Das Geld, das im Vorjahr noch auf der hohen Kante lag, ist längst reinvestiert: in Vertragsverlängerungen und Prämien, in Renovierungsmaßnahmen und vor allem in das verunglückte Leihgeschäft mit Alex Hleb.

Risikobereitschaft scheint verschwunden

Der ist nun wieder weg. Und mit ihm auch die im letzten Jahr noch vorhandene Bereitschaft, bei Spielertransfers mehr Risiko zu wagen, um den Klub dauerhaft auf Champions-League-Niveau zu etablieren.

Stattdessen gehen die Zeichen wieder in Richtung des "Stuttgarter Wegs der Vernunft" bzw. "des kalkulierten Risikos", wie ihn Aufsichtsratschef Dieter Hundt ausgerufen hat.

Sportdirektor Horst Heldt, der für den mutigeren Kurs stand, ist nicht mehr da. Ebenso Jens Lehmann, der im Vorjahr noch öffentlichkeitswirksam für mehr Ausgabenfreude bei Verpflichtungen getrommelt hatte.

Viele Fragezeichen

Lehmanns Karriere-Ende bedeutet aber vor allem auch auf den Platz einen weiteren Umbruch.

Auf den routinierten Ex-Nationalkeeper folgt Sven Ulreich, ein junger Schlussmann, bei dem nicht abzuschätzen ist, ob er Rolle als Nummer eins gewachsen ist.

Es sind viele Fragezeichen bei einem Klub, der zwischen geplatzten Champions-League-Träumen und ungewissen Perspektiven auf der Suche nach sich selbst zu sein scheint. Da wundert es nicht, dass da noch niemand aus dem Klub mit einem konkreten Saisonziel vorgeprescht ist.

Auch Heldt hatte sich vor seinem Abgang nur einen guten Saisonstart und den "Einzug in die Gruppenphase der Europa League" gewünscht.

Angst vor der Grauzone

Zu was der VfB aber darüber hinaus in der Lage ist, darüber scheinen sich die Verantwortlichen selbst nicht ganz im klaren zu sein.

Sicher ist nur, wo Gross mit dem Klub letztlich hin will: "Grauzonen hasse ich. Ich will dort sein, wo sich etwas bewegen lässt. Ich möchte möglichst um Titel spielen", hatte er bei Amtsantritt erklärt.

Gross' Vertrag läuft 2011 aus. Im Winter will der VfB mit ihm über eine Verlängerung reden.

Es muss in seinem Interesse sein, dass die Mannschaft da in keiner Grauzone steckt.

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