Uli Hoeneß wird viel tun müssen, um die DFL-Klubs davon zu überzeugen, dass er ein besserer Liga-Boss wäre als Reinhard Rauball.

Dass Uli Hoeneß nun tatsächlich nach dem höchsten und wichtigsten Amt im deutschen Profifußball greift, zeugt vor allem von Tollkühnheit und Wagemut.

Weniger, weil der 58-Jährige als Verbands-Funktionär ja völlig unbedarft ist.

Ungeachtet seiner beispiellosen Arbeit als Bayern-Manager, als der er unter anderem 17 Meistertitel verbuchte, die einst überschuldeten Münchner als 27-Jähriger und jüngster Bundesliga-Manager zur unbestrittenen Nummer eins in Deutschland machte.

Viemehr beweist Hoeneß Courage, sich mit dem Ruf eines höchst streitbaren und polarisierenden Machtmenschen dem Votum der Liga-Vollversammlung zu stellen.

Dabei geht der FCB-Präsident das Risiko ein, mächtig auf die Nase zu fallen.

Denn unter den 36 stimmberechtigten Klubs der Ersten und Zweiten Liga hat Hoeneß auch zahlreiche Gegner.

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Die täten nichts lieber, als die "Abteilung Attacke" bei der Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Reinhard Rauball mit Pauken und Trompeten durchfallen zu lassen.

Zu sehr schließlich hatte Hoeneß in der Vergangenheit provoziert.

Es wäre verwunderlich, wären alle heftige Kontroversen mit Kollegen wirklich verziehen.

Hoeneß verhinderte einst Christoph Daum in der "Kokser-Affäre" als designierten Bundestrainer.

Er beschimpfte Medien wie eigene Anhänger ("Für die Scheiß-Stimmung, da seid ihr doch selbst für verantwortlich!").

Und Hoeneß machte die Bayern stets als Opfer schiedsrichterlicher Verschwörungen aus, propagierte wenig bescheiden allein immer nur die Interessen der Bayern.

Gerade dann, wenn die DFL, an deren Spitze Hoeneß nun gelangen will, um Solidarität bemüht war.

Nicht zuletzt die Gesamtvermarktung und die Verteilung der Fernsehgelder, die vor allem für die Zweite Liga überlebenswichtig sind, wurden gerade von Hoeneß stets kritisiert.

Der Anti-Diplomat, wenngleich schon etwas ruhiger geworden seit seinem Rücktritt als Bayern-Manager Ende 2009, wird sich um 180 Grad drehen müssen.

Nur dann kann er seine Kritiker überzeugen, dass ihm die gesamtheitliche Situation von Erster und Zweiter Liga am Herzen liegt - und dass er selbst trotz aller vergangener Scharmützel geläutert ist.

Es stellt sich daher die spannende Frage, wie er seinen Wahlkampf führt, um Vorbehalte gerade bei den kleineren Klubs auszuräumen.

Immerhin: Die großen Klubs mit ihren internationalen Interessen wird Hoeneß wohl leichter für sich gewinnen können.

Mit dem gemeinsamen Ziel, den finanziellen wie sportlichen Rückstand zu den Top-Ligen in England und Spanien wettzumachen.

Hoeneß zupass kommen mag auch, dass er neben aller Polemik und Angriffslust durchaus auch für soziales Engagement steht:

Dem einst privat-abgestürzten Bayern-Bomber Gerd Müller beispielsweise half Hoeneß ebenso wieder auf die Beine wie mit Benefizspielen dem vor der Pleite stehenden FC St. Pauli oder Hertha BSC.

Ob dies indes reicht, um DFL-Boss zu werden, ist fraglich.

Schließlich hat Widersacher Rauball - wenngleich weniger populär als Hoeneß und mitnichten für medienwirksame Paukenschläge gut - bisher glänzende Arbeit geleistet.

Dank Rauball boomt die Liga und hat den höchsten Zuschauerschnitt in ganz Europa. Rauball war es, der die Fernseh-Verträge trotz des Scheiterns des milliardenschweren "Kirch-Deals" absicherte.

Die Messlatte für Hoeneß hängt sehr hoch.

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