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Uli Hoeneß engagiert sich neben seiner Arbeit für viele solziale Projekte © getty

Uli Hoeneß erklärt, warum er doch nicht für den Posten des Liga-Präsidenten kandidiert. Persönliche Gründe spielen eine große Rolle.

München - Die Familie hat Uli Hoeneß zurückgepfiffen, der Zweikampf mit Reinhard Rauball um das Amt des Liga-Präsidenten fällt nach seinem Rückzieher aus.

Am Montag zog Hoeneß völlig überraschend seine Kandidatur für den wichtigen Posten zurück.

Mit dem Widerstand seiner Familie und "zu vielen Interessenskonflikten" begründete der Präsident von Bayern München seinen Salto rückwärts.

Massiver Widerstand aus der Familie

In mehreren Interviews hatte Hoeneß am Sonntag und am Montag keine Hinweise auf einen Rückzieher gegeben.

Vielmehr hatte er mit vollmundigen Ankündigungen massiv Werbung in eigener Sache gemacht und unter anderem erklärt: "Wenn ich gewählt werde, wird es allen besser gehen."

Doch wenige Tage später hörte sich Hoeneß ganz anders an.

"Nach intensiven Gesprächen mit meiner Familie am vergangenen Wochenende bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich nicht für das Amt des DFL-Präsidenten zur Wahl stelle", teilte der langjährige Manager des deutschen Rekordmeisters zunächst ein wenig nebulös mit.

Dem "Münchner Merkur" sagte er aber auch, er habe von der Familie "massiven Widerstand bekommen" - und Druck, am 18. August in Berlin gegen den Amtsinhaber Rauball nicht anzutreten.

Zu viele Interessenskonflikte

"Es war eine schwere Entscheidung, weil ich in den letzten Wochen das Gefühl bekommen habe, ich könnte die Wahl gewinnen, aber die Familie geht vor", sagte Hoeneß.

"Und es sprachen auch noch andere Dinge dagegen."

Der "Süddeutschen Zeitung" erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der FC Bayern AG außerdem, durch eine Tätigkeit als Ligapräsident wäre er in zu viele Interessenskonflikte geraten.

"Dann habe ich jetzt vielleicht einen kleinen Makel"

Viele Anhänger des FC Bayern hätten die Befürchtung geäußert, er könne als Präsident aller 36 Klubs "zu viel FC-Bayern-Know-How" weitergeben", sagte Hoeneß der "SZ".

"Es passiert", ergänzte er beim "Merkur", "dass sich Dinge binnen weniger Tage ändern", und ja, er sei nicht geradlinig vorgegangen: "Aber dann habe ich jetzt vielleicht mal einen kleinen Makel. Lieber einmal im Leben Zickzack-Kurs als drei Jahre unglücklich sein."

Soziales Engagement enorm wichtig

Hoeneß begründete seinen überraschenden Rückzug auch damit, "dass ich dann mein soziales Engagement nicht mehr ausüben könnte, beispielsweise für die Dominik-Brunner-Stiftung", gleiches gelte für "all die Vorträge, bei denen ich mein Honorar weitergeleitet habe".

Dieses Engagement wäre bei einer Wahl zum Ligapräsidenten "zeitlich nicht mehr möglich gewesen", sagte Hoeneß.

"Das müsste ich alles aufgeben, das war's mir am Ende nicht wert."

Kandidatur stößt nicht überall auf Gegenliebe

Erst am Freitag hatte Hoeneß den Zweikampf mit Rauball eröffnet, aber mit seiner Kandidatur seitdem auch nicht überall offene Türen eingerannt.

"Die Vereine werden sehr genau verfolgt haben, was auf den Bundesliga-Tagungen der letzten 20 oder 30 Jahre passiert ist", sagte Hoeneß' alter "Intimfeind" Willi Lemke.

Der Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen war mit seiner Skepsis nicht alleine.

Skepsis bei den Zweitligaklubs

Gemessen an der Blitzumfrage der "Bild"-Zeitung bei allen 36 Klubs der 1. und 2. Liga wurde die Kandidatur von Hoeneß keineswegs einhellig begrüßt.

Hoeneß kam im Duell mit Amtsinhaber Rauball bei 22 "Enthaltungen" auf ein recht knappes 8:6, wobei sein für den VfL Wolfsburg ebenfalls befragter Bruder Dieter ohnehin als befangen zu werten war.

Vor allem die Zweitligaklubs, denen Hoeneß mehr Geld in Aussicht gestellt hatte, waren erstaunlich skeptisch geblieben.

Maximal zehn Stimmen wurden dem FCB-Boss bei der Abstimmung eingeräumt - vielleicht der wahre Grund für seinen Rückzug.

Rauball will Hopfners Kandidatur unterstützen

Doch auch aus der Bundesliga gab es Gegenwind. "Es hätte bei Uli Hoeneß positive Aspekte gegeben, aber wir hätten nicht gewusst, worauf es hinaus gelaufen wäre", sagte Schalke-Trainer Felix Magath.

Damit der FC Bayern München weiter in der DFL vertreten ist, schlug der Rekordmeister für das Amt als Vorstand im Ligaverband Karl Hopfner vor.

Rauball, der von Hoeneß persönlich über dessen Rückzug informiert worden war, kündigte an, die Kandidatur Hopfners zu unterstützen:

"Es ist für das Gesamtinteresse der Liga von Bedeutung, dass der Branchenführer auch in den kommenden drei Jahren verantwortlich im Ligavorstand vertreten ist."

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