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Der FC Bayern München bereitet sich in Riva del Garda auf die neue Saison vor © imago

Nach der Double-Saison kann es für den FC Bayern nur eine Steigerung geben: Das Triple. Die Vorbereitung ist problematisch.

Aus dem Trainingslager des FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Sie lauern in der Tiefe und spielen klare Pässe. Ohne Schnörkel. Zackzack.

Sie sehen den freien Mann und sind Spezialisten für den tödlichen Pass.

Die Schaltzentrale des Weltmeisters Spanien und des FC Barcelona, Xavi und Andres Iniesta, ist das Vorbild für die moderne Version des Fußballs. Auch für Louis van Gaal.

Der Coach des FC Bayern ruft es seinen Akteuren bei bestimmten Übungen immer wieder ins Gedächtnis. "Ohne Hoppeln. Xavi! Iniesta", schallt es dann über den Platz.

Spielverständnis als Schwerpunkt

Aktuell bekommen es die acht Profis und der Kader der zweiten Mannschaft im Stadion von Arco, unweit des Trainingslager-Quartiers in Riva del Garda, zu hören.

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Van Gaal setzt in dieser für ihn schwierigen Woche Schwerpunkte in Sachen Spielverständnis.

Erst am 2. August, wenn auch die WM-Fahrer aus Deutschland und Holland aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, hat er seinen kompletten Kader zur Verfügung.

Fünf Tage später steigt schon das Supercup-Spiel gegen den FC Schalke 04 in Augsburg.

Rummenigge bezweifelt Holperstart

Viele befürchten einen Holperstart, so wie im vergangenen Jahr. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge gehört nicht dazu, er vertraut ganz auf die Fähigkeiten van Gaals.

"Ich bin sehr optimistisch, dass wir keinen Fehlstart hinlegen werden", hatte er vergangene Woche verlauten lassen.

Ausgeschlossen ist das ein Stottern zu Beginn der Saison nicht, aber Taktiker van Gaal wäre nicht van Gaal, wenn er nicht ein Konzept hätte.

"Niveau ist höher als in der vergangenen Saison"

Bis es richtig losgeht, lautet das Motto: Alles mit Ball. In seinem Plan finden sich kaum Ausdauerläufe oder Krafteinheiten.

Die Kondition kommt spielerisch, im Mittelpunkt stehen höchstens noch Sprints, um den schnellen Antritt zu verbessern.

Für die WM-Fahrer hat das einen wichtigen Vorteil: Sie können sich die Fitness in einer Extragruppe holen, um dann ebenfalls spielerisch wieder in den Rhythmus zu kommen.

Der Trainer nennt die Situation trotz allem "ein großes Problem". Doch weiß er auch: "Das Niveau, auf dem wir zusammentreffen, ist ein höheres als in der vergangenen Saison."

Philosophie sitzt

Das heißt: Die Spieler müssen sich nicht mehr an die Philosophie gewöhnen. Die Zeiten, wo keiner den Niederländer verstand, weil er "Fußball mit Hirn" propagierte und viele mit zahlreichen Neuerungen verwirrte, sind vorbei.

"Am Anfang habe ich mich auf gefragt: Was soll das?", blickt Angreifer Ivica Olic im Gespräch mit SPORT1 auf diese Zeit zurück, stellte im Verlauf der Saison allerdings einen Aha-Effekt fest.

Der Kroate, der sein Spiel ebenfalls anpassen musste und zum Leistungsträger avancierte, ist das beste Beispiel für die positive Entwicklung.

Coentrao auf dem Zettel

Für van Gaal braucht somit in der Endphase der Vorbereitung nur noch an Feinheiten zu arbeiten. Das Gerüst der Mannschaft steht ohnehin.

Ob überhaupt noch ein neuer Abwehrspieler verpflichtet wird, ist fraglich.

Die Tendenz geht mittlerweile wieder zu Fabio Coentrao, doch die Verhandlungen mit dem abgebenden Verein Benfica Lissabon, der 30 Millionen Euro für den Linksverteidiger verlangt, gestalten sich zäh.

Chance für Contento

Möglicherweise ist das auch eine Chance für Diego Contento. Der Youngster kann sich in Riva del Garda für einen Stammplatz empfehlen. Auf ihn wird van Gaal besonders achten.

Wie schnell eine Integration klappen kann, haben die Beispiele von Thomas Müller und Holger Badstuber im letzten Jahr gezeigt.

Gegen Contento würde allerdings die mangelnde Erfahrung sprechen. Nach der Double-Saison und dem Erreichen des Finales in der Champions League kann es 2010/11 nur noch eine Steigerung geben: Das Triple.

Leistungsträger stark verbessert

Um das zu erreichen, darf es keine Schwachstellen geben, wenn es wie gegen Inter Mailand im Endspiel um alles geht.

Dass es aber auch ohne Verstärkungen klappen könnte, scheint realistisch. Spieler wie Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm haben sich unter der Regie van Gaal verbessert. Das ganze Team wirkt homogen und siegeswillig.

Wenn van Gaals Plan aufgeht, können sich die Xavis und Iniestas schon bald auf etwas gefasst machen.

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