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Franck Ribery spielt seit 2006 in Frankreichs Nationalmannschaft © imago

Nachdem der Franzose zu einer minderjährigen Prostituierten aussagen musste, freuen sich die Verantwortlichen auf dessen Rückkehr.

Riva/Paris - Am Mittwochvormittag war Christian Nerlinger noch entspannt.

Als am Gardasee bekannt wurde, dass Franck Ribery im fernen Paris zum Verhör bei der Sittenpolizei erschienen war, sprach der Sportdirektor des FC Bayern München unaufgeregt von einem "lange bekannten Termin".

Der lange bekannte Termin zog sich dann aber auch sehr lange hin, und am Abend war Nerlinger dann nicht gerade angetan von der Aufregung, die Riberys "Lolita-Affäre" wieder verursachte.

"Das schlägt jetzt natürlich hohe Wellen in Frankreich, die zu uns rüberkommen. Es ist ärgerlich", sagte Nerlinger, nachdem bekannt geworden war, dass Ribery nach einem rund sechsstündigen Verhör zwar nicht verhaftet wurde, gegen ihn jedoch weiter ermittelt wird.

"Wir sind guter Dinge, dass das Thema mit seiner Aussage erledigt ist", beteuerte Nerlinger. Der FC Bayern, ergänzte er, stehe außerdem in ständigem Kontakt mit Riberys Anwältin.

Rückkehr am Sonntag

Am Sonntag soll Ribery das Training beim FC Bayern aufnehmen, bis dahin ist der Kader mit derzeit lediglich acht Profis zurück in München.

Die Affäre um eine minderjährige Prostituierte wird den 27 Jahre alten Mittelfeldspieler aber weiter verfolgen. Gegen Ribery, dessen Schwager und den französischen Nationalspieler Karim Benzema ist ein Ermittlungsverfahren wegen der "Kontaktanbahnung zu einer minderjährigen Prostituierten" eingeleitet worden.

Aus Polizeigewahrsam entlassen

Nach der Verfahrenseröffnung durch Richter Andre Dando wurde Ribery wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Polizeigewahrsam ist in Frankreich nichts Ungewöhnliches und wird bei Vernehmungen oft verhängt.

Innerhalb von 48 Stunden muss ein Richter entscheiden, ob er bei einem hinreichenden Tatverdacht einen Haftbefehl erlässt beziehungsweise Ermittlungen einleitet.

Vom Ergebnis der weiteren Untersuchungen hängt die Erhebung einer Anklage ab.

Antrag auf Einstellung des Verfahrens

Unbestritten ist, dass Ribery eine intime Beziehung zu einer minderjährigen Prostituierten hatte.

Dies hat der Franzose bereits zugegeben, jedoch beteuert er, von der Minderjährigkeit nichts gewusst zu haben. Diese Version bestätigte auch die mittlerweile volljährige Prostituierte.

"Da er das minderjährige Alter des Mädchens nicht kennen konnte, darf er auch nicht verfolgt und noch weniger mit einem Anklageverfahren belastet werden", sagte Riberys Anwältin Sophie Bottai, die einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens stellen will.

Es habe sich "seit der letzten Befragung nichts Neues ergeben. Das einzig Neue ist, dass die WM vorbei ist und er schlecht gespielt hat", ergänzte Bottai.

Man frage sich, ob Ribery nicht als "Sündenbock" für Frankreichs WM-Blamage in Südafrika herhalten solle".

Internet-User fordern Ausschluss aus Nationalteam

Die "L'Equipe" vermutet, dass Ribery und Benzema Probleme bei der Ausübung ihres Jobs bekommen könnten.

"Nichts verbietet ihnen die Ausübung ihrer Fußballer-Aktivitäten. Aber ihr psychologischer Zustand ist nun ein großes Fragezeichen für Bayern München und Real Madrid", so die französische Sporttageszeitung.

Auf der Sportseite "le10sport.com" stimmten 90 Prozent der User für einen Ausschluss der beiden Spieler aus Frankreichs Nationalmannschaft.

Van Gaal völlig unaufgeregt

Münchens Trainer Louis van Gaal geht mit der Affäre seines Spielers gelassen um. Das Thema habe es schon in der vergangenen Saison gegeben und da habe "sich nicht viel verändert."

Zur Sache selbst wollte sich der Niederländer im Trainingslager nicht äußern: "Das ist die Abteilung von Herrn Rummenigge", sagte er.

Danach aber lobte er Ribery für dessen Trainingseifer. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

"Schon besser als letztes Jahr"

"An seinem Urlaubsort hat er einen sehr motivierten Eindruck hinterlassen", berichtete van Gaal.

Ribery trimmt sich vier Wochen nach einer Leisten-OP in seinem Urlaub auf Ibiza unter Anleitung von Bayern-Fitnesstrainer Thomas Wilhelmi und mit Physiotherapeut Gerry Hofmann.

Er werde deshalb nach der Rückkehr nach München "vielleicht noch eine Woche brauchen", ehe er ins Mannschaftstraining einsteigen könne, sagte der Trainer.

Und er ergänzte: "Das ist schon besser als letztes Jahr."

Hoeneß glaubt an starke Saison

Präsident Uli Hoeneß ist ohnehin der Ansicht, dass Ribery in der kommenden Saison Zeichen setzen will.

"Er will der ganzen Welt beweisen, dass dieses von Verletzungen und Problemen geprägte Jahr für ihn nicht die Norm ist, und dazu hat er nur bei uns die Chance", sagte er dem "Münchner Merkur".

"Ich denke", fügte Hoeneß hinzu, "wir werden mit ihm im nächsten Jahr keine Probleme haben. Zumal er nach der problematischen Saison endgültig gemerkt hat, was der FC Bayern ist: wirklich Familie."

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