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Louis van Gaal war von 2000 bis 2001 Nationaltrainer der Niederlande © getty

Nach nur einem Jahr in München macht sich der Erfolgstrainer Gedanken. Für die Abwehr der Bayern sieht van Gaal keinen Kaufzwang.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Am Nordufer des Lago di Garda herrscht Ausnahmezustand.

Wie überall, wo der FC Bayern aufkreuzt, ist die Hölle los.

Der deutsche Rekordmeister ist die Attraktion im Ferienort Riva del Garda.

Sämtliche gut gebräunten Menschen in Muskelshirts und Badelatschen wollen sehen, wie die Münchner in ihr Quartier im "Hotel du Lac et du Parc" einchecken.

Mit dem Privatflugzeug rücken Trainer Louis van Gaal und sein "Rumpfkader" am Nachmittag an - ohne die noch urlaubenden WM-Stars und die Rekonvaleszenten Franck Ribery und Martin Demichelis.

Auch Daniel van Buyten reiste nicht mit ins Trainingslager. Er durfte bei seiner hochschwangeren Freundin in München bleiben. Damit sank die Zahl der anwesenden Profis in Riva del Garda auf acht.

Neuer Vertrag: "Frühestens am Saisonende"

Schon vor dem Abflug äußerte sich van Gaal in eigener Sache - und sorgte damit für Aufsehen.

Sein Vertrag in München läuft nach dieser Saison aus. Für die Zeit danach hat sich van Gaal fest vorgenommen, Nationaltrainer zu werden.

Am liebsten bei einer großen Nation, die Weltmeister werden kann wie Deutschland, Spanien oder Argentinien. Ob deshalb ein Engagement bei Bayern über den Sommer 2011 ausgeschlossen ist, lässt er offen.

"Mein Vertrag ist nächstes Jahr beendet. Ich werde vorher keinen neuen unterschreiben, nicht im Herbst, nicht im Winter. Frühestens am Saisonende", stellte er im "kicker" klar.

Und er ergänzt: "Eigentlich müsste ich bei Bayern jetzt aufhören, denn jetzt werden die neuen Nationaltrainer gesucht. Vielleicht verlängere ich deshalb hier noch ein Jahr bis 2012 und übernehme dann ein Land", spekuliert er.

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Nur acht Profis dabei

Noch ist er aber bei den Bayern. Und mit denen steht van Gaal weiter vor einer komplzierten Vorbereitung. Nur acht Profis konnte der Niederländer mit an den Gardasee nehmen, der Kader muss mit der kompletten zweiten Mannschaft aufgefüllt werden.

Vernünftiges Arbeiten scheint unmöglich, weil "nur ein, zwei Spieler dabei sind, die später in der Basis spielen", erklärte van Gaal.

Lamentieren will der Coach nach seiner heftigen Beschwerde ("lächerliche Vorbereitung") nun aber nicht mehr, eher mit dem "Fakt" bestmöglich umgehen.

Keine Sorgen um die WM-Stars

In Bezug auf die deutschen Nationalspieler hat er ohnehin keine Bedenken. Auch wenn diese erst am 2. August wieder einsteigen.

"Ich glaube, dass Bayern München etwas anderes ist als die Nationalmannschaft. Hier zählen wieder andere Werte und Leistungen", merkte van Gaal vor dem Abflug ins Trentino im "kicker" an.

"Hier fangen alle bei null an"

Auch dass Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger nach langer Saison und kräftezehrender WM in Südafrika ein Leistungseinbruch bevorsteht, glaubt er nicht.

"Sie haben ja jetzt drei Wochen frei, was nicht jeder Trainer macht. Ich denke, das brauchen sie. Dann geht das auch im nächsten Jahr", sagte er.

Er hob auch noch einmal seinen Leitsatz hervor, weshalb er von seinen Spielern auch so geschätzt wird: "Hier fangen alle wieder bei null an."

Kleines Lob für Gomez

Auch der erste Frust über Mario Gomez, der sich zum Missfallen van Gaals in seinem Urlaub einen privaten Fitnesscoach engagiert hat, scheint verraucht.

"Gomez hatte auch bei uns keine gute Phase, aber er weiß, dass er weiter hart arbeiten muss, das tut er auch."

Ein Weggang des Stürmers, um den sich weiter hartnäckig Wechselgerüchte ranken 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele), scheint aktuell unwahrscheinlich.

Wenig Chancen für Ottl, Sosa und Braafheid

Gehen sollen andere. "Wir haben 25 Spieler, das sind drei zu viel. Weil ich finde, dass wir jedem eine Perspektive bieten müssen. Derzeit müssten einige auf die Tribüne. Das macht uns in der Motivation Probleme", sagt van Gaal.

Kandidaten, die wenig bis keine Perspektive mehr beim FC Bayern haben, sind Andreas Ottl, Jose Sosa und auch Edson Braafheid.

Zumindest Letztgenannter darf sich momentan aber Hoffnung machen. Denn noch kommt für seine Position auf der linken Abwehrseite nur Diego Contento oder Holger Badstuber infrage.

"Wir brauchen nicht zwingend jemand. Wenn wir uns verstärken können, werden wir kaufen. Aber ich bin kein Trainer, der einfach kauft", stellt van Gaal klar.

"Ich bin ein Trainer, der die Spieler verbessern will und das kann. Der Neue muss viel besser sein als die, die wir haben. Und dann müssen wir ihn bezahlen können. Und einbauen. Da kann man auch danebenliegen", weiß er.

Coentrao weiter ein Thema

Das Thema Fabio Coentrao ist offenbar aber noch nicht vom Tisch. Die Verantwortlichen des FC Bayern und Benfica Lissabon feilschen weiter um die Ablöse für den portugiesischen Linksverteidiger.

"Ich schaue immer nach Spielern. Ich schaue nach van der Wiel, nach Coentrao, nach Caceres, nach Deco, nach allen", fügte van Gaal an.

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