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Das magische Dreieck: Zvjezdan Misimovic (l.), Grafite (v.) und Edin Dzeko © imago

Wolfsburg doht seine drei wichtigsten Offensivakteure zu verlieren. Sowohl Misimovic als auch Dzeko und Grafite zieht es weg.

Von Hardy Heuer

München - Der VfL Wolfsburg steht vor einer richtungweisenden Saison.

Der Sensations-Meisterschaft von 2009 folgte im Vorjahr der Absturz auf Platz acht.

Nun soll der neue Coach Steve McClaren den VW-Klub wieder in die Spitze zurück führen.

Sein Ziel sei die Europa League, erklärte der Engländer. "Doch wenn wir ein paar Spiele vor Saisonschluss an der Champions League dran sind, greifen wir an."

Dass er bis dahin allerdings noch viel Arbeit hat, zeigte das 1:3 im Testspiel am Dienstagabend gegen Panathinaikos Athen. (SERVICE: Sommerfahrpläne)

Baustellen außerhalb des Platzes

Die weit größeren Baustellen hat McClaren allerdings derzeit außerhalb des Platzes.

Denn das magische Dreieck aus der Titel-Saison steht komplett vor dem Absprung. 209112(DIASHOW: Die Bundesliga-Wechselbörse)

Sowohl die beiden Torjäger Edin Dzeko und Grafite als auch Top-Vorbereiter Zvejzdan Misimovic haben angeblich lukrative Angebote aus dem Ausland vorliegen und wollen weg.

Doch die Verantwortlichen schieben den Abwanderungsgedanken - bis jetzt - einen Riegel vor.

"Gute Spieler sollen bleiben, Verträge sind Verträge. Niemand geht, solange wir es nicht erlauben", erklärte McClaren.

Ganz sicher scheint er sich da aber nicht zu sein, denn er sagt auch: "Ich liebe den Zeitpunkt, wenn das Transferfenster schließt. Dann haben wir endlich Klarheit."

"Milan ist mein Lieblingsklub"

Vor allem Bundesliga-Toschützenkönig Dzeko steht bei zahlreichen Top-Klubs auf der Liste, unter anderem Manchester City, Bayern München, Juventus Turin und dem AC Mailand.

Und der Bosnier ist trotz laufenden Vertrags bis 2013 alles andere als abgeneigt.

"Milan war schon seit meiner Kindheit in Sarajevo mein Lieblingsklub", erklärte der 24-Jährige kürzlich der "Gazzetta dello Sport".

Enttäuscht zeigt sich Dzeko auch darüber, dass ihm bei seiner Vertragsverlängerung ein Wechsel zu seinem Traumklub zugesagt worden sei.

Damals waren die Verantwortlichen jedoch Ex-Trainer Armin Veh und Ex-Geschäftsführer Jürgen Marbach.

Hoeneß rechnet fest mit Dzeko und "Zwetschge"

Sein neuer Boss Dieter Hoeneß will von solchen Absprachen jedenfalls nichts wissen und Dzeko höchstens bei Ablösesummen um die 30 Millionen Euro abgeben.

"Der Stand der Dinge ist, dass Edin Dzeko bei uns ist und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch zu Saisonbeginn bei uns sein wird", sagte der VfL-Geschäftsführer SPORT1.

"Wir wollen, dass er bei uns bleibt und wir haben auch die Kontrolle darüber."

Ähnlich sieht Hoeneß die Situation bei Misimovic. "Ich gehe davon aus, dass Zwetschge auch nach dem Ende der Wechselperiode noch für den VfL spielt", sagte er.

Auch ein Abschieben des Bosniers auf die Tribüne kann sich der 57-Jährige offenbar vorstellen, falls Misimovics Stänkereien anhalten.

"Meine letzte Chance, ins Ausland zu gehen"

Denn der 28-Jährige drängt vehement auf einen Wechsel. Neben Schalke 04 sollen Atletico Madrid und der AC Florenz interessiert sein - allerdings nicht zu den von Wolfsburg aufgerufenen zwölf Millionen Euro Ablöse.

"Ich bin jetzt 28, das ist das richtige Alter für etwas Neues. Es ist vielleicht meine letzte Chance, noch mal im Ausland zu spielen", erklärte "Zwetschge" der "Bild".

Besonders das Interesse an anderen Mittelfeldspielern habe ihn zum Nachdenken gebracht:

Frust über VfL-Kontakt zu Ballack und Diego

"Der VfL hat ja nachweislich mit Michael Ballack verhandelt, jetzt läuft offensichtlich was mit Diego von Juventus Turin. Das werte ich auch als ein Signal für mich".

Auch einen Seitenhieb gegen Hoeneß konnte er sich nicht verkneifen.

"Ob 10, 15 oder 20 Millionen, es ist utopisch, was der VfL da für eine Ablöse verlangt. Das ist nicht angemessen. Auch vor dem Hintergrund, dass man ja bereits mit anderen Mittelfeld-Spielern verhandelt", stichelte Misimovic gegen seinen Chef.

Doch der bleibt äußerlich gelassen.

Fenerbahce will Grafite

So könnte am Ende als Einziger Grafite den Verein verlassen, dem nach seiner schwachen letzten Saison wenig Aussichten ins McClarens 4-2-3-1-System gegeben werden.

Hoeneß dementierte zwar bisher Berichte über ein Angebot von Fenerbahce Istanbul für den brasilianischen WM-Teilnehmer.

Doch das Interesse der Türken ist verbürgt, noch aber liegt man ein Stück entfernt von Wolfsburgs Ablöseforderung von angeblich 7,5 Millionen Euro.

Klarheit über seine neue Elf wird McClaren wohl frühestens zum Saisonstart haben. (DATENCENTER: Bundesliga-Spielplan)

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