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Bayern-Präsident Uli Hoeneß tritt gegen Dortmunds Präsident Reinhard Rauball (r.) an © imago

Der Bayern-Präsident hat nach aktuellem Stand kaum Chancen, das Duell um die DFL-Spitze gegen Reinhard Rauball zu gewinnen.

Von Martin Volkmar

München - Uli Hoeneß hat es den Kritikern in seiner langen Karriere schon oft gezeigt.

Nun wirft sich der Bayern-Präsident wohl zum letzten Mal mit voller Wucht in einen Kampf, bei dem er nur Außenseiterchancen hat.

Denn nach aktuellem Stand hat Hoeneß kaum Chancen, Reinhard Rauball an der Spitze der DFL abzulösen.(EINWURF: Um (fast) 180 Grad)

Das aber ist das erklärte Ziel des Ex-Nationalspielers, weshalb es bei der Vollversammlung aller 36 erst- und Zweitligisten am 18. August in Berlin erstmals zu einer Kampfabstimmung kommt.

Trieb Rauball Hoeneß zur Kandidatur?

Daran ist Amtsinhaber Rauball aber offenbar nicht schuldlos.

Angeblich war Hoeneß auch bereit, als Vize-Präsident unter Rauball zu arbeiten, doch das lehnte der Präsident von Borussia Dortmund nach Informationen der "FAZ" ab.

Rauball wollte lieber seinen Vertrauten Peter Peters von Schalke 04 weiter als Vize haben - und forderte Hoeneß damit auf, gegen ihn zu kandidieren.

Das macht der langjährige Bayern-Manager nun und geht gleich in die Vollen. Hoeneß weiß, dass er viel Überzeugungsarbeit leisten muss, um die Mehrheit der Vereine hinter sich zu bekommen.

Derzeit nur bei maximal zehn Stimmen

Derzeit werden ihm höchstens zehn der 36 Stimmen zugetraut, und das hat seine Gründe natürlich in der Vergangenheit.

Denn der FC Bayern mit Hoeneß an der Spitze hat die anderen Klubs jahrelang spüren lassen, dass man als mit Abstand wichtigster und reichster Fußballverein Deutschland auch ohne das Solidarprinzip leben könnte.

Immer wieder wurde daher aus München vor allem die zentrale Vermarktung der TV-Gelder in Frage gestellt, schließlich hätte der FCB bei einer Einzelvermarktung wie etwa in Spanien wesentlich mehr einnehmen können.

Geheimvertrag mit Kirch

1999 schloss Hoeneß sogar einen Geheimvertrag mit dem TV-Unternehmer Leo Kirch ab, der dem Rekordmeister ohne Wissen der Liga bis zur Insolvenz der Kirch-Gruppe 2002 etwa 21,5 Millionen Euro zusätzlich einbrachte.

Auch sonst hat sich die selbst ernannte "Abteilung Attacke" mit ihrer oft rigorosen Art wenig Freunde außerhalb Bayerns gemacht - die Ligavollversammlung könnte ihn das nun schmerzlich spüren lassen.

Also macht Hoeneß vollmundige Versprechungen, um das Blatt zu wenden. "Wenn ich gewählt werde, wird es allen besser gehen", sagte er der "Bild" und verwies auf seine Erfolgsbilanz:

"Ich habe den FC Bayern von einem Unternehmen mit sechs Millionen Umsatz auf ein Unternehmen mit nun über 300 Millionen Umsatz geführt. Deswegen wird mir wohl keiner abstreiten können, dass ich den Liga-Verband führen könnte."

Mehr Geld für die Kleinen

Und gerade die von ihm früher so oft drangsalierten kleineren Klubs würden nun profitieren.

"Ich sehe die Möglichkeit, mehr Geld zu generieren - und dann kann man den Kleinen mehr Geld geben, ohne es den Großen wegzunehmen", sagte der 58-Jährige.

"Mein großer Vorteil gegenüber Herrn Rauball ist, dass ich viel näher an den Leuten dran bin", ergänzte Hoeneß im "Münchner Merkur".

"Meine Nähe würde die Probleme schon im Ansatz ersticken."

Schon längst Lösungen bei Löw und Amerell

Als Beispiele nannte er die offene Bundestrainer-Frage und den Schiedsrichter-Skandal um Ex-Lehrwart Manfred Amerell.

"Ich glaube, wir hätten jetzt nicht die Problematik mit der Vertragsverlängerung von Löws Team, hätte ich diese Position schon inne gehabt", meinte er.

Und auch die Schiedsrichter-Affäre hätte sich laut Hoeneß anders entwickelt, "weil mein Einfluss schon im Vorfeld so groß wäre".

Lob von Leverkusen und Hannover

Zumindest bei einigen Erstligisten kommt der Gegenkandidat des seit drei Jahren amtierenden Rauball gut an.

"Möglicherweise wird eine Person, die die Ligainteressen profilierter als bisher vertritt, vielleicht der DFL gar nicht so schlecht zu Gesicht stehen", sagte Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser der "Welt".

"Er wird wissen, dass er in dieser Funktion auch die Interessen der anderen Klubs berücksichtigen muss", erklärte Hannovers Präsident Martin Kind.

"Im Gegensatz zu Reinhard Rauball, der allein von seiner Historie her mehr Funktionär ist, ist Hoeneß ein unternehmerisch denkender Mensch."

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