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Toni Kroos (l.) schoss in 62 Bundesliga-Spielen zehn Tore © imago

Für Bayern-Trainer van Gaal zeichnet sich die Wunschelf ab. Wegen der knappen Vorbereitungszeit bricht er mit einem Prinzip.

Aus dem Trainingslager des FC Bayernberichtet Daniel Rathjen

Riva del Garda - Der Ärger über die unbefriedigende Vorbereitung auf die Saison ist noch nicht ganz verraucht.

"Die Bedingungen hier sind sehr gut, aber wie kann ich zufrieden sein, wenn ich nicht mit meiner Mannschaft trainieren kann?", fragt Louis van Gaal leicht gereizt.

Im Trainingslager am Gardasee stehen dem Coach des FC Bayern momentan lediglich acht Profis zur Verfügung.

Doch der Saisonstart am 20. August gegen den VfL Wolfsburg rückt unaufhaltsam näher (DATENCENTER: Der Spielplan).

Fitnesslevel bleibt unausgeglichen

Dass bis dahin alle auf einem Fitnesslevel sind, ist ausgeschlossen. Denn die deutschen und niederländischen WM-Teilnehmer steigen erst am 2. August ins Training ein.

Eine Woche später müssen zumindest die DFB-Kicker bereits wieder zum Freundschaftsspiel gegen Dänemark reisen, das am 11. August stattfindet.

Für van Gaals Training und Spiel ist es jedoch zwingend notwendig, dass ein Spieler zu 100 Prozent in Vollbesitz seiner Kräfte ist.

"Werde wohl Risiko gehen müssen"

Es gehört zu seinen Prinzipien, einen Profi erst dann einzusetzen, wenn diese erreicht sind.

Doch auf Nachfrage von SPORT1 gibt er erstmals zu: "Ich werde wohl Risiko gehen müssen."

"Ich muss gucken, wer fit zurückkommt und dann entweder 30, 60 oder sogar 90 Minuten spielen kann", fügt er an.

Ein gutes Gefühl hat er dabei nicht. "Wir müssen dafür bezahlen, wenn sich ein Spieler verletzt. Das sind meine Spieler, nicht die von Joachim Löw", betont er nochmals.

Hoffen auf Löws Vernunft

Van Gaal möchte nicht falsch verstanden werden. Er habe ein sehr gutes Verhältnis zum Bundestrainer und freue sich, dass er verlängert habe.

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Aber der Niederländer setzt auch auf den Fußballverstand des Kollegen.

"Eine Woche nach dem Trainingsstart können die Spieler keine 90 Minuten spielen", stellt er mit Blick auf das erste Länderspiel am 11. August in Dänemark klar.

Das sei für ihn das ausschlaggebende Argument. Den sportlichen Nutzen für die danach anstehende EM-Qualifikation sehe er ohnehin nicht.

"Der DFB hatte die Spieler von Bayern München jetzt zehn Wochen - da war genug Zeit, um etwas auszuprobieren", bemerkt er.

Startelf im Kopf

Dass van Gaal zum Saisonstart bereit ist, ein Risiko einzugehen, bedeutet auch, dass sich die Spieler aus der zweiten Reihe nicht unbedingt einen Vorteil erarbeiten können, obwohl sie komplette Vorbereitung bestritten haben.

Die taktische Grundordnung des 4-4-1-1 wird dabei kaum verändert.

"Es gibt mehrere Varianten", betont van Gaal. Aber seine Vorstellung der Startelf hat der Bayern-Coach längst im Kopf.

Demichelis auf die Bank

Eine Aufstellung kristallisiert sich aus seinen Aussagen heraus:

Jörg Butt, der in dieser Saison auch die Rückennummer 1 bekommt, ist im Tor gesetzt.

Davor setzt van Gaal in der Viererkette voraussichtlich von links nach rechts auf Diego Contento, Holger Badstuber, Daniel van Buyten und Philipp Lahm.

Martin Demichelis würde demnach erstmal auf der Bank Platz nehmen müssen. Ebenso wie Breno.

Contento oder Coentrao

Contento rutscht nur dann noch aus dem Team, wenn es den Münchnern gelingt, die Ablösesumme für Fabio Coentrao (Benfica Lissabon) entscheidend zu drücken.

Ein Wechsel von Rechtsverteidiger Gregory van der Wiel von Ajax Amsterdam ist dagegen offenkundig kein Thema mehr. 241095(DIASHOW: Bayerns Planspiele)

Das defensive Mittelfeld steht mit Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger.

Davor werden wohl drei offensive Akteure agieren: Auf der linken Seite Franck Ribery, zentral Rückkehrer Toni Kroos (Sportdirektor Christian Nerlinger: "ein absoluter Topspieler") oder Thomas Müller und rechts Arjen Robben.

Müller auch als echte Spitze denkbar

Den Kampf um den einen Platz im Sturm bestreiten Ivica Olic, Mario Gomez und Miroslav Klose. Spielt Kroos, wäre auch Müller ein Kandidat für die Sturmzentrale.

Spielern wie Hamit Altintop, Anatoliy Tymoshchuk und Danijel Pranjic bleibt die Rolle des Ergänzungsspielers.

Insgesamt soll der Kader ohnehin noch verkleinert werden.

Jose Sosa, Andreas Ottl und Edson Braafheid haben kaum eine Perspektive. Sie würde der Verein ebenso ziehen lassen wie einen Stürmer.

Die Planungen dauern noch an.

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