vergrößernverkleinern
Heiko Westermann kam 2007 von Arminia Bielefeld zu Schalke 04 © getty

Westermann steht vor dem Wechsel zum HSV. Magath geht "davon aus, dass der Transfer klappt" - und bastelt am Team der Zukunft.

Von Christian Stüwe und Thorsten Mesch

München - Beim VfL Wolfsburg baute Felix Magath die Mannschaft so lange um, bis er am Ende die Meisterschale in den Händen hielt - und sich direkt danach in Richtung Gelsenkirchen verabschiedete.

Auf Schalke setzte der Trainer seinen Reformkurs fort. Er baute auf Youngster wie Lukas Schmitz, Christoph Moritz oder Joel Matip ins Team ein - und wurde Vizemeister.

Für die neue Saison wollte Magath seine junge Mannschaft mit erfahrenen Kräften verstärken.

Christoph Metzelder holte er von Real Madrid in die Bundesliga zurück, weitere Routiniers sollten folgen.

Umso überraschender ist es, dass Magath ausgerechnet einen seiner erfahrensten Spieler an einen Liga-Konkurrenten abgibt.

Abreise aus dem Trainingslager

Heiko Westermann wird Schalke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verlassen und zum Hamburger SV wechseln.

Der Kapitän und Defensiv-Allrounder verließ bereits am Montagmorgen das Trainingslager im österreichischen Irdning, um letzte Details mit den Norddeutschen zu klären.

Magath: "Gehe davon aus, dass der Transfer klappt"

"Die Unterschrift fehlt noch, aber ich gehe davon aus, dass dieser Transfer klappt", sagte Magath am Montag.

"Er hat uns verlassen und uns mitgeteilt, dass er sich dazu entschieden hat, zum HSV zu wechseln. Wir sind auf der Position des Innenverteidigers gut aufgestellt, aber der HSV hat dort Bedarf. Und für Heiko ist die Position der Knackpunkt."

Magath hatte zuletzt gegenüber dem "kicker" bezüglich eines möglichen Weggang des Nationalspielers erklärt: "Aus Trainersicht dürfte ich keine Sekunde darüber nachdenken, aufgrund unserer wirtschaftlichen Situation sind aber eben auch solche Transfers ein Thema."

Sieben Millionen Euro Ablöse - Fucile als Ersatz?

Die Ablöse für Westermann, der bei den Königsblauen noch bis 2014 unter Vertrag steht, soll sieben Millionen Euro betragen.

Doch das Geld durch den Verkauf des Routiniers wollen die Gelsenkirchener sofort wieder investieren.

Laut "Bild" bemühen sich die Gelsenkirchener um Uruguays WM-Teilnehmer Jorge Fucile vom FC Porto als Ersatz. (SERVICE: Sommerfahrplan Schalke)

25 bis 30 Millionen für neue Spieler

In den vergangenen Wochen hatte Magath immer wieder bei Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies Geld für neue Spieler gefordert.

Bis Tönnies in der vergangenen Woche schließlich nachgab und Magath 25 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung stellte.

Er habe Tönnies "weder erpresst, noch Druck gemacht", betonte Magath und erklärte 25 bis 30 Millionen seien "das Minimum, ich könnte noch mehr brauchen. Nach dem Weggang von Kevin Kuranyi brauchen wir Stürmer, die Champions-League-Qualität haben".

Raul bleibt der Wunschkandidat

Diese hat ohne Frage Magaths Wunschspieler Raul, der bei Real Madrid keine Zukunft mehr besitzt.

"Er spielt eine wichtige Rolle in meinen Planungen. Ich würde ihn in den Mittelpunkt meiner Offensive stellen", sagte der Coach über den erfolgreichsten Torschützen der Champions League, der sich bis Ende Juli entscheiden will.

Alternative soll der französische Mittelstürmer Guillaume Hoarau von Paris St. Germain sein.

"Ich will wie in Wolfsburg spielen lassen"

Magath hat zudem vor, seiner bisher auf kämpferischen Ergebnisfußball geeichten Mannschaft einen neuen Stil zu verordnen.

"Zwei Stürmer, dahinter eine Mittelfeld-Raute - ich will wie in Wolfsburg spielen lassen", verriet der Coach.

Wolfsburgs Spielmacher Zvjezdan Misimovic würde perfekt in Magaths Konzept passen, doch den bosnischen Nationalspieler zieht es laut "kicker" eher nach Italien zum AC Florenz.

Stattdessen könnte dann der niederländische WM-Teilnehmer Ibrahim Afellay vom PSV EIndhoven kommen.

Ballack im Kopf

Auch ein anderer Mittelfeldakteur spielte in Magaths Planungen eine Rolle. "An Michael Ballack dachte ich bereits Anfang April, doch da hatte ich kein Geld", sagte Magath. 209112(Die Bundesliga-Wechselbörse)

Mit den Tönnies-Millionen und den Einnahmen aus dem Westermann-Transfer hat Magath nun reichlich Mittel, um die Schalker Mannschaft weiter nach seinen Vorstellungen umzubauen.

Westermann wollte Magath dessen Wunschposition in der Innenverteidigung nicht garantieren, sondern hatte dem Nationalspieler eher die Rolle des "Springers" zugedacht.

Dass dieser es nun vorzieht, sein Glück in Hamburg zu suchen und somit auch seine Chancen auf einen Stammplatz im DFB-Team zu vergrößern, ist nachvollziehbar.

Metzelder: Spätestens in drei Jahren Meister

Nutznießer des Westermann-Transfers könnte Christoph Metzelder werden.

"Ich will Verantwortung übernehmen, auch außerhalb des Platzes", sagte der Innenverteidiger dem "kicker" und formulierte seine sportlichen Ziele:

"Innerhalb der nächsten drei Jahre will ich mit Schalke Meister werden."

Kiebitze beeindruckt von Magaths Training

Dass unter Magath härter gerabeitet wird als in Madrid, musste Metzelder im Trainingslager in Irdning am eigenen Leib erfahren.

Ganze 57 Minuten ließ der Trainer seine Spieler Steigerungsläufe absolvieren.

Die Schalker Homepage zitierte zwei Kiebitze, die in den Jahren zuvor auch Real Madrid während der Vorbereitung beobachteten.

"Was Schalke in dieser Einheit an Metern gemacht hat, ist Madrid in einer Woche nicht gelaufen", wunderten sich die Beobachter.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel